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Unbekannte Arbeitskräfte
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Fachkräftemangel

Deutschlands unbekannte Arbeitskräfte

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Ob offiziell arbeitslos oder nicht – zwei Millionen "Nichterwerbspersonen" wünschen sich Arbeit, zeigt das Statistische Bundesamt. Aus den "stillen Reserven" könnten Unternehmen schöpfen. Dafür müssten sich Arbeitgeber diesem "Markt" öffnen. 
Während Arbeitgeberverbände seit Jahren für Politik und öffentliche Meinung das Klagelied über den "Fachkräftemangel" anstimmen, schlummert in Deutschland offenbar auch jenseits der Arbeitsagenturen noch ein großes Heer von nicht arbeitenden aber arbeitswilligen Menschen.

Fast zwei Millionen so genannte Nichterwerbspersonen wünschen sich Arbeit, meldet das Statistische Bundesamt.

"Wir wollen mit unserer Erhebung zeigen, dass es ein großes ungenutztes Potenzial von Arbeitskräften in Deutschland gibt", sagt Martina Rengers von destatis.

Schwieriger Begriff

Für Nicht-Arbeitsmarkt-Statistiker ist es nicht so leicht zu verstehen, was eine Nichterwerbsperson ist. Sie ist laut Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eine Person zwischen 20 und 64 Jahren, die nicht am Erwerbsleben teilnimmt, also weder erwerbstätig, noch erwerbslos sind.

Das klingt absurd, aber nur so lange man sich nicht bewusst macht, dass nach der ILO-Nomenklatur nur als "erwerbslos" gilt, wer keine Arbeit hat und sowohl aktiv nach neuer Arbeit sucht, als auch innerhalb einer Zwei-Wochen-Frist eine neue Stelle antreten kann.

Es gab 2012 nach der heute veröffentlichten Arbeitskräfteerhebung des Statistischen Bundesamtes (destatis) in Deutschland nur 2,2 Millionen Erwerbslose, aber 9,4 Millionen Nichterwerbspersonen.

Nicht aktiv suchend

Eine Nichterwerbsperson kann also zum Beispiel ein Student sein, der sich komplett ohne Jobben finanziert, oder eine junge Frau in Elternzeit, oder ein 60-jähriger Mann, der nicht glaubt jemals wieder eine Stelle zu finden, und es daher gar nicht erst versucht.

Mit der Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur, das ist wichtig zu betonen, hat diese Kategorisierung nichts zu tun. Die durch das erfassten Nichterwerbspersonen können also sowohl arbeitslos gemeldet sein, also Arbeitslosengeld I oder II (Hartz IV) erhalten, als auch nicht.


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