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Frauenpower

Deutschlands neue Chefinnen

Cornelia Schmergal / wiwo.de
Managerinnen entern Vorstände, sollen krisengeschüttelte Unternehmen retten und werden von Headhuntern umworben wie nie. So ändern die Damen die Führungswelt von morgen. Ein Blick in Deutschlands neue Chefinnen-Etagen.
Immer mehr Frauen finden den Weg in die FührungsetagenFoto: © Yvonne Bogdanski - Fotolia.de
Beim Frühstück wurde ihr klar, dass sie vielleicht doch eine Exotin sein könnte. An diesem Morgen hatte die „Bild“-Zeitung Anja Krusel zum „Gewinner des Tages“ gekürt. „Von wegen Frau und Computer! Anja Krusel wechselt als Finanzchefin zu Microsoft Deutschland“, lautete die Schlagzeile. Ein Geschäftspartner hatte den 20-Zeiler eingescannt und per E-Mail geschickt. „Glückwunsch, Du hast es auf die Titelseite der Bild-Zeitung geschafft“, hatte er gefrotzelt. „Ohne etwas auszuziehen.“Genau weiß Anja Krusel nicht mehr, wie lang sie an jenem Tag lachen musste. Aber sie weiß, dass sie es laut und ausgiebig tat. Vielleicht müssen sich manche Herren erst daran gewöhnen, dass eine Frau einen Job macht, der so besonders ist, dass es eine Boulevard-Nachricht trägt.

Die besten Jobs von allen

7 von 13 Sesseln von Frauen besetzt „CFO, kaufmännischer Geschäftsführer“, so steht es auf ihrer Visitenkarte. Die 43-Jährige ist oberste deutsche Controllerin beim Elektronikkonzern Philips. Und nie hat sie geglaubt, irgendjemand könnte es ungewöhnlich finden, dass eine Frau die Bilanzen aufstellt. Bis zu jenem Morgen beim Frühstückskaffee. „In Führungspositionen war ich bisher immer die einzige Frau“, sagt Anja Krusel. Doch das wird sich bald ändern. Wenn die Managerin im Januar ihr neues Büro in der deutschen Geschäftsführung von Microsoft bezieht, werden die Damen in der Überzahl sein. 7 von 13 Chefsesseln sind dann von einer Frau besetzt.Dabei ist der Softwarekonzern ein fast schon visionärer Vorreiter. Über Jahre glichen die Chefetagen in Deutschlands Konzernen geschlossenen Herrenclubs. Frauen waren hier nur zum Diktat gern gesehen. Oder vielleicht noch, um den Kaffee zu servieren. Doch das hat sich in den vergangenen Monaten rasant verändert. In den Vorständen deutscher Dax-Konzerne, in denen Frauen bislang selten waren wie Wasserstellen in der Wüste Gobi, sitzen seit diesem Jahr immerhin vier Managerinnen. Im Aufsichtsrat des Dax-Riesen Henkel müssen sich die Herren daran gewöhnen, dass ihnen eine Frau das Wort erteilt, ja, vielleicht sogar abschneidet. Und selbst die Telekom sicherte sich ausnahmsweise mal positive Schlagzeilen, als sie vor einem halben Jahr ankündigte, von 2015 an jeden dritten Chefsessel mit einer Frau zu besetzen.30 Prozent Frauenquote anvisiertSeither hat das Unternehmen vier Managerinnen in die Ebene unterhalb des Vorstandes befördert und sechs Kontrolleurinnen in die Aufsichtsräte ihrer Tochterfirmen geschickt. Damit liegt die Frauenquote zwar erst bei zehn Prozent, anvisiert sind eigentlich 30. Aber immerhin ist ein Anfang gemacht. Und weil andere Unternehmen das Medienecho neidvoll bewundern, können sich Headhunter kaum retten vor Anfragen nach Managerinnen. „Bei acht von zehn Suchaufträgen bitten die Auftraggeber darum, verstärkt nach einem weiblichen Kandidaten zu fahnden“, sagt Berit Bretthauer, Partnerin bei der Personalberatung Heidrick & Struggles.(Artikel zuerst erschienen auf WirtschaftsWoche Online wiwo.de)

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