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Die Neuen Bundesländer. Im Osten nichts Altes

Martin Roos, mse
Schönreden wollen wir nichts: Die Arbeitslosigkeit in vielen Teilen der Neuen Bundesländer ist hoch, noch immer wandern junge Leute gen Westen, es bleiben die alten. Doch wer genau hinschaut, sieht in Thüringen, Sachsen und Co. nicht nur wunderschöne Orte und Städte neu auferstehen, sondern auch die Keime möglicherweise schon bald blühender Landschaften - ein Rundgang im Wilden Osten.
8.30 Uhr, Dresden-Wilschdorf. 
Der Parkplatz vor dem großen quadratischen Gebäude füllt sich minütlich mit Autos. Leute steigen aus, nicken sich zu und verschwinden in dem modernen Gebäude. Draußen bleiben die Motorengeräusche der anfahrenden Autos und ab und an der Lärm eines Flugzeugs, das zur Landung auf dem nahe gelegenen Dresdener Flughafen ansetzt. Von der grünen Wiese, die hier einst war, den Traktoren, den Kühen, den Schafen, den Bauern fehlt fast jede Spur. Der Boden im Norden Dresdens, aus dem noch vor wenigen Jahren die Bauern Rüben für den real existierenden Sozialismus zogen, ist mittlerweile für die kostbarste Ware präpariert, die je auf sächsischen Äckern gedieh: Chips. Vor knapp sieben Jahren hat die US-Halbleiterfirma AMD (Advanced Micro Devices) die erste Fabrik in Dresden-Wilschdorf eingeweiht. Das zweite Werk kam 2005 - mit 1.000 neuen Arbeitsplätzen und weiteren 1.500 bei Zulieferern. Jetzt wird eine der Fabriken ausgebaut. Auch das Umfeld von AMD boomt. Über 750 Hightech-Unternehmen beschäftigen in der Dresdener Region mehr als 20.000 Mitarbeiter. Neun Fraunhofer-, fünf Max-Planck-, drei Leibnitz-Institute und die TU Dresden liefern Fachwissen und Nachwuchs. Die Hauptstadt Sachsens ist damit einer der wichtigsten Standorte für Mikroelektronik in Europa, weltweit gehört sie zu den Top Ten.
10 Uhr, Magdeburg, Landtag.
Estlands Landwirtschaftsministerin Ester Tuiksoo fährt vor. Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Dieter Steinecke begrüßt sie. Die Ministerin besucht drei Tage das Bundesland. Die Gespräche sind kein diplomatischer Plausch. Geschäfte stehen an: die bessere Zusammenarbeit der Deutschen mit dem baltischen Staat. Auch für Sachsen-Anhalt geht es um viel. Als sein beschäftigungsstärkster Wirtschaftszweig gilt die Nahrungsmittelindustrie. Die produktive Landwirtschaft und hochwertige Vorprodukte bilden die Grundlage des Erfolgs.

Die besten Jobs von allen

10.30 Uhr, Dresden, Slub. 
Als ob man in einem riesigen Designerholzkasten stünde: nach oben das Glasdach, an den Seiten drei Stockwerke hoch Fenster, die die holzvertäfelten Wände wie einen Lattenzaun zu durchbrechen scheinen, auf dem Boden eine symmetrisch angeordnete Armada von Arbeitstischen und Stühlen. Alles praktisch, schlicht, funktional - aber nicht hässlich. Wir sind im Lesesaal der Slub, der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, ein architektonisches Meisterwerk aus dem Jahr 1996. Wer hierher kommt, gehört meist zur TU Dresden - mit 35.000 Studierenden und mehr als 4.000 Mitarbeitern die größte Hochschule der Stadt, die größte Voll-Universität des Freistaats Sachsen und die größte Technische Universität in Deutschland. Ihr Studienangebot übersteigt das vergleichbarer Universitäten wie der Technischen Universität Berlin oder der Technischen Universität München.
