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Job als Ein und Alles
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Berufung

Der Job – mein Ein und Alles

Rabea Weihser, zeit.de
Beruf und Berufung werden eins, die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben löst sich auf. Was zufrieden und glücklich machen kann, birgt eine große Gefahr.
Selbstverständlich haben wir es nicht leicht. Wir leben im Land der Dichter, Denker und Maschinenbauer, von Fortschrittsangst gebremst.

Noch dazu sind wir geschlagen mit einer Sprache, die unsere alltägliche Arbeit durch bloß eine angehängte Silbe zum sonntäglichen Gottesdienst erhebt: Beruf oder Berufung? Wer wollte da nicht verzweifeln.

Martin Luther ist schuld. In seiner Übersetzung der lateinischen vocatio interna und vocatio externa ist das Problem bereits angelegt. Der innere Ruf kommt von Gott, einer höheren Macht. Der äußere Ruf kommt von einer weltlichen Instanz. Aber in der Wahl der deutschen Entsprechung blieb der Kirchenmann herzlich indifferent: Beruf, mit oder ohne ung, das war Luther ziemlich egal.

Berufung ist die Basis

Rund 500 Jahre sind seitdem vergangen. Zeit genug, um Worte mit neuem Sinn zu füllen und auch, um sie zu entleeren. Gott schreibt nur noch wenige Stellen aus, der Begriff Berufung wird stattdessen täglich in den säkularen Denkzentralen der Republik durchgewalkt.

Ein Wort als High Potential. Sein metaphysischer Sphärenklang ist überwältigend und gerade deshalb so geeignet als Grundton der Leistungsgesellschaft.

Alles wird leichter

Selbstverständlich fühlen wir uns berufen: zum Schreinern, Schweißen, Schreiben und Kehren, zum Beschützen, Beraten, Heilen und Lehren, zum Servieren, Sortieren, Frisieren und Kassieren.

Wir wissen, dass der Chef weiß, dass wir besser, effizienter, länger, härter arbeiten und dabei auch noch gesünder und zufriedener sind, wenn wir Beruf mit Berufung verwechseln.


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