Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Talente

Die Chefs von morgen selbst entwickeln

Katharina Hodes
Viele Unternehmen finden und fördern inzwischen ihre eigenen Talente.
Wenn sich Strategieberatungen wie McKinsey an ein Thema wagen, das bislang nur Personalberatungen bedient haben, spricht das für einen deutlichen Trend: Talentmanagement, also Personalentwicklung mit dem Ziel, wichtige Positionen aus den eigenen Reihen zu besetzen, ist ein zentrales Anliegen für deutsche Personalverantwortliche. So bescheinigt auch der aktuelle HR-Klima-Index der Personalberatung Kienbaum dem Talentmanagement in den vergangenen drei Jahren eine hohe Priorität.

Walter Jochmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kienbaum Management Consultants, bestätigt: „Eine gute Strategie scheitert, wenn die Führungsposition fehlbesetzt ist. Deshalb sind Nachfolgefragen heute Thema in der Geschäftsführung.“ Für Unternehmen wird es aufgrund des demografischen Wandels immer schwieriger, Jobs mit hochspezifischen Anforderungen zu besetzen. Da ist es eine gute Alternative, Talente aus den eigenen Reihen systematisch zu fördern.

Die besten Jobs von allen


Klienten fordern Hilfsinstrumente

„Die USA sind unserem Markt erfahrungsgemäß fünf Jahre voraus. Dort dienen neben Umsatz und Rendite die Kennzahlen des Nachfolgemanagements dazu, Unternehmen zu bewerten“, sagt Jochmann. So ist auch für deutsche Personalberater die Talententwicklung ein Spezialisierungsfeld mit Zukunft.

Die Beratung Promerit hat sich dem Thema bereits seit der Gründung 1999 verschrieben. Markus Frosch, Promerit-Partner im Bereich Talentmanagement-Strategie, kennt sich im Tagesgeschäft aus: „Unternehmen haben unterschiedliche Erwartungen an uns. Für einige entwickeln wir grundlegende Konzepte, für andere Instrumente zur Potenzial-Diagnose.“

Zum Talentmanagement gehören Analysen, die Leistung und Potenzial von Mitarbeitern erfassen und vergleichbar machen. Besondere Talente erhalten Coachings oder Weiterbildungen. Frosch sagt: „Nicht nur Führungsanwärter sollten gefördert werden, sondern auch Fachleute wie etwa ein Onkologe im Pharmaunternehmen. Ihm muss das Unternehmen gute Entwicklungsmöglichkeiten bieten, um ihn halten zu können.“

Diplomatie und IT-Know-how

In der Frage, wer durch Talentmanagement unterstützt werden soll, folgen Personalberatungen unterschiedlichen Ansätzen. Bei Towers Watson beziehe man sich auf die Entwicklung der gesamten Belegschaft, so Sylvia Branke, Expertin für Talentmanagement der Beratung. „Ein Unternehmen muss seinen Arbeitskräftebedarf frühzeitig ermitteln – und zwar auch im Hinblick auf die benötigten Qualifikationen der Mitarbeiter. Sonst läuft es in Krisenzeiten Gefahr, Mitarbeitern zu kündigen, die es später wieder teuer einkaufen muss.“

Studierte Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologen sowie Betriebswirtschaftler haben die besten Chancen, als Personalberater im Talentmanagement Fuß zu fassen. Markus Frosch von Promerit betont aber: „Auch Quereinsteiger mit Praxiserfahrung sind uns willkommen. Wer selbst erfolgreich gearbeitet hat und die Besonderheiten von Branche und Funktion kennt, weiß auch, wie man Talente begeistert und effektiv fördert.“

Bewerber sollten ein gutes Zahlenverständnis sowie Know-how in Programmen wie SAP mitbringen, da diese zur Auswertung der Mitarbeiterdaten genutzt werden. Beraterin Branke ergänzt: „Diplomatisches Geschick ist im Talentmanagement genauso wichtig.“ Das ist auch nötig, wenn zum Beispiel unfaire Bevorzugung vermutet wird. Branke sagt daher: „Es erleichtert die Arbeit, wenn alle gemeinsam definieren, was im jeweiligen Unternehmen als Potenzial gilt und wie Leistungen gemessen werden sollen.“

Personalberater Frosch betont, die Folgen der Talentanalyse klar zu kommunizieren: „Mitarbeiter müssen keine Nachteile fürchten, wenn sie nicht zu den Top-Talenten gehören. Viele leisten gute Arbeit, wären aber in der Führung fehlbesetzt. Andererseits müssen Talente damit rechnen, bei besonderer Förderung auch besonders gefordert zu werden.“
Dieser Artikel ist erschienen am 09.05.2011

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick