Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Christian Lindner

Der General mit Hang zur Revolte

Teil 3Der Erfolg ist atemberaubend - und für Lindner auch ein bisschen benebelnd. Denn ihm reicht das nicht. Gemeinsam mit Hartmut Knüppel, einst Büroleiter von Hans-Dietrich Genscher, Gründer der Jungliberalen und zu diesem Zeitpunkt Sprecher des deutschen Bankenverbandes, gründet er noch im selben Jahr ein weiteres Unternehmen.Moomax nennen es die beiden, die Geschäftsidee für die sogenannten Avatare haben sie aus der Science-Fiction-Literatur. Diese Avatare fungieren als Übersetzer zwischen natürlicher Sprache und Computer-Syntax. Es gibt sie zum Beispiel auf der Homepage von Ikea: Über dem Bild einer blonden Dame im Firmen-Shirt steht dort: "Brauchst Du Hilfe? Frag einfach Anna". Wer dann in das Fragefeld einträgt: "Was kostet ein Billy-Regal?" erhält als Antwort eine Internetseite mit Produktbeschreibung und Preisauskunft des Regals.Ob die beiden mit dem Produkt schlicht ihrer Zeit voraus sind, unternehmerische Fehler begehen oder ein Opfer der platzenden Internetblase werden, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Wahrscheinlich war es von allem ein wenig, fest steht aber: Nach sieben Monaten verlassen die beiden Gründer das Unternehmen, ein paar Wochen später ist Moomax insolvent. Heute sagt Lindner: "Dieser Misserfolg hat mich mehr geprägt als jeder Erfolg."

Die besten Jobs von allen

Konflikte mit MöllemannUnd auch politisch erleidet Lindner in dieser Zeit erstmals einen Rückschlag. Jürgen Möllemann kann zwar nicht mehr rückgängig machen, dass Lindner ins Parlament eingezogen ist, aber politisch ausbremsen kann er ihn allemal und tut es. Als Lindner Interesse äußert, die Verantwortung für Wissenschaftspolitik zu übernehmen, weist der Parteichef ihm die Kindergartenpolitik zu.Wenig später gibt Möllemann ihm auch noch den Beinamen "Bambi" - ein Klischee ist geboren. Lindner gilt von jetzt an in der eigenen Partei als "niedlich", wie er selbst sagt. Für die politische Karriere ist eine solche Bezeichnung normalerweise das Todesurteil.Das Unternehmen insolvent, politisch in der Isolation - so schnell wie Lindners Stern aufgegangen ist, scheint er jetzt wieder zu verglühen. Doch da blitzt in ihm eine Eigenschaft auf, die ihn wenige Jahre zuvor überhaupt erst zur Politik gebracht hat und die zu seinem Markenzeichen werden soll: die ungezügelte Lust am politischen Diskurs. Andrea Asch, Landtagsabgeordnete der Grünen in NRW und jahrelang Widersacherin von Lindner, sagt über ihn: "Er ist ein harter Diskussionspartner - aber zugleich das intellektuell Spannendste, was die Landesregierung in den letzten fünf Jahren zu bieten hatte."Entscheidung für die PolitikUnd so versucht Lindner zum ersten Mal, nicht alle Chancen wahrzunehmen, sondern entscheidet sich. Die Kommunikationsagentur gibt er trotz Erfolgs auf, konzentriert sich auf sein Studium und die Politik. Denn was ihn antreibt, ist die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Konzept des Liberalismus, glaubt Hartmut Knüppel, der Lindner nicht nur aus der unternehmerischen, sondern auch aus der politischen Zusammenarbeit kennt. "Es geht ihm darum, die Grundwerte Solidarität und Gerechtigkeit in einem liberalen Kontext zu verorten."Auch seine Kontrahentin Asch sagt: "Hinter der stramm neoliberalen Linie, die seine Parteiführung in NRW zum Teil vertreten hat, hat er sich nie wirklich wohl gefühlt." Lindner ist besessen von der Überzeugung, die liberale Idee der Chancengleichheit sei nicht nur das effizienteste, sondern auch das sozialste Prinzip zur Organisation einer Gesellschaft. In diesem Sinne will er die Partei ausrichten.Und so wird Lindner in den folgenden Jahren über 100 kleine Anfragen stellen, er arbeitet sich an jedem Thema ab, das sich ihm bietet. Als ihm dann auch noch das Glück zu Hilfe eilt, ist er nicht mehr zu halten. 2002 gerät der Landesvorsitzende Möllemann durch umstrittene Äußerungen immer mehr ins politische Abseits, muss schließlich sein Amt räumen. Andreas Pinkwart folgt und Lindner stellt sich vom ersten Tag voll hinter ihn. Das dankt ihm Pinkwart, beruft Lindner in sein Wahlkampfteam und macht ihn 2004 zu seinem Generalsekretär.

Fair Company | Initiative

Gehälter

Der Jobturbo

Eine Suche - alle Jobs

Aktion "Chef zu gewinnen"

Themen im Überblick

Werden Sie eine Fair Company!

Jetzt neu: Die besten Vertriebsjobs

Allgemeinbildung

Karriere-Städteranking

Die besten Business Schools

Jobsuche + Bewerbung