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Christian Lindner

Der General mit Hang zur Revolte

Konrad Fischer
Christian Lindner ist Generalsekretär der FDP, er hat zwei Unternehmen gegründet - und ist dabei gerade mal 31 Jahre alt. Seine nächste Aufgabe dürfte angesichts dieser Erfolge eigentlich kein Problem darstellen: die Neuerfindung des Liberalismus.
Die FDP setzt große Hoffnungen in Christian LindnerFoto: © Georg Moritz
Christian Lindner kann sich nicht entscheiden. Der Generalsekretär der FDP sitzt in einem Café im Düsseldorfer Medienhafen, und die Sonne scheint ihm ins Gesicht. Er mag Cappuccino, aber Wetter und Gespräch verlangen ein kühles Mineralwasser - Lindner nimmt beides.Beides nehmen, das gehört zum Leben des gerade einmal 31-jährigen Politstars der liberalen Partei wie die eigenartige Kombination hellblonder Haare und rötlicher Bart. In Personalunion war er bis vor wenigen Wochen Generalsekretär der nordrhein-westfälischen FDP und der Bundespartei, und vor einigen Jahren Unternehmer und Politiker zugleich.

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Wo andere sich auf eine Alternative konzentrieren, da versucht Lindner sich lieber gleich an zweien oder drei. Lässt sie im Wettbewerb gegeneinander antreten, möge die schwächere verlieren. Deshalb handeln sein Leben und seine politische Argumentation viel von Chancen, manche haben ihn zum Erfolg geführt, andere nicht. Doch ausgelassen hat er keine. So ist er der jüngste Generalsekretär, den die Partei je hatte, so früh ganz nach oben gelang aber nicht ohne Verstolperer.Gegner und Beobachter deuten diese Einstellung als Karrierismus, doch für Lindner ist es eher so etwas wie eine liberale Geisteshaltung. Diese Haltung gepaart mit einem scharfen Verstand und der Kenntnis klassischer Staatstheorien soll ihn jetzt befähigen, seiner Partei intellektuellen Halt zu geben. Spätestens bis 2012, so die Vorgabe des Parteichefs Guido Westerwelle, braucht die FDP ein neues Grundsatzprogramm.Der mögliche KronprinzSein Mann für die Ausrichtung der zwischen Steuergerechtigkeit und Klientelpolitik schlingernden Partei: Christian Lindner. Es ist seine bisher größte Chance, die Chance vom Amtsträger zum politischen Visionär zu werden. Und vielleicht nicht nur das: Nicht wenige in der Partei sehen in ihm den Kronprinz, der Westerwelle eines Tages beerben könnte.Mit 31 Kronprinz - wer und wie wird man das? Die erste Chance erhält Lindner 1998, da ist er gerade 18 Jahre jung und Schüler im bergischen Wermelskirchen, seit einem Jahr FDP-Mitglied und zum ersten Mal auf einem Landesparteitag. Auf Bundesebene steht die Wahl Schröder gegen Kohl bevor, und die Bürger ahnen, dass es für den Wendekanzler nicht noch einmal gutgehen kann. Nach 15 Jahren ist auch die alles ausfüllende Figur Kohl verbraucht.In der Führung der FDP ist das nicht angekommen, dort wirbt man mit Slogans wie "FDP wählen, damit Kohl Kanzler bleibt". Doch die Basis spürt die Wechselstimmung, und so auch Lindner. Selbst noch ohne Stimmrecht, stößt der Abiturient seinen Banknachbarn, einen altgedienten Lokalpolitiker aus seinem Bezirksverband an und sagt: "Schlag mich doch mal vor für den Landesvorstand."

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