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Gründer

Die mühsame Suche nach Startkapital

Jens Tönnesmann
Ohne Finanzierung lassen sich die meisten Geschäftsideen nicht verwirklichen. Der Bankkredit ist dabei nur eine mögliche Geldquelle für Gründer.
Startkapital
Startkapital  Foto: E. Rose/Pixelio
Gründen auf Pump


Wenn Jenny Seul die Geschichte ihres Unternehmens erzählt, dann kommt irgendwann der Moment, in dem sie sich so richtig aufregt. Ende 2009 hatte sie ihren Job gekündigt, um ihr eigenes Geschäft zu starten: eine Online-Plattform, auf der Künstler Werke zeigen und versteigern können – gegen eine deutlich geringere Provision als in den meisten Galerien.

Die besten Jobs von allen


„Das ist eine Marktlücke“, sagt die Kunsthistorikerin. „Die Maler und Bildhauer, die ich kenne, waren sofort Feuer und Flamme.“ Nur die Banken ließen die 35-Jährige zappeln. „Ein Institut verlangte für das Beratungsgespräch eine Gebühr, ein Berater ignorierte mich, weil ich eine Frau bin“, schimpft sie. „Eine Bank sagte mir ab, weil ich für das erste Jahr keine Gewinne versprechen konnte.“

Seul brauchte dringend Geld, um die Programmierer und Designer ihrer Plattform startyourart.de zu bezahlen. Sie überlegte, ihr Vorhaben zu beerdigen.

Wie Jenny Seul fällt es den meisten Gründern schwer, eine Firma ohne Startkapital aufzubauen. Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor belegt, dass zwei Drittel aller Jungunternehmer Geld brauchen, um Mieten und Marketing, Geräte und Gehälter zu finanzieren. Jeder zweite Gründer benötigt über 5.000 Euro Startkapital, jeder Vierte muss gar die 25.000-Euro-Grenze knacken, um loslegen zu können.

Spezielle Darlehen

Wer das Geld nicht auf der hohen Kante hat, beantragt meist einen Kredit. Dazu bieten sich staatliche Förderdarlehen an. Die KfW etwa gibt Gründern mit dem „Startgeld“ einen Kredit von bis zu 100.000 Euro, der zwei Jahre tilgungsfrei ist. Auch die NRW Bank und die Investitionsbank Berlin haben spezielle Darlehen im Angebot. Dennoch stößt jeder Fünfte bei der Kapitalsuche auf Hindernisse – etwa, weil ein Kredit gar nicht, nicht in der gewünschten Höhe oder nur zu schlechten Konditionen zu haben ist.

Drei von zehn Gründern bitten daher „Family, Friends and Fools“ um Geld – Verwandte, Freunde und Verrückte. So wie Holger Haberstock, Jochen Zimmermann und Lucas von Fürstenberg: Um aus ihrer Idee ein Unternehmen zu machen, gingen sie in der Familie auf Geldjagd. Die drei gründeten im März 2010 Traverdo, ein Online-Portal für die Vermittlung nachhaltiger Reisen – vom Aufenthalt in der Biolandpension auf Pellworm bis zur Öko-Trekkingtour durch Ecuador.


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