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Frauenquote
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Frauenquote

Der Mann im Rock gesucht

Teil 3: Netzwerke und Kontakte sind das A und O

Deshalb kann es nicht schaden, rechtzeitig Frauen aus dem eigenen Unternehmen aufzubauen. Viele der Befragten nutzen diese Vorgehensweise, um "sichere" Kandidatinnen für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Dabei handelt es sich allerdings um ein zweischneidiges Schwert, da auch umgekehrt die Gefahr besteht, dass qualifizierte Frauen aus der eigenen Organisation abgeworben werden.

Allerdings sind Externe auch nicht immer die beste Lösung, wie die Studie zeigt: Sieben der acht in den letzten vier Jahren abgelösten weiblichen Dax-Vorstände sind nämlich erst unmittelbar vor ihrer Aufnahme in den Vorstand von außen in das Unternehmen berufen wurden. Diese Neuzugänge kennen weder die internen Abläufe, noch haben sie ein internes Netzwerk.

Auf's Netzwerk kommt es an

Und ohne Vitamin B geht nichts – Erfahrung hin oder her. Aufsichtsratsmitglied wird nicht, wer besondere Branchenkenntnisse, den aufregendsten Lebenslauf oder die besten Zeugnisse von Harvard & Co. hat, sondern wer Leute kennt. So sagt auch einer der befragten Aufsichtsräte: "Das wesentliche Hindernis für Frauen sind die informellen Berufungsprozesse in den Vorstand oder Aufsichtsrat. Das läuft über persönliche Beziehungen, nicht über Assessment Center oder Headhunter." Entsprechend setzen Unternehmen, die von selbst keine geeignete Kandidatin finden können, auf persönliche Empfehlungen und Kontakte aus ihrem Netzwerk. Als weniger geeignet bei der Suche nach Kandidatinnen werden Wissenschaft, Politik und Datenbanken empfunden.

"Frauen setzen vor allem auf Fachkenntnis und bauen diese weiter aus, um fehlende Netzwerke und Kontakte auszugleichen. Doch entscheidend ist nach wie vor der "gute Draht"", bestätigt Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand für das Segment Corporates bei KPMG in Deutschland. Sie ist überzeugt, dass die Konzerne mit ihren "Old Boys’-networks" nicht auf Dauer weiter kommen. Doch das ist bei vielen nicht gewünscht. Die Frauen, die die alten Strukturen aufbrechen könnten, werden eher als Störung statt als Bereicherung wahrgenommen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 16.09.2015

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