11 Uhr, Potsdam-Babelsberg. 
Besucher denken fast immer zuerst nur an die Eine: Marlene Dietrich. In dem legendären Streifen "Der Blaue Engel" wurde sie in den 20er Jahren zum Star. Das waren auch die Hochzeiten der Filmstudios Babelsberg - bis schließlich in den 80er Jahren in der DDR der Ruhm verblasst war. Doch das ist Geschichte. Die Ufa Film- und TV-Produktion Babelsberg ist heute börsennotiert. Als größtes Unternehmen am Standort war es 2005 zu 90 Prozent ausgelastet und schrieb bei einem Umsatz von 43,2 Millionen Euro erstmals schwarze Zahlen - dieses Jahr sollen es sogar 50 Millionen Euro werden. 540 Mitarbeiter arbeiten in den Studios, 340 sind für die hier gedrehten Telenovelas "Bianca - Wege zum Glück" und "Tessa - Leben für die Liebe" dazugekommen.
Und auch ein Hauch von Hollywood weht nach Babelsberg: In zwölf Containern haben sich die Potsdamer eine Spezial-Schallisolierung aus Los Angeles schicken lassen. Sie wird in den riesigen ehemaligen Fabrikbauten des Karl-Marx-Lokomotivwerkes an der Großbeerenstraße eingebaut. Die beiden denkmalgeschützten Hallen hat das Studio Babelsberg für Dreharbeiten gemietet - für zehn Jahre. Das mit 21.000 Quadratmeter Fläche größte Filmstudio Europas ist nun bereit für die Filmcrews - aus Hollywood.
11.45 Uhr, Weimar, Schlosspark Belvedere. 
Auf einer Bank im Schlosspark Belvedere geben fünf Studenten ein Ständchen, der eine spielt Querflöte, der andere Gitarre, drei Violine. Gleich muss das Quintett wieder zurück in die umliegenden historischen "Kavaliershäuser" im Park. Als Mitglieder der Hochschule für Musik Franz Liszt nehmen sie und ihre Kommilitonen dort Kurse für Sänger, Streicher, Gitarristen, Pianisten, Saxophonisten oder Trommler. Der Einzelunterricht ist das Herzstück der Musikschule. 850 Studierende aus über 150 Ländern sind hier eingeschrieben.
Dass sie sich in Weimar in restaurierten Gebäuden wie der Schlossanlage oder dem Rößlerschen Haus, die wie eine Filmkulisse aus "Gefährliche Liebschaften" anmuten, von der Muse küssen lassen können, macht sie besonders stolz. Vor allem dass es sich bei ihrem Studiums-Patron mal nicht um Weimars Vorzeigehelden Goethe und Schiller handelt, sondern um Franz Liszt, der auch in Weimar lebte und komponierte und dem "die Töne wie leuchtende Perlen unter den Fingern hervorquollen". Auch im Ausland wird die Hochschule geschätzt, in Seoul gibt es den ersten Ableger der Hochschule: die "German School of Music Weimar".
12 Uhr, Hochwald, Zittauer Berge. 
Auf dem Aussichtsturm - was für ein Panorama! Im Norden Oybin mit seiner Klosteranlage auf dem Berg und den imposanten Felsen, die von den Kletterern wegen ihrer sauberen Griffe und der variantenreichen Routen geliebt werden. Im Westen der Gipfel der Lausche. Etwas kokett rühmen sich die Bewohner der Zittauer Berge im kleinsten Mittelgebirge Deutschlands zu leben. Doch die 48 Quadratkilometer sind recht fein: Das Gebirge aus Kreide-Sandstein ist das Ost-Paradies für Climber.
13 Uhr, Freyburg an der Unstrut. 
Hier auf den Hügeln des Burgenlands thront die prickelndste Marke des Ostens: In Freyburg fließt der Rotkäppchensekt in Strömen. Brach nach der Wende der Absatz von 15 Millionen Flaschen pro Jahr auf 1,8 Millionen brutal ein, stellen die Freyburger mittlerweile Rekordmarken auf: 100 Millionen verkaufte Flaschen pro Jahr. Mit "Mumm", "Jules Mumm", "MM" und "Geldermann" im Portfolio hat die Kellerei im Westen zuletzt einen Marktanteil von 4,5 Prozent, im Osten von 50 Prozent. Kein Wunder, dass Rotkäppchen-Boss Gunter Heise bereits 2003 Unternehmer des Jahres wurde. Über 100.000 Besucher wollen jährlich die historische Sektkellerei sehen. Das Unternehmen und die Hoteliers im Dorf freut's, der Sekt-Tourismus boomt. Doch kulturell ist im Idyll an der Unstrut eher wenig los, sportlich fast nichts. Einen Dart-Verein gibt es und eine alte Sporthalle, in der die Dorfjugend Tischtennis spielt. Die Halle ist nach Deutschlands Sportkanone Nummer eins benannt: Turnvater Jahn starb 1852 in Freyburg.
