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Haniel

Der stille Riese aus dem Ruhrpott

Martin Roos
Haniel glänzt nicht mit einem wohlklingenden Namen wie Porsche oder BMW. Der Duisburger Familienkonzern, der sich der Tradition des ehrbaren Kaufmanns verbunden fühlt, bietet Einsteigern früh Verantwortung und einen schnellen Aufstieg.
Am Firmensitz in Duisburg steht noch das historische Packhaus von 1756Foto: © www.haniel.de
Haniel? Von Haniel hatte Jörg Mönig noch nie etwas gehört. Um ihn herum auf der Recruitingmesse stehen die Stände von Daimler, Siemens oder Deutsche Bank. Die Namen kennt er. Haniel - das war für ihn bis zu diesem Moment im Frühjahr 2002 nur ein Werbename auf Lastwagen, die an ihm als Kind des Ruhrgebiets mal vorbeigerauscht sind. Zögernd tritt er an die beiden Mitarbeiter am Haniel-Stand heran - ein bisschen wie Alice, die noch nicht weiß, dass sie gleich ihr Wunderland betreten wird.Die vier Unternehmensbereiche gehören zu den Weltmarktführern

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Dass Mönig das Duisburger Familienunternehmen nicht kannte, ist wenig verwunderlich. Haniel ist bis heute ein stiller Riese - vergleichbar mit dem Autozulieferer Schaeffler, dem Baustoffkonzern Heidelberg-Cement oder dem Werkzeugbauer Gildemeister. Haniel gehört mit 50 000 Mitarbeitern und zuletzt 29,2 Milliarden Euro Umsatz zu den größten europäischen Konzernen. Zwar steht Haniel in Image-Rankings aufgrund seiner Unbekanntheit auf den hinteren Plätzen - doch seine vier Unternehmensbereiche gehören zu den Weltmarktführern der jeweiligen Branche: Celesio (Medikamentengroßhändler), CWS-boco (Waschraumhygiene, Textile Dienstleistungen), ELG (Recycling von und Handel mit Rohstoffen für die Edelstahlindustrie) und der Versandhändler Takkt. Zudem hält Haniel eine 34-prozentige Beteiligung am Handelskonzern Metro."Die Wellenlänge hat sofort gestimmt", erinnert sich Mönig. Er ist ein freundlicher junger Mann mit festem Händedruck. Er lacht gerne, ist offen und vermittelt den Eindruck, dass ihn so schnell nichts aus der Bahn werfen kann. Mönig, mittlerweile 33 Jahre alt, arbeitet heute als Geschäftsführer von Gaerner, einer Haniel-Tochtergesellschaft in Duisburg am Franz-Haniel-Platz. Der junge Manager ist so etwas wie der Klassiker einer schnellen Karriere in dem Familienunternehmen, das einige eigene Regeln pflegt.Haniel setzt auf Fremdmanager"Haniel hat eine Eigentümlichkeit, die es von anderen Familienunternehmen unterscheidet", erklärt Tom Rüsen, geschäftsführender Direktor am Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten-Herdecke, "kein Mitglied der Familie darf in dem Unternehmen operativ tätig sein." Seit 1917 setzt Haniel nur Fremdmanager ein. Warum das so ist? "Das konsequente Verkaufen von Geschäftsbereichen oder die Benennung von Vorständen wäre mit Managern aus der Familie wohl kaum ohne große Probleme zu machen", meint der Experte. Seit 2006 führt der ehemalige Mercedes-Manager Eckard Cordes operativ die Geschäfte von Haniel. Diese goldene Regel hat auch dazu beigetragen, dass die Haniels anders als andere Clans heute nicht vollkommen zerstritten sind. Seit über 250 Jahren residiert die Industriedynastie in Duisburg-Ruhrort. Schlagzeilen über familiäre Querelen oder Affären unter den 560 Familiengesellschaftern gibt es nicht.

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