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Überstunden im Job: bei Deutschen beliebt
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Mehrarbeit

Deutsche mögen Überstunden

Tina Groll, zeit.de
Innerhalb der EU ist Deutschland das Land der Überstunden. Aber was sagt eigentlich das Arbeitsrecht zu permanenter Mehrarbeit?
Im Durchschnitt arbeitet hierzulande jeder Arbeitnehmer fast drei Stunden mehr als er laut Arbeitsvertrag eigentlich soll: Die vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit in Vollzeit beträgt durchschnittlich 37,7 Stunden, doch tatsächlich arbeiten die Deutschen im Schnitt 40,4 Stunden pro Woche (in Vollzeit). Deutschland ist damit innerhalb der Euro-Zone das Land, wo die meisten Überstunden geleistet werden. Das ergab kürzlich eine EU-Studie.

Und nicht jede Überstunde wird bezahlt. Erst vor wenigen Wochen hatte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung mitgeteilt, dass nicht einmal jeder zweite Beschäftigte in der Bundesrepublik seine Überstunden auch bezahlt bekomme. Im zweiten Quartal dieses Jahres seien im Durchschnitt pro Arbeitnehmer 5,0 bezahlte und 6,9 unbezahlte Überstunden geleistet worden. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr kamen die Deutschen insgesamt auf knapp 1,4 Milliarden bezahlte Überstunden.

Arbeit im Vertrauen

Wie viel Mehrarbeit tatsächlich geleistet wird, ist schwer zu erfassen – auch weil in Betrieben mit Vertrauensarbeitszeit in der Regel nicht schriftlich festgehalten wird, wer wie viel arbeitet. Dabei schreibt das Arbeitszeitgesetz vor, dass auch bei Vertrauensarbeitszeit Unternehmen die Überstunden dokumentieren und die Nachweise mindestens zwei Jahre lang aufbewahren müssen. Viele Arbeitgeber halten sich allerdings nicht daran.

Viel Mehrarbeit mag vielleicht ein Zeichen für eine stabile und florierende Wirtschaft sein, doch auf Dauer macht ein zu großer Arbeitsdruck krank. Neulich gab in einer repräsentativen Umfrage von Zeit Online jeder Dritte an, dauerhaft unter Stress zu leiden.

Die am häufigsten genannte Ursache war ein zu hohes Arbeitspensum. Gründe dafür können eine dünne Personaldecke oder fehlende Vertretungen bei Krankheit, Urlaub und anderen Abwesenheiten sein.

Überstunden müssen immer angeordnet sein

Doch was sagt das Arbeitsrecht dazu? Müssen Arbeitnehmer dauerhaft mehr arbeiten als im Vertrag steht, weil im Betrieb einfach zu viel Arbeit anfällt oder es zu wenige Beschäftigte gibt?

Prinzipiell kann der Arbeitgeber nur Überstunden anordnen, wenn das im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag geregelt ist. Einfach so verlangen kann er sie nicht. Dafür reicht sein Direktionsrecht nicht aus, denn die zu arbeitende Stundenzahl ist im Arbeitsvertrag festgelegt.


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