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Erfolg und neue Lebensfreude im Job
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Kein Stress im Job

"Die Kunst, die Arbeit zu genießen"

Kerstin Dämon, wiwo.de
Der gemeine Arbeitnehmer steckt im Optimierungswahn: Er muss immer mehr, schneller, besser sein. Wie man sich von diesem Druck befreit, erklärt Psychologin Ilona Bürgel im Interview.
Sie vergleichen in Ihrem Buch "Die Kunst, die Arbeit zu genießen" Arbeit mit Schokolade. Warum?

Schokolade kann bitter oder süß sein, wie auch die Arbeit. Doch im Büro sind wir oft so sehr auf Probleme und Schwierigkeiten fokussiert, dass wir die schönen Seiten vergessen.

Aber allein das Wort hat doch schon einen bitteren Beigeschmack. Wir sagen doch: "Ich muss morgen arbeiten..."

Das ist generell eine deutsche Haltung: zu viel müssen, zu wenig wollen. Das darf man im Sprachgebrauch durchaus einmal überprüfen. Wie oft wir doch eigentlich wollen – und von müssen sprechen. Wir sagen ja auch: "Ich muss die Kinder abholen", was wir ja eigentlich wollen. Nach einem Urlaub lässt sich das sehr gut beobachten. Viele Menschen werden schon in den letzten Tagen unruhig und schlafen in der Nacht vor dem ersten Arbeitstag schlecht, weil sie sich auf dieses Müssen konzentrieren. Und schon ist der Urlaubseffekt dahin. Das sind alles sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Je mehr wir mit Schlechtem rechnen, desto stärker nehmen wir es wahr, weil wir uns dazu passend verhalten.

Und wie kommen wir aus dieser Haltung raus?

Indem wir das umdrehen und positive, sich selbst erfüllende Prophezeiungen schaffen.

Zum Beispiel?

Sagen Sie: "Morgen sehe ich endlich die nette Kollegin wieder" oder "Ich freue mich auf das Seminar mit meinen Lieblingskunden." Das ist ja auch nicht gelogen. Wir vergessen bloß, dass das auch die Realität ist, weil unser Fokus immer woanders liegt.

Das heißt: Die Umfragen lügen, stattdessen machen wir uns unseren Jobstress selbst?

Immer wenn es um Umfragen zum Thema Arbeit geht, wird negativ gefragt. Etwa: "Haben Sie mehr Stress als noch vor einem Jahr?" Das impliziert doch, dass wir Stress haben. In der Psychologie nennen wir das Suggestivfragen. Da ist es sehr schwer, mit "Nein" zu antworten. Deshalb ist das schon eine richtige Geisteshaltung geworden.

Also haben wir keinen Stress?

Arbeitsverdichtung findet tatsächlich statt. Hinzu kommt das, was wir daraus machen. Regen wir uns von früh bis spät darüber auf? Oder stellen wir uns darauf ein und lernen, damit umzugehen und uns entsprechend zu verhalten? Letzteres wäre die bessere Lösung, leider befolgen das nur wenige.

Aber woran liegt das? Verglichen mit anderen Generationen haben wir doch die besten Arbeitsbedingungen, die es jemals gab...

Genau, wir hatten nie mehr Freizeit und Urlaub. Aber wir hinterfragen Denkhaltungen nicht. Wir haben ja sowieso in unserem Kulturkreis dieses Anstrengungsprinzip: Erst die Mühe, dann der Erfolg. Wir nehmen es quasi mit der Muttermilch auf, dass Nichts im Leben leicht sein darf. Wir dürfen uns Erfolg nicht einfach so schenken lassen und dabei noch ein gutes Gewissen haben.

Wollen wir zu viel?

Wir leben in einer Welt der Optimierung: Wir wollen alles optimieren, wir wollen überall mehr erreichen und das ist einfach irgendwann nicht mehr möglich. Aber wir versuchen es trotzdem. Das hat auch im vergangenen Jahr der Stressreport der Techniker Kasse belegt. Der größte Stressor in unserem Leben ist die Arbeit, auf Platz zwei folgen die eigenen Ansprüche an uns selbst. Bei Frauen sind sie sogar auf Platz eins. Und das ist genau der Punkt. Wenn jeder sagen würde: "Ich gebe mein Bestes und mache meinen Job gut, ich mach den gern und bringe mich hier voll ein und mehr muss ich nicht" – dann wären wir nicht völlig kaputt und würden uns nicht verheizen. Wir würden uns einfach angemessen verhalten. Aber wir können ja selber gar nicht aufhören. Wir drehen ja dieses Rad mit, indem wir sagen: Es muss noch mehr sein, es muss noch schneller gehen.

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