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Deutschland ist familienfeindlich
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Ländervergleich

Deutschland ist besonders familienfeindlich

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Von zehn untersuchten Ländern in Europa sehen sich die Deutschen selbst als am wenigsten kinderfreundlich. Es fehlt an gesellschaftlicher Anerkennung für Kinder und Familien. Große Angst um Freiheit und Karriere herrscht vor.
Europa geht der eigene Nachwuchs aus. Derzeit bekommen 100 Frauen in Europa im Laufe Ihres Lebens etwa 140 Kinder. Um die Bevölkerungszahl stabil zu halten, müssten es etwa 210, also im Schnitt 2,1 Kinder pro Frau sein.

Die Geburtenzahlen sind fast überall in Europa zu niedrig, doch es gibt Länder, in denen die Lage sehr viel weniger dramatisch ist – zum Beispiel Frankreich – als in Deutschland und einigen anderen, besonders unreproduktiven Staaten. Bei Ländern mit vergleichbarem Wohlstand und kulturellem Hintergrund sind demografische Unterschiede vermutlich nicht zuletzt auf sozialpolitische und gesellschaftliche Strukturen zurückzuführen.

Die "BAT-Stiftung für Zukunftsfragen" ist in ihrer neuesten Europauntersuchung der Frage nachgegangen, für wie "kinderfreundlich" Menschen ihr Land halten. Sie hat repräsentativ über 11.000 Europäer ab 14 Jahren in zehn Ländern befragt.

Erschütterndes Ergebnis

Das Ergebnis: Mit großem Abstand rangiert Dänemark beim Thema Kinderfreundlichkeit an erster Stelle. Neun von zehn Dänen stufen ihre Heimat als kinderfreundlich ein.

Für Deutschland ist das Ergebnis erschütternd. Während immerhin noch knapp die Hälfte der Spanier, Niederländer und Griechen dies über ihr Land behauptet, ist es in Deutschland nur etwa jeder siebte Bürger, der Kinderfreundlichkeit in der Gesellschaft wahrnimmt.

Landbewohner sind positiver

Unter Kinderfreundlichkeit werden sowohl die sozialpolitischen Rahmenbedingungen verstanden als auch das gesellschaftliche Klima und die Alltagskultur. Beides wird offenbar von den Deutschen als besonders kinderunfreundlich wahrgenommen.

Nur 15 Prozent der befragten Deutschen nehmen ihr Land als kinderfreundlich wahr. Die Deutschen zeigen sich in dieser Hinsicht zudem auch gespalten. So bewerten Westdeutsche und Landbewohner die Kinderfreundlichkeit deutlich positiver als Großstädter und Bürger im Osten der Republik.

Und auch beim Alter zeigen sich große Unterschiede – je älter, desto negativer wird die Kinderfreundlichkeit wahrgenommen. Dennoch bleibt der Wert, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Einkommen oder anderen Unterscheidungsmerkmalen, in allen Untergruppen gering.


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