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Auszeit im Lebenslauf erklären
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Bewerbung

Die Auszeit richtig verkaufen

Christoph Krelle, zeit.de
Sabbatical, Elternzeit, private Projekte – aber wie soll man später die Lücken im Lebenslauf erklären? Mit Selbstreflexion und Storytelling.
Larissa Meyer hat vor einem Jahr ihren Job gekündigt. Die ehemalige Vertriebsmitarbeiterin war ständig müde, konnte sich schlecht konzentrieren und noch schlechter motivieren. Die Arbeit machte keinen Spaß mehr und reizte sie immer weniger. Zunehmend fiel es ihr schwer, sich morgens aus dem Bett zu quälen. Und es frustrierte sie, dass sie durch ihren Job zu wenig Zeit fand, Sport zu treiben und in die Natur zu gehen. Dabei wohnt die Schleswig-Holsteinerin nah an der Ostsee. Irgendwann zog die Enddreißigerin die Reißleine – und kündigte von sich aus. In ihrem Job hatte die Kinderlose gut verdient und genügend Geld angespart, sodass sie eine Weile ohne Einkommen überbrücken konnte. Seitdem sie ohne Job ist, kommt sie fast jeden Morgen ans Meer, um den Tag in Ruhe zu beginnen und die Natur zu genießen. "Ich genieße es, dass ich mich wieder konzentrieren kann", sagt sie.

Mut allein reicht nicht immer

In einer Zeit, in der die Menschen ihr Leben immer mehr für die Arbeit hergeben, ist es mutig, seinen Job von sich aus zu kündigen und sich eine Auszeit zu gönnen. Und man muss es sich wie Meyer finanziell leisten können. Für die Enddreißigerin hat ihre Entscheidung auch etwas mit Ehrlichkeit zu tun – sich selbst gegenüber – und der "Fähigkeit, zu erkennen, wann die eigenen Batterien leergelaufen sind". Vor einer drohenden Langzeitarbeitslosigkeit hatte sie keine Angst. "Im Gegenteil", sagt sie, "ich wusste, wenn ich mich wieder fit und startklar fühle, hole ich mir den Job, der zu mir passt."

So eine Einstellung erfordert ein gesundes Selbstbewusstsein – und die Selbstsicherheit, auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich gefragt zu sein.

Ohne Arbeit nur ein halber Mensch?

Genau das fehlt vielen Arbeitnehmern. Die meisten Beschäftigten fürchten sich heute davor, jederzeit ersetzbar zu sein. Der Verlust des Arbeitsplatzes ist für die meisten Menschen nicht nur aus finanziellen Gründen ein Desaster. Arbeit definiert die soziale Stellung in der Gesellschaft. Der Beruf ist für viele auch identitätsstiftend. Hinzu kommt, dass eine Auszeit mit Faulheit gleichgesetzt wird. Müßiggang ist in der modernen Arbeitswelt nicht vorgesehen.

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