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Management

Deutschlands stille Reserve

Ruth Lemmer, Claudia Obmann
Akademiker mit ausländischen Wurzeln, die Abitur und Hochschulabschluss haben, halten im Management Einzug: Sie sind leistungsorientiert, in mehreren Kulturen zuhause und eröffnen Unternehmen neue Perspektiven.
Für Migranten werden die Jobchancen besserFoto: © Franz Pfluegl - Fotolia.com
Wonach klingt das? Drei Schwestern, deren anatolische Eltern einst als Gastarbeiter nach Duisburg gekommen sind, haben in der Finanzbranche Karriere gemacht. Die Älteste, Gülabatin Sun, hat es bis zur Direktorin bei der Deutschen Bank in Frankfurt geschafft. Die türkischstämmige Managerin leitet den Service-Bereich des Geldhauses mit rund 1500 Mitarbeitern. Das klingt nach gelungener Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln in die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft. Es gibt kaum ein Thema, das wichtiger sein könnte. Aber auch keines, das derzeit umstrittener ist.Rund 15,6 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund - wie Soziologen sie nennen - leben in Deutschland. Die größte Gruppe mit 1,7 Millionen Menschen stammt wie die Suns aus der Türkei, 900000 wanderten aus dem früheren Jugoslawien ein, 500000 aus Italien. Hinzukommt ein Mix aus russischen Aussiedlern, vietnamesischen Flüchtlingen oder Ehefrauen aus Thailand.

Die besten Jobs von allen

Zu viel, zu fremd und zu unangepasst sagen Pessimisten wie Thilo Sarrazin und geben die Republik verloren. Die Optimisten dagegen führen an, dass die Chancen auf Job, Karriere und damit Integration selten günstiger für diejenigen waren, die in der Arbeitswelt bislang zu kurz kamen: Frauen, Ältere, vor allem aber Migranten. Denn deutsche Unternehmen sind gezwungen, sich für sie bis hin zu Spitzenpositionen zu öffnen.Demografischer WandelAuslöser sind nicht nur der demografische Wandel, der Lücken beim Nachwuchs reißt, sondern auch der zunehmende Fachkräftemangel. Eine auf Export ausgelegte Nation kann es sich schlicht nicht länger leisten, auf Führungsnachwuchs mit ausländischen Wurzeln zu verzichten. Schließlich wollen fremde Märkte bedient und Kunden und Kollegen ohne deutschen Stammbaum betreut werden.

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