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Lautes Großraumbüro
Foto: Stefan Weis/Fotolia.com
Arbeiten im Großraum

Die Geräuschkulisse macht krank

fk, wiwo.de
Betriebsärzte warnen vor psychischen und gesundheitlichen Schäden durch die Lärmbelästigung in Großraumbüros. Ein Verhaltenskodex kann die Insassen etwas entlasten.
Kollegen links, Kollegen rechts, Kollegen vor der Nase, Kollegen im Rücken. Kollegen, die diskutieren, rumlaufen, telefonieren, niesen und lachen. Der Lärm von 50 bis 70 Dezibel, den die Kollegen erzeugen, ist nicht unmittelbar körperlich unangenehm, wie die mehr als 100 Dezibel einer Kreissäge auf einer Baustelle.

Aber, so warnt jetzt der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW): "Auch leiser Lärm macht krank".

Vier bis fünf Millionen Büromitarbeiter, so der VDBW, sind gesundheitsgefährdendem Lärm ausgesetzt, die meisten davon gehören zu den rund sieben Millionen Großrauminsassen in Deutschland.

Nervtötende Krankmacher

Bürolärm schadet unterschwellig. Gerade bei Arbeiten, die Konzentration, Kreativität und Genauigkeit erfordern, ruft die Geräuschkulisse im Büro oft Stressreaktionen hervor, die sich negativ auf die Leistung und das psychische Wohlbefinden der Mitarbeiter auswirken.

Konzentrationsschwierigkeiten, brennende Augen, Kopfschmerzen und Müdigkeit sind nur die leichten Folgen. Auf Dauer können nervtötende Geräuschkulissen zu Burn-out und weiteren psychischen Erkrankungen führen.

Immens hohe Stressfaktoren

Die schädlichen Auswirkungen der Arbeit in Großraumbüros sind in zahlreichen Untersuchungen belegt. "Im Großraumbüro sind die Stressfaktoren immens hoch und häufig leistungshindernd", sagt VDBW-Vizepräsidentin Anette Wahl-Wachendorf. "Ständige Geräuschkulissen führen nicht nur zu einer erhöhten Fehlerquote oder einer geringeren Konzentration. Sie sind für viele arbeitsbedingte Gesundheitsgefährdungen verantwortlich."

Es sei erwiesen, dass bei der Arbeit unter Lärmbelastung der Blutdruck und die Herzfrequenz steigen und auch die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol zunimmt. Auch ein Zusammenhang von Lärmbelastung mit erhöhtem Herzinfarktrisiko sei wahrscheinlich.


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