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Wie schaffen wir es, unsere Ziele zu realisieren?
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Konditionierung

Die Zukunft beginnt im Kopf

Michaela Brohm-Badry, wiwo.de
Wer seine Zukunft bewusst gestalten will, muss sein Gehirn neu programmieren: Negative Erfahrungen gehören zwar auch zum Lernprozess für die Zukunft, aber nicht zum strukturierten Weg dorthin. Klare Vorgaben sorgen für ein schnelles Erreichen der definierten Ziele.
"I've seen the future and it will be – I've seen the future and it works", sang Prince Ende der 1980er Jahre und nahm damit aktuelle Forschungsbefunde vorweg, denn es scheint entscheidend zu sein, seine Zukunft "sehen" zu können. Wie kann das funktionieren?

88 Prozent aller Befragten gaben kürzlich in einer Umfrage der Frankfurt Business Media an, ein persönlich wichtiges Lebensziel sei es, lange und gesund zu leben, 82 Prozent wollen finanziell unabhängig sein, 70 Prozent wollen die Welt sehen, reisen und 69 Prozent beruflichen Erfolg. Fragt man hingegen danach, inwieweit Menschen ihre persönlichen Lebensziele erreicht haben, sind die Zahlen weit ernüchternder: 39 Prozent leben gesund, 34 Prozent fühlen sich finanziell abgesichert und 24 Prozent haben schon viel von der Welt gesehen.

Wie schaffen wir es, unsere Ziele auch wirklich zu realisieren? Einen wichtigen Teil der Antwort liefert die US-amerikanische Neuro-Psychologin Lisa Feldman Barrett. Sie hat entdeckt, dass das Gehirn permanent vorhersagend denkt: "Brain is predictive, not reactive!" – eine Ansicht, die sich in der neuen Forschungsrichtung "Prospective Psychology" (Martin Seligman) durchgesetzt hat. Unser Gehirn lebt demnach zu weiten Teilen in der Zukunft. Die dazu notwendigen Informationen leiht es aus unseren bisher gemachten Erfahrungen.

Der Angestellte also, der mir kürzlich erzählte, er müsse sich jeden Morgen "zur Arbeit quälen", hat in der Vergangenheit negative Arbeitserfahrungen gemacht und programmiert seine Zukunft durch seine inneren Bilder und Wörter entsprechend auf negative, quälende Arbeit. Und seine Gefühle gleich mit: Wenn er zu solch einer "quälenden Arbeit" muss, ist er schlecht drauf. Und ganz klar unmotiviert. Erfahrungen der Vergangenheit werden so in die Zukunft projiziert und machen so die Gefühle von heute aus.

Früher dachten die Motivationsforscher, das Wichtigste, um erfolgreich zu sein, sei es, sich Ziele zu setzen. Heute wissen wir, dass es viel wirkungsvoller ist, die Ziele durch verinnerlichte Intentionen zu festigen, denn verinnerlichte Intentionen sind das strategische Mittel, um auf der Zielgerade zu bleiben.

Und das geht so:

• Wir stellen uns nicht das Ziel vor ("2020 bin ich Fachanwalt"), sondern den Weg dahin.

• Wir bilden Wenn-dann-Pläne und sehen uns selbst bei der Verwirklichung: Wenn ich nach Hause komme, dann setze ich mich an den Schreibtisch und lese eine halbe Stunde Fachliteratur. Oder: Wenn mein Wecker schellt, gehe ich joggen. Wenn ich in die Nähe des Kühlschranks komme, gehe ich schnurstracks vorbei. Wenn ich anfange an der Hausarbeit zu schreiben, vertiefe ich mich ganz. Wir stellen uns vor, wie wir zum Schreibtisch gehen und eine Stunden in Ruhe arbeiten. Wenn-dann ist das Prinzip.

In aktuellen Experimenten ließ eine Arbeitsgruppe um die Psychologen Legrand, Bieleke und Gollwitzer (2017) die Teilnehmer genau solche Intentionen bilden: z. B. bei computersimulierten Kartenspielen: "Wenn ich eine Karte sehe, die dieselbe Farbe hat, wie die zuvor gesehen Karte, drücke ich den Knopf so schnell wie möglich!". Die Teilnehmer/innen wiederholten diesen Satz mehrfach um ihn zu verinnerlichen und hielten wesentlich besser durch, als diejenigen aus der Vergleichsgruppe, die sich ausschließlich auf das Ziel konzentrierten ("Ich wähle die richtige Karte so schnell wie möglich aus"): Selbst unter Bestrafungsbedingungen (z. B. falsche Kartenwahl durch erträglichen Störton) blieben diejenigen, die sich ihr Verhalten als Wenn-dann-Beziehung eingeprägt hatten, wesentlich hartnäckiger bei der Sache.

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