Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Ist Vereinbarkeit überhaupt möglich?
Robert Kneschke/Fotolia.com
Illusion

Die Lüge von der Vereinbarkeit

Kommentar von Ferdinand Knauß, wiwo.de
Auch wenn stets das Gegenteil behauptet wird: Die totale Mobilisierung beider Geschlechter für das Arbeitsleben lässt nicht genug Zeit für Kinder. Die Vollzeit arbeitende Gesellschaft zehrt von der Substanz.
Die Vereinbarkeit ist allgegenwärtig. Sie fehlt in kaum einer Pressekonferenz von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles oder Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Und in Personalabteilungen redet man ohnehin von fast nichts anderem mehr.

Alle haben das gleiche Ziel

Arbeit und der Rest des Lebens sollen miteinander vereinbar sein. Das finden alle gut und richtig, ob Staat, NGO oder Unternehmen. Und die arbeitenden Männer und Frauen sowieso.

Roland Berger hat vor kurzem eine Studie präsentiert, mit deren Hilfe man eine "neue Vereinbarkeit", also einen "Qualitätssprung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie" fordert. Das klingt natürlich besonders fortschrittlich.

Noch mehr Flexibilisierung

Drei Dinge stellen die Autoren heraus: Unternehmen nehmen wahr, dass auch Väter ein Familienleben haben möchten; Berufseinsteiger erwarten, dass der Job sich nach der Lebensplanung richtet; Eltern wünschen sich, beide "vollzeitnah" zu arbeiten und Familienarbeit fair zu teilen. Der letztgenannte Wunsch, so die Berger-Autoren, gehe bisher zu selten in Erfüllung. Die Antwort darauf könne "nur in noch mehr Flexibilisierung" liegen.

So verstehen das auch die meisten Unternehmen. Und in diesem Sinne bieten sie eigene Kindergärten an und erlauben Heimarbeit. Doch dass diese Angebote zur Vereinbarkeit nicht auf Kosten der Nettoarbeitsleistung gehen dürfen, versteht sich für Arbeitgeber von selbst. Wo dann durch Flexibilisierung unterm Strich mehr Zeit für die Familie herkommen soll, versteht sich aber nicht von selbst. 

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick