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Wenn die Wirtschaftswölfe wieder freigelassen werden, beginnt die Jagd nach dem Neuanfang.
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Wirtschaftswölfe

Die Jagd nach dem Neuanfang

Claudia Obmann
Wie Manager und Banker nach einem Gefängnisaufenthalt versuchen, zurück ins Berufsleben zu finden.
Mit diesem furiosen Comeback hat niemand gerechnet: Schmutzige Aktien-Deals brachten den Wall-Street-Händler Jordan Belfort 1998 ins Gefängnis. Statt Drogenpartys mit Prostituierten in Luxussuiten hieß es für den Amerikaner: hinter Gitter mit Gewaltverbrechern.

Weil Belfort seine Mittäter ans FBI verriet, kam er zwar nach nur 22 Monaten frei, doch draußen hatte er verbrannte Erde hinterlassen: keine Rückkehrchance in den alten Job, keine nützlichen Kontakte mehr. Da dachte sich der gewiefte Verkäufer, seine Jagd nach Ruhm und Reichtum könnte lesenswert sein. Und tatsächlich: Wie Belfort gezockt, seinen Lamborghini geschrottet und seine Jacht versenkt hat, wurde zum Bestseller – und zum Hollywood-Blockbuster: "The Wolf of Wall Street" mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle wurde gerade für fünf Oscars nominiert.

Früher Betrüger – heute Motivationstrainer

Die Einnahmen aus Lizenzgebühren kann der 51-Jährige, der heute als Motivationstrainer arbeitet, gut brauchen. Schließlich muss er noch rund 110 Millionen Dollar an gut 1.500 Geschädigte zurückzahlen.

Immerhin: Wurden früher die Namen eingesperrter Wirtschaftskrimineller von Kollegen und Arbeitgebern eisern totgeschwiegen, machen inzwischen einige Gefangene und Ex-Insassen mit ihren Resozialisierungsversuchen von sich reden.

Knastklamotten nach Feierabend

Alexander Ruzicka zum Beispiel will offenbar beruflich am Ball bleiben. Der frühere Chef der deutschen Mediaagentur Äegis gibt als Chefredakteur in der JVA Eberstadt die Gefängniszeitung "gerecht?" heraus. Er war 2009 zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden, weil er mit illegalen Werbegeschäften seinem Arbeitgeber Millionensummen vorenthalten hatte.

In New York wurde gerade wegen guter Führung nach acht Jahren hinter Gittern Häftling Nummer 05A4820 entlassen: Dennis Kozlowski, früher mächtiger Chef des Industrie-Konglomerats Tyco – verurteilt wegen Diebstahls, Steuerhinterziehung und 20 anderer Delikte. Vor seiner Freilassung hatte er zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft in Manhattan als Angestellter eines Software-Anbieters arbeiten dürfen. Abends musste er zurück in die Zelle.

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