Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Eva Gronbach

Design aus Deutschland

Daniela Singhal
Designerin Eva Gronbach hat dem Personal des französischen Schnellzugs Thalys eine neue Uniform verpasst - und das, obwohl ihre Kollektionen eigentlich immer eine Liebeserklärung an Deutschland sind.
Eva Gronbach designte die neuen Uniformen für das Thalys-PersonalFoto: © Emanuel Bloedt
Der Adler ist Eva Gronbachs Markenzeichen. In Form eines Stempels findet sich das deutsche Wappentier auf all ihren T-Shirts, auf ihren Röcken und Hosen - sogar auf den Unterhosen ihrer Kollektion. Er ziert auch die Wand neben ihrem kleinen Laden in der Maastrichter Straße mitten in Kölns Belgischem Viertel. Es ist ein kleiner unscheinbarer Laden. Wer Schnickschnack sucht, der findet ihn hier nicht. Die Wände sind weiß. Schlicht soll es sein. Einfach, klar und schön. So wie ihre Kollektionen.Ihr einziges Statement ist der Bundesadler - und der hat die 36-Jährige weit getragen, westwärts. Seit gestern tragen die Zugbegleiter des europäischen Schnellzugs Thalys von Gronbach designte Uniformen. Dass das Unternehmen sie dafür engagierte, wundert die Designerin immer noch. Sie hätte damit gerechnet, dass die Wahl auf einen etablierten belgischen oder französischen Designer fällt. Stattdessen erhielt sie, die junge Deutsche, den Vorzug. Den Ausschlag gaben neben ihrem schlichten Stil ihre frankophile Vita: Gronbach, im Rheinland aufgewachsen, hat an Kunstakademien in Belgien und Frankreich studiert. Während dieser Zeit pendelte sie mit dem Thalys zwischen Paris, Brüssel, Amsterdam und Köln. Sich selbst bezeichnet sie als Europäerin. Als beim Rhein Design Festival 2007 eine Delegation von Thalys bei ihr im Laden auftauchte, funkte es sofort. "Eva Gronbach ist einfach eine echte Thalys-Person", sagt Andreas Leisdon von Thalys Deutschland.

Die besten Jobs von allen

Bevor Gronbach engagiert wurde, hatte das Unternehmen schon mit einigen jungen Designern aus Belgien gesprochen: "Wir haben bewusst nach einem Nachwuchsdesigner gesucht", sagt Leisdon. Die junge Designerin präsentierte der Geschäftsführung ihre Ideen - und überzeugte. Sie bekam den Job. Ein Jahr lang arbeitete Gronbach an der neuen Kollektion. 50 Teile kreierte sie mit ihrem Team. Es war ein demokratischer Prozess: Immer wieder reiste sie in die Thalys-Länder und sprach mit den künftigen Uniformträgern, den Zugchefs und -begleitern. "Da hat sie echte Managementqualitäten gezeigt", sagt Leisdon.Internationalität in ModeEs sei nicht einfach die unterschiedlichen modischen Auffassungen von Franzosen, Deutschen und Belgiern unter einen Hut zu bekommen. Die Uniformen sind einfach, aber elegant geraten und farblich auf die Farben der neuen Inneneinrichtung des Thalys, Pflaume-Aubergine und Grau, abgestimmt. Ein Uniformset beinhaltet acht Hemden, drei Hosen, drei Krawatten, zwei Westen, zwei Sakkos, einen Trenchcoat, einen Parker und einen Schal. Die insgesamt 1000 Sets fertigt eine französische Firma in Frankreich, Marokko und China. "Sie hat ein sehr gutes Ergebnis abgeliefert", sagt Leisdon.Die Arbeit für den Thalys sei wundervoll für sie gewesen, berichtet Gronbach. "Und es war das erste Mal, dass ich richtig Geld verdient habe." Die 36-Jährige sitzt auf einem Stuhl vor dem Schaufenster ihres Ladens im Belgischen Viertel. Zu ihren Füßen liegt ihr schwarzer Pudel Zorro. Sie trinkt Kamillentee und lächelt entspannt. Das Schicksal meint es gut mit ihr. Ja, es gab auch Krisen in der Laufbahn der jungen Designerin. Doch letztendlich hat sich alles immer irgendwie gefügt. Gronbach ist eine Ausnahmeerscheinung. Mit ihrem Großauftrag hat sie sich von der Masse abgesetzt.Großauftrag mit SeltenheitswertDie Designbranche wird immer noch von vielen kleinen Unternehmen mit wenig Umsatz dominiert. "70 Prozent der Designunternehmen sind Einzelkämpfer mit geringem Gewinn", weiß Boris Buchholz von der Allianz deutscher Designer. Dennoch gilt die Designwirtschaft - dazu zählen neben Modedesignern auch Kommunikations-, Grafikund Produktdesigner sowie Innenarchitekten - insgesamt betrachtet als Wachstumsbranche. Die Konkurrenz ist groß. Buchholz rät: "Junge Designer sollten sich schon früh eine Nische suchen, ein Spezialgebiet." Gronbach hat ihre Liebe zu Deutschland zu ihrem Spezialgebiet gemacht. So erregte die junge Designerin zum ersten Mal im Jahr 2000 internationales Aufsehen mit ihrer Kollektion "déclaration d'amour à l'allemagne".

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick