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Deutschland braucht Willkommenskultur
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Mythos Fachkräftemangel

Deutschland braucht Willkommenskultur

Kristin Schmidt, wiwo.de
Martin Gaedt, Autor des Buches "Mythos Fachkräftemangel", erklärt im Interview, warum Unternehmen und Bewerber nicht zusammenfinden, was Deutschland von Kanada lernen kann und wie sich unbesetzte Stellen auf die Kanalisation auswirken.
Herr Gaedt, haben wir in Deutschland zu wenige Fachkräfte?

Nein. In Deutschland und auch in Europa gibt es genügend gut ausgebildete Fachkräfte.

Das heißt, der viel zitierte Fachkräftemangel ist reine Fiktion?

Ja. Es gibt keinen allgemeinen Fachkräftemangel. Die Schlagzeile "Fachkräftemangel" steht seit 1984 in den Medien. Zwar ist es richtig, dass durch den demografischen Wandel weniger Fachkräfte aus Deutschland zur Verfügung stehen werden. Aber wirklich gute Mitarbeiter waren schon immer rar und werden es auch immer bleiben. Daran hat sich nichts geändert.

Warum dann das Gejammer von Unternehmen und Verbänden?

Die Bewerber rennen den Firmen nicht mehr die Türen ein – wie früher. Das schmerzt. Die gönnerhafte Gutsherrenart funktioniert nicht mehr. Die junge Generation ist selbstbewusster geworden. Sie weiß, was sie verlangen kann, sowohl finanziell als auch von der Unternehmenskultur her. Das Internet macht Gehaltsstrukturen, aber auch das Innenleben der Firmen transparenter.

Was hat das mit dem Ihrer Meinung nach gefühlten Fachkräftemangel zu tun?

Nun ja, Bewerber können in Mitarbeiter-Blogs oder Arbeitgeber-Bewertungsportalen lesen, was sie in den Unternehmen erwartet. In den Medien werden immer wieder Beispiele mit einer lobenswerten Unternehmenskultur vorgestellt. Das wirkt sich aus: Schlecker ist tot, DM geht es blendend. Die beliebten Arbeitgeber erhalten immer noch massenhaft Bewerbungen, die anderen nicht.

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