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Beratung

Den Coach spendiert Vater Staat

Melanie Rübartsch
Freiberufler, die Unternehmensberater konsultieren, erhalten einen Zuschuss, Beratungen zu Kind und Karriere zahlt der Staat ganz. Von der "Beratungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen sowie freiberuflich Tätige" profitieren Unternehmer ab einem Jahr nach ihrer Gründung.
Förderprogramme für junge AnwälteFoto: © Franz Pfluegl - Fotolia.com
Die eigene Kanzlei - für viele Anwälte ist das ein lang gehegter Traum; für manchen Berufsanfänger ist die Selbstständigkeit dagegen oft die einzige Möglichkeit, im Anwaltsjob zu arbeiten. So oder so, die Verwandlung vom Arbeitnehmer zum Unternehmer ist eine Entscheidung mit vielen Unbekannten. Die Gründung ist das eine, das Behaupten am Markt eine andere.Zahlreiche strategische Fragen müssen beantwortet werden: Welche Ausrichtung erhält die Kanzlei, mit welchen Schwerpunkten kann ich mich von der Konkurrenz absetzen? Wie kann ich die Organisationsstrukturen verbessern? Bleib ich allein oder gehe ich mit Partnern zusammen? Wann stelle ich Mitarbeiter ein und wie führe ich diese? Externe Experten können hierbei extrem hilfreich sein. Dass sich Freiberufler solches Know-how von Coaches oder Unternehmensberatern leisten können, soll ein Förderprogramm ermöglichen, welches das Bundeswirtschaftsministerium und der Europäische Sozialfonds zusammen aufgelegt haben.

Die besten Jobs von allen

Zuschüsse jetzt beantragenNoch bis Ende 2011 können zum Beispiel junge Rechtsanwälte über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle unter www.beratungsfoerderung.net Zuschüsse zu ihren Beraterrechnungen beantragen. Von der "Beratungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen sowie freiberuflich Tätige" - wie das Programm offiziell heißt - profitieren Unternehmer ab einem Jahr nach ihrer Gründung. Das Spektrum der geförderten Freiberufler ist breit - es reicht vom Arzt bis zum Notar.Nur Berufe, die sich im Grunde selbst beraten könnten, sind von der Förderung ausgenommen. Das betrifft etwa Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer. Wichtig für Antragsteller: Sitz und Geschäftsbetrieb ihres Unternehmens müssen in Deutschland sein. Im letzten Geschäftsjahr vor Beginn der Beratung dürfen sie nicht mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigt haben und entweder einen Jahresumsatz von nicht mehr als 50 Millionen oder eine Jahresbilanzsumme von nicht mehr als 43 Millionen Euro erzielt haben.Bessere Vereinbarkeit von Beruf und FamilieDann werden auch eingekaufte Spezialberatungen, etwa zum Qualitätsmanagement, der Anbahnung von Kooperationen, der Erfolgsbeteiligung von Mitarbeitern oder der Vorbereitung auf Unternehmensratings gesponsert. Einen ganz besonderen Vorteil haben Unternehmerinnen und Betriebe, die sich speziell in Sachen bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie beraten lassen. Ihnen ersetzt das Amt die Beraterrechnungen in voller Höhe. Das gilt sogar in Fällen, in denen zum Beispiel eine Juristin gemeinsam mit einem männlichen Kollegen eine Kanzlei als Partnerin leitet. Ihren Antrag auf Förderung müssen Freiberufler binnen drei Monaten nach Abschluss der Beratung und Begleichen der Rechnung einreichen.Das Bundesamt übernimmt für Freiberufler in den alten Bundesländern 50 Prozent der Beraterhonorare. Anwälte und andere Freischaffende aus den neuen Ländern und dem Regierungsbezirk Lüneburg dürfen sogar mit 75 Prozent rechnen. Begrenzt sind die Zuschüsse in beiden Fällen auf 1500 Euro pro Beratungsauftrag. Tipp: Antragsteller können auch mehrere Rechnungen einreichen, wenn sie mit ihrem Coach verschiedene unternehmerische Aspekte besprechen. Denn der Staat bezuschusst auch mehrere Konsultationen, wenn diese sich thematisch unterscheiden. Die Höchstfördergrenze liegt pro Gründer bei 6000 Euro.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.10.2008

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