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Öffentlicher Dienst

Der Staat will Sie!

Teil 2

Die öffentlichen Arbeitgeber müssen also reagieren. Und auch wenn es paradox klingt, die Krise scheint kein schlechter Zeitpunkt zu sein, um Talente zu rekrutieren. In der Vergangenheit unterlag die öffentliche Verwaltung wegen der schlechteren Bezahlung regelmäßig der Konkurrenz aus der privaten Wirtschaft. Doch zum einen haben viele Unternehmen - etwa SAP und Adidas - einen Einstellungsstopp verhängt oder die Zahl der Neueinstellungen drastisch reduziert, zum anderen suchen viele Absolventen derzeit weniger nach üppigen Gehältern als vielmehr nach einem sicheren Job. Ein Pluspunkt für den öffentlichen Dienst. Er gilt als sicherer und zuverlässiger Arbeitgeber. Arbeitspsychologe Stefan Grünwald will gar einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel entdeckt haben: "In der Vergangenheit war es für junge Leute ein absolutes No-go für den Staat zu arbeiten. Aber die Generation, die in den 90er-Jahren aufgewachsen ist, denkt viel pragmatischer."Einer Studie der Online-Jobbörse Stepstone zufolge können sich gegenwärtig 78Prozent der bundesweit befragten 2200 Fach- und Führungskräfte eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst gut vorstellen. Einige Behörden verzeichnen bereits einen auffällig starken Andrang: Im ersten Halbjahr 2008 bewarben sich beim Bundesinnenministerium 530 Absolventen, zumeist Juristen, für eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst. In den ersten sechs Monaten waren es mehr als doppelt so viele Bewerber - nämlich 1300.Peter Heesen, Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes, sieht sich bestätigt: "Die derzeitige Krisensituation ist auch eine Chance. Absolventen, für die sonst der öffentliche Dienst vielleicht nicht infrage gekommen wäre, entscheiden sich für einen sicheren Job. Wir haben vorgeschlagen, jetzt quasi über den Durst zu trinken, also antizyklisch mehr einzustellen, um diese günstige Lage auszunutzen."

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Trotz ziemlich leerer Kassen wird also aufgerüstet. Auch Kienbaum-Berater Hilmar Schmidt hält diese Strategie für notwendig: "Der öffentliche Dienst muss jetzt reagieren, denn wenn sich die Wirtschaft erholt und der Demografiewandel fortschreitet wird das Problem noch größer." Da der Sicherheitsaspekt für viele Absolventen vorrangig sei, "sollte man diesen Trumpf offensiv ausspielen". Schmidt ist sich sicher, dass viele Akademiker auch bei anziehender Konjunktur dem öffentlichen Dienst erhalten bleiben: "Wer sich eingewöhnt hat und die Strukturen zu schätzen weiß, wechselt oft nicht mehr."Arbeitgeber mit vielen FacettenWas genau verbirgt sich hinter dem Begriff öffentlicher Dienst? Es ist ein riesiger Apparat mit unzähligen Aufgaben. 1,9 Millionen Mitarbeiter beschäftigten allein die Länder, rund 1,3 Millionen die Gemeinden und 462000 Beamte und Angestellte arbeiten beim Bund. Hinzu kommen noch rund 47000 Mitarbeiter im Bundeseisenbahnvermögen und etwa 790 000 im mittelbaren öffentlichen Dienst - wie der Bundesagentur für Arbeit, der deutschen Bundesbank, den Sozialversicherungsträgern, Anstalten und Körperschaften.Die Arbeitsmöglichkeiten sind vielfältig: Neben der öffentlichen Verwaltung gibt es Jobs in der Energieversorgung, der Wissenschaft, Bildung und Forschung, Gesundheit, bei Vereinen, Verbänden und Stiftungen, bei Sparkassen, Landes- und Bundesbanken oder Versicherungen. Die Bandbreite reicht vom Kanalarbeiter bis zum Nuklearmediziner, von der Kita-Erzieherin über den Bundeswehr-Offizier bis hin zum Staatssekretär im Finanzministerium.Im höheren Dienst der Verwaltung gibt es traditionell ein Monopol der Juristen, allerdings werden Absolventen anderer Fachrichtungen viel stärker nachgefragt. Auf der Wunschliste ganz weit oben stehen Ingenieure und IT-Fachleute, aber auch Naturwissenschaftler und Betriebswirte. Peter Heesen sagt: "Der öffentliche Dienst braucht auch Volkswirte und Wirtschaftswissenschaftler. Dass wir uns in Wirtschaftsfragen Rat von außen holen müssen, ist nicht Sinn der Sache."

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