15 Uhr, Waren, Müritz. 
Segel- und Motorboote wippen leicht auf den Wellen vor der Kaimauer. Auf der kleinen Straße vor dem Ufer fahren Wagen vor, um die Hotels mit Waren zu beliefern. Vor dem Spielcasino wird die Terrasse gesäubert. Ein paar Touristen schlendern etwas planlos umher. Mehr ist nicht los. Doch wer glaubt, dass hier ansonsten nur der Schlaf regiert, irrt. Waren, das Städtchen an Deutschlands größtem Binnensee, der Müritz, kennen die Seeleute aller Ozeane: Giganten wie die "Queen Mary 2" und die größten Containerschiffe der Welt bekommen von den Ingenieurteams der Mecklenburger Metallguss GmbH ihre Antriebsschrauben gefertigt, manche mit einem Durchmesser von über neun Metern und mit einem Gewicht von 131 Tonnen. Und von einer Qualität, die sich herumspricht. So stieg der Umsatz des Metallbauers innerhalb der vergangenen Jahre von 2,5 Millionen auf heute 47 Millionen Euro. Für 2007 sind 55 Millionen anvisiert. 80 Prozent der Schrauben gehen in den Export, vor allem nach Asien. Der Anteil der Mecklenburger am Weltmarkt liegt bereits bei 26 Prozent. Und das mit nur 170 Mitarbeitern.
15.30 Uhr, Burg Giebichenstein, Halle/ Saale. 
Unten fließt die Saale, oben wird gehämmert - immer noch wird Burg Giebichenstein renoviert. Drei Jahre lang geht das schon so. Im Herbst 2007 soll die Burg endlich in neuem Glanz erstrahlen. Burg Giebichenstein gehört zu den renommiertesten Adressen für Kunst und Design in den Neuen Bundesländern. Sie geht auf die Gewerbliche Zeichen- und Handwerkerschule der Stadt Halle aus dem Jahr 1879 zurück. Auf der Burg hatte schon der Architekt Paul Thiersch studiert, die Bauhauskünstler arbeiteten in Halle, und auch der Bildhauer Gerhard Marcks lehrte hier. Heute zählt die Hochschule etwa 1.000 Designstudenten. Und es werden mehr. Neuerdings lockt der Bachelorstudiengang im Fachbereich Design, Masterprogramme sollen folgen.
18 Uhr, Grenzübergang zwischen Oberwiesenthal und Bozi Dar. 
Eine Autoschlange windet sich an den hölzernen Grenzbaracken entlang. Alles deutsche Autofahrer auf dem Weg in die Tschechei. Sie sehen ungeduldig aus. Fast alle haben drüben nur ein Ziel: tanken. Der Liter Benzin kostet einen Euro. Die meisten Benzinpendler kommen aus Oberwiesenthal, dem beliebtesten Wintersportort im Erzgebirge und Heimat des mehrfachen Olympiasiegers im Ski-Weitsprung Jens Weißflog. Der erste Ort hinter der Grenze liegt nur eine Autominute entfernt. Kaum einer der Tanktouristen kommt über die Pumpstation am Rand von Bozi Dar, das früher Gottesgab hieß, hinaus. Vielleicht noch ins Zentrum von Bozi Dar - dort kostet der Wodka nur einen Bruchteil des deutschen Preises.
19 Uhr, Annaberg-Buchholz, Markt. 
Ja ist denn schon Weihnachten? Natürlich nicht. Aber Vorweihnachtszeit. Und in dieser hat das Bergstädtchen Annaberg-Buchholz Konjunktur. Kling, Glöckchen, klingelingeling. Wer noch nie die an diesem Ort geschnitzten Krippenfiguren, Räuchermännchen oder Nussknacker gesehen hat, hat das deutsche Weihnachten noch nicht richtig gefeiert. Denn fast überall in der Republik stehen die Holzpüppchen aus Annaberg-Buchholz und den Nachbarorten Schneeberg und Freiberg im Erzgebirge. Das Handwerk lockt: Die kleinen Orte gehören heute mit zu den wichtigsten Touristenattraktionen in Sachsen - neben der nahe liegenden Silberstraße mit ihren historischen Mühlen und der ersten Rechenschule von Adam Riese. Kling, Glöckchen, kling.
