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Industrie 4.0 setzt HR-Management voraus
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Industrie 4.0

Digitale Revolution braucht Fachkräfte

Kerstin Dämon, wiwo.de
Alle reden von der Industrie 4.0 und vernetztem Arbeiten – doch an den entsprechenden Mitarbeitern fehlt es. Nur wenige Betriebe bilden ihre Angestellten entsprechend weiter. Wo sollen die IT-Genies herkommen?
Vollautomatisierte Produktion, der Mensch im Einklang mit Robotern und Maschinen: Industrie 4.0 gilt als Zukunft der Produktion. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schwärmt von der Digitalisierung in der Industrie. "Deutschland ist nicht reich an Rohstoffen, aber reich an Ideen", sagte die CDU-Politikerin nach einem Rundgang im Siemens-Elektronikwerk in Amberg. Der Standort gilt als wichtiges Beispiel für das Geschäftsfeld "Digitale Fabrik" von Siemens.

In der Zukunftsfabrik

In Amberg wird Technik produziert, mit der Maschinen und Anlagen gesteuert und industrielle Fertigungen automatisiert werden – etwa in der Automobilbranche oder bei Kreuzfahrtschiffen. Industrie 4.0 liefere ein hohes Maß an Sicherheit, und Maschinen könnten für den Menschen schwere und ermüdende Arbeit ersetzen, betonte Merkel.

Ziel der "Digitalen Fabrik" sei die bestmögliche Unterstützung für den Menschen. Die Fertigung funktioniert in Amberg weitgehend automatisiert, nur für ein Viertel der Arbeit ist der Mensch zuständig. Zu Beginn werden Ausgangsmaterialien in die Produktionsstraße gelegt, von da an läuft alles maschinengesteuert.

Warten auf HR-Management

Allerdings ist die Arbeitswelt in Deutschland auf die Industrie 4.0 – also eine vernetzte Produktion – gar nicht vorbereitet, wie die Studie "Industrie 4.0" des IT-Dienstleisters Computer Sciences Corporation (CSC) zeigt. CSC befragte rund 500 Unternehmensentscheider in Deutschland, weitere 250 in Österreich und 150 in der Schweiz. In knapp jedem zweiten deutschen Unternehmen fehle es heute schon an Fachkräften, die mit IT-Wissen plus Fertigungs-Know-how die vierte industrielle Revolution gestalten könnten, so das Resultat. Zudem plane nicht einmal jeder vierte Betrieb in Deutschland Aus- und Weiterbildungsprogramme zum Thema Industrie-4.0.

Riesige Lücken beim Faktor Mensch "In der Industrie 4.0 konzentrieren sich die Betriebe derzeit in erster Linie auf die Lösung technologischer Herausforderungen", sagt Peter Körner, Experte für Personalmanagement bei CSC. Doch während es bei den Maschinen klappt, klaffen riesige Lücken beim Faktor Mensch. "Vom konkreten Anforderungsprofil für eine Fachkraft-4.0, über neue Arbeitsmodelle für Projektphasen bis zur stärkeren Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse – offene Baustellen in deutschen Unternehmen", so Körner.

Projekt Zukunft

Dabei werde in Zukunft die klassische Arbeits-Trennung zwischen dem "Planungs-Spezialisten" in der Schaltzentrale und dem "Kollegen mit Kontrollaufgaben" am Band schrittweise aufgehoben. Der Grund: Die intelligente Kombination bestehender Technologien für die vernetzte Fabrik erfordert übergreifende Prozesse, in denen das Know-how der Mitarbeiter gebündelt wird und zu neuen Produktionsabläufen führt.

Diese Auflösung fester Abteilungen und die Zusammenarbeit mit unbekannten Kollegen wird das soziale Klima in der Belegschaft verändern. Ohne entsprechende Mitarbeiter kann das nicht funktionieren. "Das Problem ist nicht nur der bekannte Mangel an Ingenieuren und Informatikern von den Hochschulen", sagt Körner. Man muss auch den einfachen Fabrikarbeiter weiterbilden, damit er auch in Zukunft mitkommt.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 13.03.2015

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