Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Foto: Viorel/Fotolia.com
Mitarbeiterzufriedenheit

Die Deutschen sind ihrem Arbeitgeber treu

wiwo.de
Während woanders Job-Hopping Gang und Gäbe ist, sind die Deutschen ihrem Chef treu. Sie bleiben im Schnitt elf Jahre beim selben Arbeitgeber. Trotzdem sind zwei Drittel der Deutschen von ihrem Job genervt.
Wer sich ewig bindet

Deutsche Beschäftigte halten ihrem Unternehmen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern überdurchschnittlich lang die Treue. Die Betriebszugehörigkeit hierzulande beträgt im Schnitt rund elf Jahre, wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtet.

Zwar wurde der deutsche Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren stark flexibilisiert, seit 1992 habe sich die Zahl der Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen verdoppelt. "Dennoch ist Job-Hopping kein Phänomen, das für das Gros der Arbeitnehmer zutrifft", sagte Thomas Rhein vom IAB dem Blatt. Gründe für die Loyalität seien unter anderem gute Gehälter und Entwicklungschancen.

Die besten Jobs von allen


Treue trotz Stress

Seit 1992 berechnet das IAB die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von Arbeitnehmern in deutschen Unternehmen. Laut der Zeitung lag sie damals bei 10,3 Jahren – Lehrlinge und Neueinsteiger mitgerechnet. Wegen des wirtschaftlichen Umbruchs in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung sank die Zahl, seit 2000 steige sie aber wieder kontinuierlich.
2009 betrug sie laut der Zeitung 11,2 Jahre. Experte Rhein geht davon aus, dass dieser Wert heute weitgehend stabil geblieben sei.

In anderen europäischen Ländern ist die Bereitschaft, das Unternehmen zu wechseln, dem Bericht zufolge mitunter deutlich größer. Doch trotz des guten Gehalts und der Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz: Arbeiten stresst die Deutschen – und zwar mehr als Geldsorgen, das kranke Kind oder der Streit mit dem Partner.

Das geht aus einer Umfrage des Bürodienstleisters Regus hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Fast zwei Drittel der Befragten hierzulande (61 Prozent) gaben als größten Stressfaktor ihre Arbeit an. Die Anspannung im Job ist bei 58 Prozent der Befragten im Vergleich zum Vorjahr außerdem gestiegen, weltweit empfinden das 48 Prozent der Menschen so. Privat macht den Menschen vor allem ihre finanzielle Lage Sorgen: 44 Prozent der Befragten sehen darin den größten Stressfaktor, in Deutschland sind es 25 Prozent.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Dieser Artikel ist erschienen am 24.10.2012