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Konflikte

Den Chef führen

Sabine Scheltwort
Hat Ihr Chef die Weisheit mit Löffeln gefressen? Oder hat er keine Ahnung? Verkauft er Ihre Ideen als seine eigenen? Hier gibt es Tipps für typische Konfliktsituationen.
Ärger mit dem Chef? Muss nicht sein!Foto: © Gernot Krautberger - Fotolia.com
Über wenig lässt sich so gut lästern wie über den Chef. Kollegen, sonst spinnefeind, werden zum Dreamteam, wenn es darum geht, über den Chef herzuziehen. Gemeinsam leiden tut gut, gemeinsam lästern ist noch viel besser. Und alle sind sich einig: Wir können ja doch nichts ändern. Richtig ist, dass Sie Ihren Chef nicht ändern können. Aber es liegt durchaus in Ihrer Hand, sein Verhalten zu ändern, indem Sie Ihr eigenes Verhalten ändern.Sie wollen sich nicht verbiegen?

Die besten Jobs von allen

Sollen Sie auch nicht. Hier geht es nicht darum, dem Chef in den Hintern zu kriechen oder sich lieb Kind zu machen, indem man Kollegen anschwärzt. Hier geht es aber auch nicht darum, wie Sie Ihrem Chef das Leben möglichst schwer machen oder ihn gar aus dem Weg räumen. Unser Thema ist: Wie kann ich meinen Chef dazu bringen, das zu tun, was ich will? Wesentliche Voraussetzung: Werden Sie sich klar darüber, was Sie wirklich wollen. Das mag sich erst mal wie eine Binsenweisheit anhören. Aber wissen Sie tatsächlich immer so ganz genau, welches Marketingkonzept zum Beispiel das bessere wäre oder wie die Arbeit gescheiter auf die Kollegen zu verteilen wäre? Oder ist es nicht viel bequemer, über die Entscheidungen des Chefs zu jammern, als sich selbst den Kopf über eine Alternative zu zerbrechen und dann auch dafür geradezustehen?Stellen Sie also zuerst so genau wie möglich fest, worin Ihr Chef-Problem besteht. Reflektieren Sie dann Ihr eigenes Verhalten genauso kritisch, wie Sie das Verhalten Ihres Vorgesetzten beurteilen. Fragen Sie sich, wie Sie bisher reagiert haben und ob das von Erfolg gekrönt war. Falls nicht, ist es an der Zeit, eine andere Strategie zu überlegen. In schweren Mobbing-Fällen werden Sie damit vermutlich nichts ausrichten können: Da hilft meistens nur die Flucht. Im alltäglichen Umgang aber können Sie so nach und nach Ihren Chef in den Griff kriegen. PS: Der Einfachheit halber ist hier nur vom Chef als männlichem Wesen die Rede. Damit wollen wir nicht unterstellen, dass Frauen die besseren Chefs wären.Mein Chef ist ein Kontroll-Freak und macht am liebsten alles selbstDie Angst, die Kontrolle zu verlieren, ist wohl die am weitesten verbreitete Chefneurose. Nicht ohne Grund: Der Vorgesetzte ist verantwortlich dafür, dass es rollt. Wenn es hakt, ist erst mal er schuld, nicht Sie. Gegen Kontrollsucht hilft nur eins: Erwerben Sie sich das Vertrauen Ihres Vorgesetzten, indem sie transparent arbeiten und Ihre Tätigkeit dokumentieren. Informieren Sie Ihren Chef über den Zwischenstand von Projekten und wichtige Entwicklungen, auch wenn er es nicht ausdrücklich wünscht. Schicken Sie ihm zum Beispiel Mails in Kopie. Wenn Sie wissen, dass er ein Zahlenfuchs ist, arbeiten sie supersorgfältig, wenn es um Zahlen und Daten geht. Wenn er in Sachen Rechtschreibung pingelig ist, lassen Sie wichtige Papiere von einem Kollegen gegenlesen, bevor Sie die Unterlagen weitergeben. Wenn er Formulare liebt, tun Sie ihm den Gefallen und füllen Sie sie aus. Hat sich das gut eingespielt, versuchen Sie, Ihren Freiraum allmählich auszudehnen. Schlagen Sie zum Beispiel bei Großprojekten einen Zeitplan vor, nach dem Sie Ihren Vorgesetzten informieren. Redet er wieder mittendrin rein, verweisen Sie auf den Zeitplan. Wichtig: Halten Sie sich in jedem Fall auch selbst dran, sonst verspielen Sie das mühsam erworbene Vertrauen wieder.
