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Trauer im Büro

Der letzte Abschied vom Kollegen

Tina Groll, zeit.de
Nach dem Tod eines Mitarbeiters können Arbeitgeber viel falsch machen – von der Traueranzeige bis zur Neubesetzung der Stelle. Wir erklären, was Chefs beachten sollten.
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Foto: Steffen Niclas/Fotolia

Unfassbarer Umgang

Die Nachricht kam unerwartet. Noch auf der Weihnachtsfeier hatten die Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens in Norddeutschland mit ihrer 32-jährigen Kollegin gefeiert. Wenige Tage später kam die Frau durch einen Autounfall ums Leben.

Die Nachricht von ihrem Tod verbreitete der Chef per Rundmail. An die engeren Kollegen sandte er die Bitte, die persönlichen Gegenstände der Verstorbenen doch einzusammeln, damit der Arbeitsplatz im Januar von einem Hospitanten genutzt werden könne.

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Dann fuhr er in den Urlaub, ohne das Team über die Trauerfeier zu informieren, eine Anzeige zu schalten oder der Familie der Verstorbenen zu kondolieren. "Das war absolut geschmacklos", erinnert sich ein Kollege, der lieber anonym bleiben möchte, an den Vorfall vor zwei Jahren. "Ich habe mich gefragt, ob der Mensch für meinen Arbeitgeber gar nicht zählt."

Mehr als nur eine Arbeitskraft

Wenn Mitarbeiter sterben, verliert ein Unternehmen mehr als nur eine Arbeitskraft. "Maschinen lassen sich abschreiben, Menschen aber nicht", sagt der Bestatter und Trauerbegleiter Fritz Roth. An seiner Trauerakademie in Köln bietet er Unternehmen Seminare zum richtigen Umgang mit Trauernden an.

"Trauer ist eine große Energiequelle, man muss ihr aber Platz geben – und zwar dort, wo das Leben stattgefunden hat. Also auch im Büro", sagt Roth. Er rät Arbeitgebern dazu, den Tod eines Kollegen in einem würdevollen Rahmen und möglichst persönlich mitzuteilen.


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