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Interview mit Alexander Gerst

Der Astronaut von morgen

Judith Schallenberg
Der Deutsche Alexander Gerst hat sich in einem der härtesten Auswahlverfahren der Welt gegen 8000 Mitbewerber durchgesetzt. Im Jahr 2020 könnte der Geophysiker bei der nächsten Mond-Mission dabei sein.
Alexander Gerst könnte im Jahr 2020 zum Mond fliegenFoto: © A. Gerst
Herr Gerst, Sie haben zwar das einjährige Auswahlverfahren hinter sich - bis Sie ins All fliegen, vergehen aber noch mindestens sieben Jahre. Sind Sie Meister im Durchhalten?
Das ist nicht nur eine Frage des Durchhaltens. Angesichts der statistisch geringen Chance, als Astronaut ausgewählt zu werden, war auch Glück dabei. Mit der Teilnahme wollte ich aber vor allem meinem Traum eine Chance geben und mir selbst Rückgrat beweisen. Ich hatte seit meiner Kindheit den Traum, ins Weltall zu kommen und wollte mir nicht eines Tages vorwerfen, es nicht wenigstens versucht zu haben.
Woher stammt Ihr Interesse?
Mich faszinierte schon als kleiner Junge alles, was es über die Welt zu entdecken gibt. Ich las Bücher über Dinosaurier, Stürme, Erdbeben, Vulkane, Planeten. Außerdem war mein Großvater Amateurfunker. Als Sechsjähriger saß ich stundenlang bei ihm und lauschte dieser Wunderwelt. Einmal richtete mein Opa die Antenne seines Funkgerätes auf den Mond und schickte Worte von mir ins All, die dann von der Oberfläche des Mondes reflektiert wurden. Ich hatte mir immer wieder Bilder von Apollo-Astronauten angesehen. Plötzlich war meine Stimme da oben, wo sie gewesen waren!

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Kindheitstraum hin, Glück her - die anderen mehr als 8 000 Kandidaten hat der Bewerbungsmarathon in die Knie gezwungen. Gab es Momente, in denen Sie hinschmeißen wollten?
Das Verfahren umfasst kognitive, psychologische und körperliche Tests. Nach der schriftlichen Vorauswahl wurde ich zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt nach Hamburg eingeladen, wo ein neunstündiger Tag voller Tests wartete: Mathe, Physik, Englisch. Ich steckte da gerade in den letzten Zügen der Vorbereitung einer großen Expedition. In der Woche vor den Tests hatte ich meist bis morgens um drei an Geräten gearbeitet, hier noch einen Fehler gesucht, da gelötet. Manchmal übte ich zwischen drei und vier Uhr früh am Computer ein paar Rechentests für die ESA. Das war hart. Aber Hinschmeißen war keine Option. Ich konnte ja nur gewinnen.
Was ging Ihnen am Abend dieses ersten Testtages durch den Kopf?
Ich schätzte, dass die Chancen für ein positives Ergebnis bei 50:50 standen. Ich war zufrieden mit mir, denn ich hatte wirklich alles gegeben und hätte es auch an einem anderen Tag nicht besser gekonnt. Mein wichtigstes Ziel hatte ich also erreicht, unabhängig vom Ergebnis. Ich bin dann erst mal mit Freunden zum Picknick in den Park gegangen.
Was hat Ihnen zu schaffen gemacht?
Die Multitasking-Aufgaben und die Gedächtnistests waren schwer. Ich löste sicher nicht alle korrekt.

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