22 Uhr, Leipzig, Barfussgässchen. 
Dicht an dicht drängen sich die Menschen durch die Gassen, vorbei an Bars und Kneipen. Vielleicht ist sie nicht mit Düsseldorfs längster Theke der Welt, der Altstadt, zu vergleichen, doch wer in Leipzig abstürzen will, kommt ins "Drallewatsch", die berühmte Kneipenmeile, die 1996 von zwei Dutzend Wirten gegründet wurde. Das Areal reicht vom Richard-Wagner-Platz über Große und Kleine Fleischergasse zu Barfußgässchen und Burgstraße. In-Treffs sind "Markt Neun", das "100 Wasser" oder das "Spizz" - hier gibt's alles von Boogie bis Funk. Und Studentenpartys, etwa für Mediziner. Titel: Darmspülung.
Markus Golnik, 27, Student: Ich studiere Fahrzeugtechnik an der HTW Dresden. Der Lehrstuhl hat einen guten Ruf. Ich komme aus der Nähe von Cottbus. Dresden gefällt mir - nicht zu groß, gut überschaubar.
Tamy Tran, 20, Gastronomin: Ich finde es hier nicht schön. Meine Eltern sind aus China nach Dresden gekommen. Wir haben hier ein Bistro in der Neustadt. Am liebsten würde ich in Berlin studieren.
Stefan Günther, 28, Koch: Dresden ist meine Heimatstadt. Was hier zuletzt alles gebaut wurde! Die Stadt wird von Tag zu Tag schöner. Ich arbeite im Carolaschlösschen als Koch. Ich kann mir nicht vorstellen, Dresden je zu verlassen.
Sebastian Dürfeld, 26, Soldat: Dresden ist die schönste Stadt Deutschlands. Vor allem kulturell. Ich bin hier geboren und habe meine Familie hier. Warum woanders hingehen?
Stefan Martens, 32, Wirtschaftsingenieur: Ich habe hier studiert und arbeite heute für Ferchau als Ingenieur. Das Jobangebot in Dresden ist so eine Sache. Für Akademiker, die eine gute Stelle wollen, gibt es nicht viel.
Claudia Wehner, 28, Betriebswirtin: In Dresden wohnen nette Menschen, locker und nicht so spießig wie zum Beispiel in München. Die Stadt hat ein gutes, aktives Nachtleben - im Athenaeum oder in der Showboxx.
Robert Gernegroß, 25, Betriebswirt: Ich bin selbstständig und habe eine Event-Agentur. Das Leben in Dresden ist schön. Hier kann man wandern oder Golf spielen. In zwei, drei Jahren will ich aber mal woanders hin.
André Seidel, 20, Restaurateur: Ich mache hier jetzt erst einmal meine Ausbildung zu Ende. Dann will ich am liebsten einmal um die Welt. Es gibt bestimmt noch andere Städte als Dresden, die mir gefallen würden.
Andrea Winkler, 24, Assistentin in der Psychiatrie: Ich arbeite in Zwickau, aber gehe oft mit Freundinnen nach Dresden. Die Stadt gefällt mir. Hier kann man einfach besser einkaufen.
Katharina Krieger, 21, Studentin: Dresden ist "die" Stadt. Die Menschen sind sehr freundlich. Erst wollte ich nach Berlin. Aber das ist mir zu groß. Klasse, dass es in Dresden wieder "alte Kultur" gibt.
Sina Tegeler, 21, Studentin: Ich komme aus Westfalen. Die Stadt finde ich Klasse. Schön lebt es sich in der Neustadt, szenig, künstlerisch und alternativ. Und ich kann in Dresden Kulturwissenschaften studieren. Die sind hier Spitze.
Sophie Eulitz, 24, Erzieherin: Ich lebe nicht in Dresden. Aber meine Oma. Die Stadt gefällt mir gut. Vor allem ihre Historie. Außerdem ist es die Heimatstadt meiner Mutter. Auf Dauer leben will ich hier aber wohl eher nicht.
André und Tarás Gayevyy, 24, Studenten: Wir kommen aus der Ukraine, haben ein Stipendium und studieren nun BWL an der TU Dresden. Für uns ist das super. Wir können dadurch internationale Erfahrung sammeln und haben bessere Arbeitsmarktchancen.
