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Dossier

Deutschlands beste Arbeitgeber

HB
Eine gute Arbeitsplatzkultur zahlt sich für Firmen aus. Ende Februar wurden Deutschlands beste Arbeitgeber ausgezeichnet. Lesen Sie hier, welche Unternehmen es in die Rangliste geschafft haben.
Deutschlands beste ArbeitgeberFoto: © PR
Der wahre Charakter eines Arbeitgebers zeigt sich in der Krise. "Unternehmen, die Werte wie Glaubwürdigkeit, Fairness, und Respekt über Bord werfen, verlieren das Vertrauen und schließlich das Engagement ihrer Mitarbeiter", sagt Frank Hauser, Geschäftsführer des Great Place to Work Institute Deutschland. Er lobt, wie viele Firmen trotz historischer Umsatzeinbrüche Aufmerksamkeit, Zeit und auch Geld in die Beziehung zu ihren Beschäftigten investiert haben. Diese hätten erkannt: "Unternehmenskultur ist keine Schönwetterveranstaltung."Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Great Place To Work, die Experten für Arbeitsplatzkultur, zeichneten am 24. Februar im Berliner Ritz Carlton "Deutschlands Beste Arbeitgeber 2010" aus. Hauser: "Den 100 Besten ist es gelungen, trotz Krise ein hohes Maß an Vertrauenskultur und Mitarbeiterorientierung aufrecht zu erhalten."

Die besten Jobs von allen

Beispiel: 3M Deutschland, Sieger der Kategorie 2 001 bis 5 000 Mitarbeiter, vor SMA Solar Technology und Microsoft Deutschland. Der Multitechnologiekonzern musste am Standort Hilden 150 Beschäftigte vorübergehend kurzarbeiten lassen. "Wir tun alles, um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern", sagt Josef Mrozek, Personalchef von fast 3 200 Leuten. Das loben 93 Prozent der Mitarbeiter, die Great Place to Work befragte. Mrozek: "Wir sparen an allem, nur nicht an unseren Mitarbeitern. Die sind unser wichtigstes Kapital."3M überzeugt in allen Bereichen der Arbeitsplatzkultur mit einer hohen Vielfalt, Kreativität und Integration, so das Jury-Urteil. Die Fluktuationsrate liegt unter einem Prozent. 95 Prozent der Mitarbeiter empfehlen 3M als Arbeitgeber weiter.Deutschlands beste Arbeitgeber im Überblick:
Unternehmen bis zu 500 Mitarbeitern
Unternehmen mit 501 bis 2000 Mitarbeitern
Unternehmen mit 2001 bis 5000 Mitarbeitern
Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern
Fachkräftemangel nahtTelefónica O2 Deutschland siegte in der Kategorie über 5 000 Mitarbeiter vor der Techniker Krankenkasse und dem Axa Konzern. Das Unternehmen mit spanischer Mutter, deutschen und britischen Wurzeln hatte einige Übernahmen zu verdauen. Derzeit arbeitet es an der Zusammenführung mit Hansenet. Personalchef Joachim Kugoth: "Ziel ist es, Stärken beider Unternehmen und Kulturen zu bündeln." Hauser: "Fusionen bedeuten eine Belastung und Veränderung für die Kultur. O2 ist ein Beispiel, dass dies gut zu bewältigen ist." Über 90 Prozent der Mitarbeiter sagen: Meine Arbeit ist nicht einfach nur ein Job.Auch kleine Firmen können mit flachen Hierarchien und kreativen Mitteln einen hervorragenden Arbeitsplatz bieten, betont Hauser. Ein gutes Beispiel ist Noventum Consulting, Sieger der Kategorie bis 500 Mitarbeitern, vor 4flow und Consol Software - allesamt IT-Beratungen. Noventum zeichnet sich durch eine besonders vertrauensvolle Kultur und großen Zusammenhalt aus, urteilt die Jury. Keine Selbstverständlichkeit - ist doch der Großteil der Mitarbeiter im Außendienst tätig. "Kommunikation ist uns lieb und teuer", sagt Uwe Rotermund, Chef von 80 Leuten. Die starke Mitarbeiterorientierung zahlt sich aus.Der Wettbewerb zeigt: Mitarbeiterorientierte Firmen sind im Schnitt wirtschaftlich erfolgreicher als andere. Drei Viertel der Besten 100 bewerten ihre Gewinnentwicklung im Branchenvergleich überdurchschnittlich. Die meisten bauten selbst im Krisenjahr Stellen auf (im Schnitt +2,1 Prozent). Sie wissen: Gutes Personal wird immer knapper. Laut Prognos-Studie dürften hierzulande schon 2015 fast drei Millionen Arbeitskräfte fehlen, 2030 fünf Millionen.Von Fachkräftemangel kann Lutz Karnauchow schon heute ein Lied singen. Der Gründer des Altenpflegedienstes Domino-World sucht händeringend Mitarbeiter. Schon 550 Beschäftige arbeiten nach seinem Pflegekonzept ("selbstständig statt nur satt, sauber und trocken"). Arbeit, die Sinn macht, ist ein entscheidender Motivationsfaktor für Karnauchow. Offenbar mit Erfolg: Domino-World siegte in der Kategorie 501 bis 2 000 Mitarbeiter, gefolgt von 3M Espe und der DIS AG.Methodik der StudieDer Wettbewerb Zum achten Mal hat das internationale Forschungs- und Beratungsunternehmen Great Place to Work die Benchmarkstudie "Deutschlands Beste Arbeitgeber" durchgeführt. Insgesamt 235 Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern haben diesmal für den Wettbewerb ihre Qualität als Arbeitgeber auf den Prüfstand gestellt. Die besten 100 Unternehmen erhalten das Gütesiegel "Beste Arbeitgeber 2010". Sie wurden am Ende in vier Größenklassen unterteilt.Die Schirmherrschaft Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, unterstützt den Wettbewerb als Schirmherrin. Das Handelsblatt und das "Personalmagazin" sind Medienpartner.Die Wertung Das Great Place to Work Institute untersuchte die Arbeitsplatzkultur empirisch nach Kriterien wie Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamgeist. Insgesamt 60 Einzelaspekte wurden beleuchtet, die die Beziehungen der Mitarbeiter zu Führungskräften, Kollegen und dem Unternehmen bestimmen. Insgesamt 52 000 Beschäftigte standen anonym Rede und Antwort und benoteten ihren Arbeitgeber und die Unternehmenskultur. Das Votum der Mitarbeiter floss zu zwei Dritteln in die Bewertung ein. Die Personalabteilung des Arbeitgebers musste sich zudem einem umfangreichen Audit ihrer Unternehmenskultur unterziehen. Dieses Ergebnis ging zu einem Drittel in die Wertung ein.Fotos und Links Fotos der Gala-Veranstaltung mit den Siegerunternehmen finden sich unter www.handelsblatt.com/bestearbeitgeberWeitere Informationen zum Wettbewerb finden sich unter: www.greatplacetowork.de/
Dieser Artikel ist erschienen am 25.02.2010

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