Teil 3: Keine Chance für Investmentbanker Foto: SAS
Seit 20 Jahren beknien Investmentbanker den Gründer, sein Unternehmen an die Börse zu bringen. Auch zahlreiche Übernahmeangebote hat es gegeben. SAS Institute tummelt sich im boomenden Markt der sogenannten Business Intelligence, in dem Branchengrößen wie IBM, Hewlett-Packard und Oracle kräftig expandieren.
Doch bisher hat Goodnight alle Offerten abgelehnt. Zum einen braucht er das Geld nach eigenem Bekunden nicht. Und schon gar nicht den Stress mit den Wall-Street-Analysten und die vierteljährlichen Präsentationen vor ihnen.
Die besten Jobs von allen
Sein freiwillig herausgegebener Geschäftsbericht umfasst gerade einmal zwölf Seiten. Und die dünne Broschüre gibt so gut wie nichts preis, außer einer schlichten Grafik. Die aber weist dafür steil ansteigende Umsätze aus.
Seit der Firmengründung sind diese von 138 000 Dollar auf zuletzt 2,43 Milliarden Dollar geklettert, ohne einen Wachstumseinbruch und große Schwankungen. Selbst in den Krisenzeiten nach der Dotcom-Pleite im Jahr 2001 schaffte SAS noch ein Wachstum von einem Prozent.
Was auch daran lag, dass der Konzern seit Bestehen seine Software nicht verkauft, sondern vermietet und so jährlich auf wiederkehrende Umsätze bauen kann.
Vor allem aber fürchtet Goodnight, dass ein Börsengang oder eine Übernahme seine seit über 30 Jahren gehegte Firmenkultur zerstören würde.
Heile Welt auf Firmengrund
SAS Institute bietet zwar durchschnittliche Gehälter, dafür aber gleich eine Reihe von Sonderleistungen. Das Hauptquartier, auf einem bewaldeten 120-Hektar-Grundstück in North Carolina, gleich neben einem Nationalpark, hat Goodnight großzügig angelegt. Schon um Raum für zusätzliche Gebäude zu haben.
Von Cubicles, den im Silicon Valley üblichen kastenähnlichen Zellen in Großraumbüros, hält Goodnight überhaupt nichts. Jeder seiner rund 4200 Mitarbeiter auf dem Campus hat sein eigenes Büro. Und für die Ästhetik hat der Patriarch eigens Künstler angeheuert, die das weitläufige Gelände mit Skulpturen verschönern.
Neben den Bürogebäuden mit hellen Kantinen und Pausenräumen sind Volley-und Fußballfelder angelegt, nebst Jogging-Trails, Swimmingpool, Schönheitsfarm, Kindergarten und Vorschule.
Der Campus verfügt sogar über eine eigene Klinik, die Mitarbeiter und ihre Familien kostenlos behandelt. Sogenannte Work-Life-Balance-Experten, ebenfalls im Sold von SAS Institute, beraten wiederum bei Familien- und Lebenskrisen.
Und um das Bild von der heilen Welt zu vervollständigen, haben die zwei Gründer Goodnight und Sall ihre Häuser ebenfalls aufs Firmengelände gebaut.
Im Grunde fehlen nur noch ein Supermarkt, eine Tankstelle und eine Kirche – dann würde der Campus auch als eigene Stadt durchgehen.
Für manche ist das allerdings fast schon wieder zu viel des Guten. Das ganze Gelände wirkt auf sie merkwürdig, fast sektenhaft: eine selbst betriebene Klinik, die sich um die Gesundheit der Mitarbeiter kümmert? Mitarbeiter, die Mitarbeiter bei Lebenskrisen beraten? Noch dazu in einem Konzern, der sein Geld mit dem Auswerten von Daten verdient?
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