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Arbeitsmarkt

Die Flexibilität der Österreicher

Stefan Menzel
90 Tage dauert es in Österreich im Durchschnitt, bis ein Arbeitsloser einen neuen Job gefunden hat - Deutsche brauchen fast doppelt so lange. Die Unterschiede zwischen den Nachbarländern existieren vor allem beim Kündigungsschutz.
Alpine Gelassenheit: Arbeitslosigkeit dauert in Österreich im Schnitt 90 TageFoto: © Benicce - Fotolia.com
Die deutsche Arbeitsverwaltung blickt ein wenig neidisch hinüber nach Österreich: Sogar in der Krise hat der Arbeitsmarkt in der Alpenrepublik noch immer besser als in Deutschland funktioniert.Zwar ist auch die österreichische Arbeitslosenquote im Krisenjahr 2009 um 1,2 Punkte auf fünf Prozent gestiegen. Das war aber immer noch deutlich besser als in der Bundesrepublik, wo Eurostat für 2009 eine Rate von 7,5 Prozent errechnet hat. Schon seit Jahren gehört Österreich zu den EU-Ländern mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit. Im vergangenen Jahr waren nur die Niederlande in Sachen Jobvermittlung noch etwas besser.

Die besten Jobs von allen

Die guten Ergebnisse sind auch auf eine effiziente Arbeitsverwaltung zurückzuführen, die in Österreich Arbeitsmarktservice (AMS) heißt. Ein österreichischer Arbeitsloser muss im Durchschnitt gut 90Tage vom AMS betreut werden, bis er wieder eine neue Stelle gefunden hat. In Deutschland dauert  es mehr als doppelt so lange, bis er zurück in Lohn und Brot ist.Gut 40 Prozent aller freien Stellen werden in der Alpenrepublik vom AMS besetzt, die deutschen Kollegen schaffen nicht ganz ein Drittel.Der AMS wird schon seit Jahren nach modernen Managementmethoden wie Zielvorgaben und leistungsabhängigem Gehalt für die auf Branchen spezialisierten Betreuer der Arbeitslosen geführt – eben fast wie ein herkömmliches, modernes Unternehmen. Das erklärt ebenfalls die vergleichsweise hohe Effizienz der Österreicher.Insgesamt ist der österreichische Arbeitsmarkt allerdings auch um einiges flexibler als der deutsche. Nicht nur hinsichtlich Freizeit und Lohn sind die Nachbarn bescheidener. Darüber hinaus ist auch der Kündigungsschutz längst nicht so ausgeprägt.Außer Belegschaftsvertretern, Schwangeren und Behinderten kann Beschäftigten mit nur zwei Jahren Betriebszugehörigkeit innerhalb von sechs Wochen grundlos gekündigt werden. Erst wer länger bei einer Firma angestellt ist, genießt verlängerten Kündigungsschutz. Unternehmen tun sich deshalb um einiges leichter bei Neueinstellungen. Kündigungen müssen nicht begründet werden und landen somit auch seltener als in Deutschland vor Gericht.Als sozialen Ausgleich für diejenigen, die ihre Stelle verlieren, gibt es in Österreich die sogenannte Abfertigung. Das ist ein gesetzlich geregeltes Abfindungssystem. Es funktioniert so: Monatlich zahlt der Arbeitgeber gut 1,5 Prozent der Bruttogehälter in spezielle Versorgungskassen ein. Kommt es dann zur Kündigung, steht dem Arbeitnehmer nach einem bestimmten Schlüssel eine Abfindung aus diesen Töpfen zu.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.12.2010

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