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Management

Die jungen Alten starten durch

Stefani Hergert
Mit Anfang 60 vom Vorstand direkt in die Rente? Für viele Manager wie Zeiss-Vorststandschef Dieter Kurz ist das undenkbar. Sie sind als Aufseher und Berater gefragt, und starten spät eine zweite Karriere.
Zeiss-Chef Dieter Kurz gibt 2011 sein Amt abFoto: © Carl Zeiss
Morgens ein paar Abschläge, das Mittagessen mit Gleichgesinnten im Clubhaus, am Nachmittag das Handicap verbessern. Das Klischee vom einstigen Unternehmenslenker, der seinen Ruhestand auf dem Grün verbringt, hält sich. Noch. Denn Ruhe auf dem Golfplatz suchen viele der pensionierten Top-Manager Anfang 60 heute nicht mehr - sie gehen lieber in den Unruhestand. Und geben ihrem Leben noch einmal einen ganz neuen Sinn, eine neue Wendung - und eine neue Einkommensquelle.Auch wenn die wie bei Jürgen M. Schneider nur dem Gehalt eines Professors entspricht. Der 63-Jährige hat in seinem bisherigen Berufsleben mit Zahlen jongliert, zuletzt als Finanzvorstand des Baukonzerns Bilfinger Berger. Jetzt diskutiert er mit Professoren, Berufungskommissionen und dem Rektor der Universität Mannheim. Denn seit Juni steht "Dekan" auf seiner Visitenkarte - er ist der einzige hauptamtliche Fakultätsleiter einer staatlichen Universität in Deutschland.

Die besten Jobs von allen

Wer ihn auf die golfspielenden Ruheständler anspricht, erhält eine sehr diplomatische Antwort. "Ich habe nichts dagegen, über einen Golfplatz zu spazieren und die gepflegte Landschaft zu genießen, aber das allein würde mich nicht ausfüllen", sagt er. Seinen Vollzeitjob an der Universität hat er bewusst angenommen, auch wenn man ihm vorher erst einmal erklären musste, was ein Dekan heute eigentlich macht. (siehe Interview). "Ich brauche eine Herausforderung. Was mich an dieser Aufgabe reizt ist, dass es eben gerade nicht die Fortsetzung dessen ist, was ich bisher gemacht habe", sagt Schneider.Die USA machen es vorGlaubt man Personalberatern, gehen Manager heute viel häufiger in den Unruhestand als noch vor 20 Jahren. Wenn die Unternehmen ihre Vorstände wegen starrer Altersgrenzen mit 60 oder 63 in Pension schicken, verwirklichen die eben die eigene Geschäftsidee, beginnen die zweite Karriere, gründen gemeinnützige Organisationen oder nehmen Mandate in Aufsichts- oder Beiräten an. "Die Lebensentwürfe für die Phase nach der aktiven Managementzeit werden bunter", sagt Tiemo Kracht, Personalexperte und Geschäftsführer der Kienbaum Executive Consultants. Lange hielt sich die Vorstellung, dass das berufliche Engagement mit dem Tag der Pensionierung auf Null abstürzt. Das hat sich verändert, sagen Personalberater unisono.Auch hierzulande hält Einzug, was in den USA gang und gäbe ist. "Das Bild des ausgedienten Managers, der mit Anfang 60 das Unternehmen verlassen hat und kaum mehr hervortritt, gibt es so kaum mehr", sagt Kracht. Stattdessen streben die Manager nach vielfältigen Betätigungen - "going plural", heißt das. Dass sich Manager mit der Pensionierung nicht auf den Ruhestand festlegen lassen wollen, hat einen simplen Grund. Ein 60-Jähriger ist heute gefühlte zehn Jahre jünger und fitter als noch vor 20 Jahren. "Ich bin mit 62 in den Ruhestand gegangen und fühle mich vital genug, noch etwas zu tun", sagt auch Schneider.

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