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Firmenbands stärken das Wirgefühl
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Betriebsband

Diese Kollegen rocken

Katrin Terpitz
Firmenbands stärken das Wirgefühl und die Bindung zum Arbeitgeber. Diese emotionale Wirkung machen sich Unternehmen in schwierigen Situationen gern zunutze.
Die Fans kreischen. Der Henkel-Saal in Düsseldorf bebt. Die Welthungerhilfe hat zum Band-Battle "Rock gegen Hunger" geladen. Auf der Bühne wetteifern fünf Musikgruppen um den Sieg. Bei "Let me entertain you" von Robbie Williams ist das Publikum kaum noch zu halten. Der Gitarrist im weißen Hemd spielt sich bei seinem Solo derart in Ekstase, dass seine blonden Haare fliegen.

Der Integrationssong

Im normalen Leben ist der Rockgitarrist Geschäftsführer von Vodafone Deutschland. Robert Hackl ist verantwortlich für Service und digitale Transformation. Und mit Transformation hat der Mobilfunkanbieter momentan alle Hände voll zu tun. Denn der Konzern hat im Frühjahr den Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland mit rund 3 600 Mitarbeitern übernommen. "Eine Integration ist immer schwierig, da kommen unterschiedliche Firmenkulturen und viele Ängste zusammen", weiß der 44-jährige Manager.

Weil der gebürtige Österreicher schon zu Studienzeiten in diversen Bands gespielt hatte, kam ihm die Idee, die Fusion durch eine gemeinsame Rockgruppe und einen Integrationssong symbolisch anzuschieben. "Als Zeichen, dass wir zusammenwachsen. Musik verbindet eben", so Hackl. Der passende Name war schnell gefunden: "The Merger Band". Die Musiker setzen sich zur Hälfte aus "den Roten" von Vodafone und "den Gelben" von Kabel Deutschland zusammen. Stimmgewaltiger Leadsänger ist Bernd Hansen, sonst zuständig für den Betrieb von TV-Produkten des Kabelnetzbetreibers.

Das Wirgefühl

"Meine Idee für eine Band wurde im Führungskreis anfangs eher belustigt und skeptisch aufgenommen", erzählt Manager Hackl, "aber als wir auf einem Integrationsevent vor Tausenden Mitarbeitern die ersten Akkorde anstimmten, sprang der Funke sofort über." Beim Integrationssong "Wir wachsen zusammen" mit der Melodie von "Sweet Home Alabama" sangen selbst die Chefs mit. Außerdem spielte die Band "Don't you forget about me!" – als Warnung an den Konkurrenten Deutsche Telekom. "Alle haben mitgegrölt", erzählt Hackl.

Die Idee einer "Merger-Band" hält Peter Fischer, Professor für Organisations- und Wirtschaftspsychologie der Universität Regensburg, für durchaus clever. "In einer solchen Band fallen die Macht- und Kulturunterschiede zwischen den beiden Unternehmen weg. Sie werden zu einem verschmolzen", sagt der Experte für die Psychologie von Firmenfusionen.

Wenn Menschen gemeinsam Musik machen, entsteht ein Wirgefühl. Das Gehirn schüttet glücklich machende Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin aus. "Diese positiven Gefühle werden direkt auf den Job und den Arbeitgeber übertragen – das verläuft im Unterbewusstsein", erklärt Fischer. Negative Emotionen wie Druck oder Ängste würden dagegen verdrängt.

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