Sebastian Ihle, 26, Vertriebsexperte: Ich wohne in Radebeul an der Grenze zu Dresden und bin geschäftlich jeden zweiten Tag in Dresden. Die Stadt hat sich enorm entwickelt. Fast ständig gibt es zurzeit etwas Neues - kulturell und architektonisch.
Robert Bechtold, 24, Geograf: Ich komme aus Dresden, habe hier meine Familie und fühle mich heimisch. Großartig ist es in der Sächsischen Schweiz. Da gehe ich mit Freunden immer wandern oder Fahrrad fahren. Klettern im Elbsandsteingebirge ist sensationell.
Knot Fritzsche, 26, Student: In Dresden ist vieles konservativer als in anderen Großstädten. Ich studiere an der TU Dresden. In ein paar Monaten bin ich fertig. Am liebsten würde ich dann ins Ausland gehen.
Nadine Fischer, 26, Rettungsassistentin: Dresden ist ganz schön. An der Elbe kann ich mit meinem Kind gut spazieren gehen. Auch einkaufen ist hier besser als im Umland. Wer es lebendiger mag, sollte aber nach Leipzig gehen. Leipzig ist viel spritziger.
(Umfrage: Martin Roos)
AMDBranche: Mikrochips 
Kontakt: Wilschdorfer Landstr. 101, 01109 Dresden, www.amd-jobs.de
Avery Dennison Branche: Kunststoffverarbeitende Industrie 
Kontakt: Rudloffstr. 6, 99867 Gotha, www.europe.fasson.com
Infineon Technologies Branche: Mikrochips 
Kontakt: Manfred-von-Annen-Ring 20, 01099 Dresden, www.infineon.com
JenoptikBranche: Technologien (Laser, Präzisionsoptik) 
Kontakt: Carl-Zeiss-Str. 1, 07739 Jena, www.jenoptik.com
Ebay Branche: E-Commerce 
Kontakt: Marktplatz 1, 14532 Europarc Dreilinden, http://pages.ebay.de/aboutebay/jobs
Envia Mitteldeutsche Energie Branche: Energiedienstleister
Kontakt: Chemnitztalstr. 13, 09114 Chemnitz, www.enviam.de
Nordex EnergieBranche: Energie 
Kontakt: Erich-Schlesinger-Str. 50, 18059 Rostock www.nordex-online.com
Rolls RoyceBranche: Automobilindustrie
Kontakt: Eschenweg 11, 15827 Dahlewitz, www.rolls-royce.com
Sachsen LBBranche: Finanzen 
Kontakt: Humboldtstr. 25, 04105 Leipzig, www.sachsenlb.de
(Quelle: eigene Recherche)Top-UniversitätenBrandenburgEuropa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) 
Gut in: Jura, Wirtschaftswissenschaften, Kulturwissenschaften www.euv-frankfurt-o.de
Universität Potsdam
Gut in:
Medien- und Kulturwissenschaften www.uni-potsdam.de
Mecklenburg-VorpommernErnst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Gut in:
Theologie, Jura, Medizin, Philosophie www.uni-greifswald.de
Universität Rostock 
Gut in: Agrar- und Umweltwissenschaften, IT, Elektrotechnik, Maschinenbau www.uni-rostock.de
Sachsen Technische Universität Dresden 
Gut in: Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Abfallwirtschaft, VWL, BWL www.tu-dresden.de
Handelshochschule Leipzig
Gut in:
Management (Master of Science Program, MBA, Doctoral Program) www.hhl.de
Universität Leipzig
Gut in:
Theologie, Jura, Geschichte, Philosophie www.uni-leipzig.de
Sachsen-AnhaltMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 
Gut in: Naturwisssenschaften, Jura, Geschichte www.uni-halle.de
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg 
Gut in: Ingenieur- und Naturwissenschaften, Medizin www.uni-magdeburg.de
ThüringenUniversität Erfurt
Gut in:
Kultur-, Sozial- und Erziehungswissenschaften, Kath. Theologie www.uni-erfurt.de
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Gut in:
Sozial- und Verhaltenswissenschaften, Medizin, Physik, Astronomie www.uni-jena.de
Bauhaus-Universität Weimar
Gut in:
Architektur, Bauwesen, Kunst, Design, Medien www.uni-weimar.de
(Quelle: eigene Recherche)Wussten Sie...
