Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Felix Peckert

"Der deutsche Sonderweg klappt nicht"

Til Knipper
Die Expansion auf dem deutschen Franchisemarkt verläuft nur zögerlich. Viele Franchise-Systeme agieren im Umgang mit ihren Lizenznehmern nicht entschlossen genug. Im internationalen Vergleich hängt Deutschland zurück, sagt der Experte Felix Peckert.
Felix Peckert ist Experte in Sachen FranchisingFoto: © PR
Herr Peckert, die Branche wächst sogar im Krisenjahr 2009, und Sie kritisieren trotzdem das schwache Wachstum der deutschen Franchisesysteme. Warum? 
Wir fahren hier immer noch einen Sonderweg. Franchise wird in Deutschland fälschlicherweise als Vertriebskonzept verstanden. Im Vordergrund steht hierzulande oftmals ausschließlich die individuelle Absatzförderung und nicht die Eroberung regionaler Märkte.
Was ist daran falsch? 
Aus gut gemeinter Solidarität werden häufig die schwachen Franchisenehmer mitgeschleppt, die man in den USA längst rausgekauft hätte. Dies verhindert eine schnelle Expansion, da der hohe Beratungs- und Betreuungsaufwand in der Zentrale viele Kräfte bindet. Im internationalen Vergleich sind die deutschen Systeme daher immer noch viel zu klein. Dem sich verschärfenden Wettbewerb werden sie nicht standhalten können.

Die besten Jobs von allen

Wer soll denn die kurz vor der Insolvenz stehenden Franchisebetriebe kaufen?
Neue oder bestehende Franchisenehmer, denn die Misserfolge hängen in der Regel nicht am Standort. Es liegt meist am Franchisenehmer selbst, dessen unternehmerische Fähigkeiten einfach nicht ausreichen. Anstatt diesen beim Unternehmensverkauf zu unterstützen, wird er vom Franchisegeber häufig bis zum Exodus beraten und mit frischen Krediten versorgt. Die dann folgende Privatinsolvenz schadet der Marke, versaut den lokalen Standort und vernichtet einen Berufstraum. Für Franchisegeber lautet daher die Devise: Ein Franchisenehmer kann, ein Standort muss funktionieren.
Was wird international denn anders gemacht?
Der Franchisenehmer wird als echter Unternehmer anerkannt, der vor Ort den lokalen Markt erobert. Deswegen würde ein amerikanischer Franchisegeber eine Großstadt auch nicht unter möglichst vielen Franchisenehmern aufteilen. Er sucht sich stattdessen wenige, starke Partner, die die ganze Stadt abdecken.
Was sind die Gründe dafür, dass die Filialisierung in Deutschland nicht funktioniert? 
Einige Franchisegeber bremsen ihre Partner bei der Filialisierung, anstatt diese zu fördern. Hier werden Franchisenehmer nicht als Unternehmer angesehen, sondern als Filialleiter im eigenen Unternehmen. Dies führt gleichzeitig zu einer Demotivation bei den Franchisenehmern und bremst die Expansion. Denn Sicherheitsstreben von Angestellten und aktives Unternehmertum schließen sich gegenseitig aus.
Lesen Sie mehr zum diesem Thema:Franchise: Vorteile für Gründer
Dieser Artikel ist erschienen am 18.12.2009

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick