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Thomas Blunck

"Die Beratung ist oft ein Sprungbrett"

Til Knipper
Thomas Blunck hat seine Karriere als Berater bei Roland Berger begonnen - und es nicht bereut. Dabei hatte der Einstig seine Tücken: Bei McKinsey und Andersen Consultig war er zuvor im Assessment-Center gescheitert. Heute ist der 44-Jährige Vorstand des Dax-Konzerns Münchener Rück.
Thomas Blunck begann seine Karriere als Berater bei Roland BergerFoto: © judith wagner
Herr Blunck, wie sah Ihr typisches Beraterbild aus, bevor Sie bei Roland Berger anfingen?
Ich hatte kein bestimmtes Bild. Die Beraterkarriere war für mich deswegen attraktiv, weil ich so als Berufseinsteiger sofort mit vielen unterschiedlichen Branchen zu tun hatte und mir einen guten Überblick verschaffen konnte. Außerdem beschäftigt man sich schon als junger Strategieberater mit Fragestellungen, die einem sonst frühestens auf Management- oder Vorstandsebene begegnen. Und entsprechend hoch präsentiert man auch seine Konzepte.
Absolventen zeichnen einen typischen Berater gerne als Mann mit gegelten Haaren, teurem Anzug, Laptop und Trolley - als Powerpoint-Held, der halb Englisch, halb Deutsch spricht. Ist da gar nichts dran?
Ich kann nicht ausschließen, dass es solche Berater gibt, aber es ist schon ein ziemliches Klischeebild, das Sie da zeichnen. Die meisten Berater sind ganz normale Menschen, die genauso in der Industrie oder im Handel arbeiten könnten. Laptop, Trolley und Powerpoint sind schlicht Werkzeuge der Berater, die aber auch in vielen Unternehmen zum Einsatz kommen.

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Und was ist mit der Sprache?
Im Optimalfall sprechen Berater die Sprache ihrer Kunden. Was ich hasse, ist, wenn Leute viele überflüssige Anglizismen benutzen. Das ist meist ein Hinweis darauf, dass sie das Thema nicht durchdrungen haben.
Die Bewerbungsverfahren bei den Beratungen gelten als besonders hart. Warum, glauben Sie, haben Sie es damals geschafft?
Zunächst habe ich es zweimal nicht geschafft. Bei McKinsey und bei Andersen Consulting bin ich mit Pauken und Trompeten im Assessment-Center gescheitert. Ich bin da etwas naiv rangegangen und habe mich überhaupt nicht vorbereitet auf die Fallstudien, Einzelinterviews, Intelligenztests, und was sie sonst noch alles veranstalten.
Wie hat es dann bei Roland Berger geklappt?
Dort habe ich einen anderen Weg gewählt und zunächst als Werkstudent angefangen. Das kann ich nur empfehlen, weil man das Beratungsgeschäft und -unternehmen so gut kennenlernen kann. Man stellt dann schnell fest, ob man zusammenpasst, was bei Berger für mich der Fall war.
Ein weiteres Assessment-Center mussten Sie dort nicht durchlaufen?
Nein, das war ein fließender Übergang. Schon als Werkstudent war ich direkt in Projekte eingebunden, wenn auch nicht gleich beim Kunden, sondern im Hintergrund. Das änderte sich als ich dann Junior-Berater wurde. Wir haben so viel gearbeitet, dass sogar die Vertragsänderung zunächst untergegangen ist.

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