... dass Thüringen den Bratwurstweltrekord hält? 3,1 Kilometer misst die längste Wurst der Welt, die von Metzgern aus Jena hergestellt wurde.
... dass der betrunkenste Autofahrer, der jemals von der Polizei in Deutschland erwischt wurde, aus Dresden stammt? Im November 2005 hielten die Beamten einen 43-Jährigen mit 6,18 Promille an.
... dass im Thüringer Wald die "dickste Suppe" Deutschlands gekocht wird? In Neuhaus gab es vom 7. bis 17. Mai 1996, also 242 Stunden, außer Nebel nichts zu sehen.
... dass der älteste Baum Deutschlands in Mecklenburg-Vorpommern steht? Die Eiche ist über 1.200 Jahre alt.
... dass die Menschen in Sachsen-Anhalt vermutlich als erste Deutsche Deutsch konnten? Und zwar so: "Insprinc haptbandun, inuar uigandun." Nein, das ist kein Sächsisch, sondern Althochdeutsch und heißt: "Entspringe der Fessel, entfliehe dem Feind." Die Sätze stehen im ältesten Dokument deutscher Sprache, das im Jahr 750 n. Chr. entstand, im zehnten Jahrhundert aufgezeichnet und schließlich 1841 in Merseburg in Sachsen-Anhalt gefunden wurde.
Wohnen im Osten:Nie im Leben hätte sich Jan Jassner vorstellen können, nach Chemnitz zu gehen. Warum auch? In Schwaben, wo er wohnte, war es so schön! Sauber, klar und heil. In Aalen geboren, in Albstadt Abi gemacht, hatte der junge Jan just seine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann begonnen, ein solider Start ins Berufsleben. Das war 1993. Dass sich sein Vater Wolfgang zu dieser Zeit an einem Ort aufhielt, der den sagenhaften Namen Karl-Marx-Stadt trug und noch grauer wirkte als eine Maus in Zonenuniform, war für ihn Nebensache. Papa Wolfgang, Wessi und Textilmanager in Baden-Württemberg, gründete im heutigen Chemnitz mit Klaus Jungnickel, Ossi und Ex-Chef des dichtgemachten VEB Tricotex, ein kleines Unternehmen, das hochwertige Wäsche produzieren sollte. Der Name der Neugründung passte damals etwa so gut zum Manchester-Image von Chemnitz wie Karl Marx unter die Trockenhaube von Starfriseur Udo Walz: Bruno Banani. Junior Jan ist heute Exportchef des Familienunternehmens. Seit sechs Jahren lebt er in Chemnitz, denkt beruflich nur noch an Slips und Bikinis, versucht sein Schwäbisch möglichst zu kaschieren und fühlt sich in der knapp 250.000 Einwohner großen Stadt ziemlich heimisch - das liegt wohl auch an seiner Frau. Sie ist Chemnitzerin.Made in Chemnitz 
Ein Jahr vor Antritt des Juniors ließ der Vater die Zentrale in Chemnitz neu bauen: die "Perfactory", ein aus Glas und Stahl konstruiertes Fabrikgebäude. Maschinell wird hier nichts hergestellt. Alles ist "hand made", hier rattern die Nähmaschinen: 75 Schneiderinnen fertigen in der ersten Etage jährlich bis zu einer Million hochwertige Unterhosen und -hemden mit Namen wie "Basic-Magic-Men", "Funtastics Women", "Antistress", "Safari" oder "Samurai" - pro Buxe ab 25 Euro aufwärts. Dass alles in Deutschland produziert wird, macht Jan Jassner besonders stolz: "In Chemnitz haben wir einfach das beste Personal. Hier gab es schon vor über 150 Jahren eine Webstuhlfabrik", sagt er. Der Standort macht einen Teil des Erfolges aus: Würde die Wäsche im günstigeren Asien genäht, müsste Jassner eine neue Kollektion bis zu sechs Monate im Voraus in Auftrag geben. Doch das dauert zu lang.
In Chemnitz kann man flexibler auf neue Trends reagieren und Ware schnell nachlegen, erklärt er. Der heute 34-jährige Jassner kam direkt nach seinem VWL-Studium an der FH in Reutlingen in den Osten. Sein Vater hatte ihn gefragt, ob er den Job als Exportchef haben wollte. Jassners Bruder arbeitete bereits im Online-Store von Banani, seine Schwester ist Modejournalistin in München. Umstellungsschwierigkeiten von Schwaben auf Sachsen-Anhalt hatte Sohn Jan nur anfangs: "Der Schwabe ist in etwa so wie die Leute hier: erst zurückhaltend, doch dann lassen sie einen nicht mehr los."Jan Jassner gehört neben den beiden Geschäftsführern zu den etwa zehn Mitarbeitern in der Chemnitzer Zentrale - junge Leute, die alle in einem Großraumbüro sitzen und sich um Controlling, Marketing, Buchhaltung und Vertrieb kümmern. Jassner reist mindestens zweimal im Monat zu Kunden, mal in die osteuropäischen Staaten, am meisten aber in die Schweiz und nach Österreich.Schallendes Gelächter
Dass die Marke "Bruno Banani" für manche Ohren eher wie eine Nasa-Rakete, eine Kondommarke, Pippi Langstrumpfs Onkel oder der Präsident einer Bananenrepublik klingt, irritiert Jassner nicht. Im Gegenteil. Humor ist Teil des Images, das sein Unternehmen zeigen möchte. "Wir liefern hochwertige Produkte und vermitteln Spaß. Auch deswegen kaufen uns die Leute." Heiterkeit war für die Jassners von Anfang an ein wichtiges Argument für den Namen "Bruno Banani": Jassners Werbeagentur machte vor Einführung des Namens den Test und rief bei der Presse an: "Guten Tag, kennen Sie den neuen Stern am Designer-Underwear-Himmel?" "Nein, wie heißt der denn?" "Bruno Banani." Schweigen. "Können Sie das bitte noch mal sagen", fragte der Redakteur, "wir sitzen gerade in der Redaktionskonferenz, ich stelle auf laut." "Bruno Banani!" Schallendes Gelächter.
Freudig lachen dürfen inzwischen auch die Chemnitzer. Unternehmen wie Bruno Banani ist es zu verdanken, dass die Stadt seit etwa zwölf Jahren einen einzigartigen Aufschwung erlebt. Mehr als 6.500 Unternehmen haben sich in dieser Zeit neu angesiedelt, darunter zahllose Existenzgründer, aber auch große Firmen wie IBM, Thyssen-Krupp, Siemens oder VW. Die Umsatzentwicklung der Konzerne und Mittelständler in der verarbeitenden Industrie war im vergangenen Jahr mit 9,3 Prozent fast doppelt so hoch wie in Gesamtdeutschland. Der Erfolg hat sich rumgesprochen. 2004 kehrten erstmals seit der Wende mehr Menschen in die Stadt zurück als abwanderten. Noch in den 90er Jahren liefen Chemnitz jährlich 5.000 junge Leute davon. Auch die Stadt ist attraktiver. Im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, in der DDR-Zeit architektonisch mit Plattenbauten, Verwaltungsgebäuden, sozialistischen kahlen Aufmarschstraßen und dem monströsesten Karl-Marx-Monument aller Zeiten zugeballert, hat Chemnitz in diesem Jahr sogar einen Schönheitspreis gewonnen: Die "Neue Mitte" kam beim diesjährigen Difa-Award, dem internationalen "Immobilienpreis der Städte", auf den zweiten Platz. Das innerstädtische Quartier um das Rathaus - so die Jury - sei eine gelungene Mischung aus Einzelhandel, Büro, Kultur und Gastronomie. Auf der Liste der am dynamischsten wachsenden Städte in Deutschland steht Chemnitz heute auf Platz vier.Einen Ost-Bonus genießen die Firmen in den Neuen Bundesländern allerdings nicht mehr. "Früher wurden wir in Rankings immer lobend als expandierendes Ost-Unternehmen erwähnt. Das ist vorbei. Wir sehen uns heute als internationales Unternehmen", sagt Jassner. Und das mit Erfolg: 2005 setzte Bruno Banani inklusive der Lizenzen für Parfüms, Bettwäsche oder Sonnenbrillen rund 49 Millionen Euro um. Heute kennen 43 Prozent der Deutschen die Marke. Dass Jassners die Eigentümer sind, weiß aber kaum einer. Vielleicht in der Heimat Aalen, wo die Familie bekannt ist wie ein bunter Hund im Banani-Slip. Auch deswegen möchte Junior Jan Chemnitz wohl erst einmal nicht mehr verlassen.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.12.2006

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