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Lautes Großraumbüro
Foto: Stefan Weis/Fotolia.com
Arbeiten im Großraum

Die Geräuschkulisse macht krank

Teil 2

Gibt es, jenseits der finanziellen Ersparnis, aus betriebsmedizinischer Perspektive auch positive Aspekte des Großraumbüros? Es gibt sicher Beschäftigte, sagt Wahl-Wachendorf, die es wertschätzen, dass sie einfach mehr mitkriegen.

"Ich kann mir auch vorstellen, dass es Menschen aus bestimmten kreativen Szenen gibt, die angepasst sind an Unruhe und sich darunter vermeintlich wohlfühlen."

Wichtig sei dann aber in jedem Fall, die Rahmenbedingungen des gemeinsamen Arbeitens genau zu besprechen und einen Verhaltenskodex zu erstellen: Leise reden, nicht brüllen, Zeiten der Ruhe einhalten. Aber: "Das lässt sich erfahrungsgemäß nicht so leicht umsetzen."

Fehler häufen sich

Großraumbüros haben wahrscheinlich aber nicht nur für ihre Insassen vor allem negative Folgen, sondern auch für die Produktivität der Organisation als Ganzes. Laut einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz nimmt die Fehlerhäufigkeit durch einen erhöhten Geräuschpegel um bis zu 113 Prozent zu.

Wahl-Wachendorf sieht daher die Arbeitgeber schon aus Eigeninteresse in der Pflicht, technisch, organisatorisch und persönlich für erträgliche Bedingungen zu sorgen. "Ich würde mich als Betriebsärztin nicht scheuen, sehr klare Worte zu sprechen in Richtung Arbeitgeber."
 
Anspruch auf Gefährdungsbeurteilung

Was viele Arbeitnehmer nicht wissen: Sie haben einen Rechtsanspruch an den Arbeitgeber, eine Gefährdungsbeurteilung vorzunehmen. Das heißt, dass Experten, also ein Betriebsarzt und möglicherweise auch ein Ingenieur, den Arbeitsplatz ansehen und feststellen ob er in Ordnung ist.

"Da gehört auch die Lärmkulisse dazu, und wie viele Menschen auf welchem Raum sitzen und ob sich da gedeihlich arbeiten lässt", sagt Wahl-Wachendorf. Ein echtes Zeichen des guten Willens könne aber oft mehr als jede technische Maßnahme bewirken, meint die Arbeitsmedizinerin.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Dieser Artikel ist erschienen am 19.04.2013

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