Mein Chef blockt ab, sobald ich ihn kritisiere.
Ihr Chef steht selbst unter Druck. Er fühlt sich ohnehin schon wie ein armer Wicht, eingeklemmt zwischen kaum zu erfüllenden Vorgaben von oben und renitenten Mitarbeitern. Und dann kommen auch noch Sie, um ihn zu schamponieren ­ kein Wunder, dass er davon nichts hören mag. Rüsten Sie sein fehlendes Selbstbewusstsein auf, geben Sie ihm Zucker. Verpacken Sie Ihren Änderungswunsch in einem Wattebausch voller Lob. Ganz wichtig: Formulieren Sie keine Du-Botschaft wie: "Du Esel hast dies und das vergessen." Sondern eine Ich-Botschaft: "Ich frage mich, ob wir nicht das noch berücksichtigen sollten." Wenn Sie noch eins draufsetzen wollen, fügen Sie hinzu: "Ich denke, das hatten Sie ohnehin geplant."Lassen Sie aus einem Konfliktchen keinen Riesenkonflikt wachsen. Je konkreter und zeitnäher der Anlass, desto einfacher ist es, Ihrem Chef klarzumachen, was Sie von ihm wollen. Und spielen Sie nicht den Korinthenkacker, der bis ins kleinste Detail Recht behalten will. Bauen Sie Ihrem Boss eine goldene Brücke, über die er ohne Gesichtsverlust gehen kann.Mein Chef hat keine AhnungBeißen Sie sich lieber die Zunge ab, als ihn bloßzustellen. Ob in großer Runde oder unter vier Augen ­ eine solche Blamage würde er Ihnen nie verzeihen. Hier ist eine meisterliche Führungsleistung gefragt ­ von Ihnen. Denn Sie müssen ihm einerseits das Gefühl geben, dass er das Heft in der Hand hält ­ sonst laufen Sie Gefahr, dass er bestenfalls blockiert oder schlimmstenfalls wild um sich schlägt. Andererseits müssen Sie durchsetzen, was das Beste für Sie, Ihren Chef und das Unternehmen ist.Wählen Sie kreideweiche Formulierungen. Machen Sie Vorschläge, statt zu sagen, was man tun "muss". Noch besser: Lassen Sie Ihrem Chef die Wahl unter mehreren Vorschlägen ­ von denen Sie einen perfekt ausarbeiten und die anderen derart nachteilig formulieren, dass keine Frage ist, welchen Vorschlag er wählen wird. So lassen Sie ihm die Illusion, er sei es, der entscheide.
Sollte er sich doch für den Ihrer Meinung nach falschen Weg entscheiden, gehen Sie nicht sofort auf Konfrontationskurs. Sonst riskieren Sie, dass er dickköpfig bleibt, um zu zeigen, wer der Boss ist. Lassen Sie, wenn möglich, etwas Zeit verstreichen. Mit etwas Glück erledigt sich einiges von selbst. Wenn nicht, versuchen Sie, Ergänzungsvorschläge anzubringen, immer hübsch sanft formuliert.
Im Alltag denken Sie an Ihren Opa und seinen weisen Spruch "Wer viel fragt, kriegt viel Antwort". Müssen Sie wirklich alles absegnen lassen? Oder können Sie nicht doch viel mehr selbst entscheiden, als Sie im ersten Moment meinen? Allerdings: Wenn's schief geht, müssen Sie auch den Kopf dafür hinhalten.
Mein Chef bremst meine kreativen Höhenflüge aus.

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