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Rent a Manager
Chef auf Zeit: Wann es sich lohnt, einen Manager zu leasen.Foto: Cello Armstrong/Fotolia.com
Personal auf Zeit

Der geleaste Chef

Kerstin Dämon, wiwo.de
In Stoßzeiten greifen viele Unternehmen auf Zeitarbeiter zurück. Das gilt aber nicht nur für die Mitarbeiter am Fließband. Immer mehr Firmen gönnen sich Manager auf Zeit. Wofür Interimsmanager eingestellt werden.
Immer mehr Unternehmen setzen auf Manager auf Zeit: Diese Interimsmanager übernehmen für einen bestimmten Zeitraum feste Aufgaben aus dem oberen und mittleren Management, teilweise auch als Projekt-Manager. Danach verlassen sie das Unternehmen wieder. Laut Branchenverband AIMP gibt es derzeit in Deutschland mehr als 14.000 Interimsmanager. Doch wofür brauchen die Unternehmen die gemieteten Kräfte?

Kündigungsmanager oder Vakanz überbrücken

Interimsmanager, so die landläufige Meinung, werden eingesetzt, wenn in einem Unternehmen unpopuläre Entscheidungen umgesetzt werden müssen oder eine kurzfristige Vakanz überbrückt werden soll. Quasi der Kündigungsmanager oder die Vertretung für die kranke Chefin. Doch in der Praxis sieht es anders aus: Eine Studie der Personalberatung Michael Page Interim in Zusammenarbeit mit TNS Infratest in 17 Ländern zeigt: Interimsmanager sind besonders in Deutschland gesuchte Experten, die wegen ihrer hohen Kompetenz und Erfahrung geschätzt werden.

Dieser kurzfristige Wissenszuwachs ist für 72,2 Prozent der befragten Arbeitgeber ein Grund, Manager auf Zeit einzustellen. "Der Einsatz von Interimsmanagement hilft Unternehmen dabei, flexibel und wettbewerbsfähig zu bleiben", erklärt Stefan Zweck, Executive Director von Michael Page Interim. Und das offenbar erfolgreich: Neun von zehn deutschen Unternehmen bewerten ihre bisherige Erfahrung mit Interimsmanagement als positiv und sehr positiv (86,9 Prozent).

Gefragte Zukunftstreiber

Ganz billig ist der Spaß allerdings nicht: Der durchschnittliche Tagessatz eines Interimsmanagers liegt bei rund 960 Euro. Im Schnitt verdient ein gut ausgelasteter Interimsmanager laut einer Umfrage der Ludwig Heuse GmbH rund 192.000 Euro pro Jahr, wenn er für 200 Tage gebucht wird. Das Unternehmen, das sich einen Manager mietet, muss allerdings nicht nur dessen Honorar zahlen, sondern auch noch die Vermittlungsgebühr. Die liegt in der Regel bei 35 bis 40 Prozent des Honorars.

Allerdings spielen die Kosten laut der Studie für deutsche Unternehmen eher eine untergeordnete Rolle. Nur 23,9 Prozent der Befragten gaben an, aufs Geld zu schauen, wenn es um die Frage geht, ob und welcher Interimsmanager an Bord geholt werden soll. Im globalen Vergleich spielt die Kosteneffizienz für 39,9 Prozent eine große Rolle. "Manager auf Zeit sind in Deutschland akzeptiert und ihre Bedeutung nimmt weiter zu", erklärt Zweck.

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