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Ratgeber

Der erste Job? Jetzt die Finanzen regeln!

Teil 2

Sinnvoll versichertDie Deutschen lieben ihre Versicherungen über alles. Rein statistisch verfügt jeder, vom Säugling bis zum Greis, über mehr als fünf Verträge. Marktexperten schätzen, dass gut ein Fünftel der Beiträge gespart werden könnte, wenn weniger wild drauflosversichert würde. Ein vernünftiges Maß an Versicherungen findet man, indem man sich kritisch fragt, was einem alles zustoßen kann - und was für ein Schaden dabei entstehen würde. Bei vielen Missgeschicken geht nicht gleich die Welt unter.Zum Berufsstart existieren nur zwei Risiken, um deren Absicherung man sich zügig kümmern sollte - weil sie einen finanziell ruinieren können. Das eine ist die Gefahr, durch einen dummen Zufall eine Person schlimm zu verletzen oder eine Sache zu beschädigen. Der Verursacher haftet per Gesetz für den Schaden, den er angerichtet hat. Verursacht jemand zum Beispiel einen Unfall, durch den ein anderer im Rollstuhl landet, wäre der Lebensunterhalt bis ins hohe Alter zu bestreiten. Wer beim Grillabend das Haus des Gastgebers abfackelt, muss für ein neues sorgen. Dieses Risiko deckt eine private Haftpflichtversicherung ab. Die Police ist zwar keine Pflicht, aber sehr empfehlenswert.

Die besten Jobs von allen

Während des Studiums waren die meisten Studenten bei ihren Eltern mitversichert. Mit dem ersten Job brauchen sie eine eigene. Was in so einer Police alles versichert sein sollte, ist unter www.vermittlerprotokoll.de (unter Download, "Private Haftpflichtrisiken, Seite 2) nachzulesen. Dort hat der Arbeitskreis zur EU Vermittlerrichtlinieeinige Mindeststandards vorgeschlagen. Personen- und Sachschäden sollten dabei mit mindestens drei Millionen Euro versichert sein, besser fünf oder sogar unbegrenzt. Je nach Ausstattung kostet so eine Police pro Jahr 60 bis 100 Euro. Sinnvoll ist darüber hinaus der Baustein "Forderungsausfalldeckung", bei dem die eigene Versicherung einspringt, wenn einem jemand Fremdes einen Schaden zugefügt hat, dieser aber selbst nicht versichert ist. Da immerhin fast jeder Dritte keine solche Police hat, ist das eine interessante Erweiterung, die sechs bis zehn Euro pro Jahr zusätzlich kostet.Wer mit seinem Partner zusammenlebt, sollte nach dem Baustein "Regressverzicht der Sozialversicherungsträger" fragen, rät Versicherungsexperte Helge Kühl vom BUForum24. Denn wer seinen Partner selbst aus Versehen verletzt, muss damit rechnen, dass dessen Krankenversicherer die Kosten erstattet haben möchte. Eine normale Police würde die Zahlung mit Hinweis auf die Partnerschaft möglicherweise ablehnen. Eine Haftpflichtversicherungkann regelmäßig gekündigt werden. Wer also an ein schlechtes Tarifwerk oder einen teuren Anbieter gerät, kann zu einem besseren wechseln.Die zweite essenziell wichtige Versicherung zum Berufsstart, die Berufsunfähigkeitspolice, ist dagegen meist eine Entscheidung fürs Leben. Deshalb ist eine sorgfältige Auswahl wichtig. Die BU-Police sichert den Lebensunterhalt, wenn einen eine Krankheit oder ein Unfall so lahmlegt, dass man nicht mehr arbeiten und Geld verdienen kann. Die Hilfen von staatlicher Seite sind in so einem Fall nämlich ein Witz. Für junge Leute ist Berufsunfähigkeit oft ein sehr fernes Szenario. Aber mittlerweile scheidet jeder vierte Arbeitnehmer wegen Krankheit vorzeitig aus dem Job aus. Tendenz steigend. Bandscheibenschäden oder Burn-outs führen immer häufiger zu Zwangspausen. So geht es bei vielen Leistungsfällen gar nicht darum, dass der Versicherte nie wieder voll arbeiten gehen kann, sondern dass einige Jahre Rekonvaleszenz überbrückt oder eine berufliche Umorientierung finanziert werden müssen.Wer mit 40000 Euro Jahresgehalt in den Job einsteigt, kann sich leicht ausrechnen, was es bedeutet, wenn dieses Geld für ein, zwei Jahre ausfällt, bis man wieder voll fit ist. Deshalb sollte eine BU-Absicherung zügig zum Jobstart her. Auch, weil die Einstiegspreise in jungen Jahren billiger sind als bei Älteren. Da BU-Policen ein komplexes Thema sind, erklärt Junge Karriere in der kommenden Ausgabe (8/2008) detailliert, wie man die richtige Versicherung findet. Berufseinsteiger, die bereits aus dem Studium eine solche Police haben, sollten zügig - Achtung Fristen! - ihren Versicherer kontaktieren und die hoffentlich vereinbarte Nachversicherungsoption nutzen. Mit der kann bei Berufseinstieg, Heirat, Beförderung oder Familienzuwachs die Unterstützung für den Schadensfall aufgestockt werden. Statt 1000 Euro Rente werden dann zum Beispiel 1500 Euro pro Monat gezahlt.Über die in Deutschland sehr beliebte Hausratversicherung - kostet rund 100 Euro pro Jahr für eine 70-Quadratmeter-Wohnung in mittelguter Lage - müssen sich Jobstarter nur Gedanken machen, wenn sie über einen gut bis luxuriös ausgestatteten Hausstand verfügen. Die Police ersetzt die Einrichtung, wenn Diebe oder ein Brand die Wohnung heimsuchen oder etwa die Waschmaschine ausläuft. Eine Rechtsschutzversicherung ist für Berufsstarter verzichtbar, denn ausgerechnet der Baustein für beruflichen Zwist ist sehr teuer. Diese Absicherung lässt sich auch über die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft erzielen. Für Mietstreitigkeiten gilt das Gleiche mit dem Mieterschutzbund. Ein reiner Verkehrsrechtsschutz kostet etwa 50 bis 100 Euro pro Jahr. Unterm Strich sind Anwälte und Prozesse auch aus der eigenen Tasche finanzierbar.Lang laufende private Rentenversicherungen für die Altersvorsorge sollten für Jobstarter tabu sein. Damit binden sie sich schon früh feste Beiträge ans Bein und legen sich auf Jahre hinaus fest, egal, was der neue Job so bringt. Manche Policen lassen zwar Beitragspausen und Teilverfügungen zu. Dies geht aber immer zu Lasten der Rendite.

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