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Langeweile im Job
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Langweile und Unterforderung im Job

Dauerhafte Unterforderung lässt sich nicht ausgleichen

Interview: Kerstin Dämon, wiwo.de
In vielen Jobs langweilen sich Mitarbeiter regelrecht zu Tode. Da hilft nur, sich spannendere Projekte zu suchen oder den Ausgleich im Privaten zu schaffen, sagt Arbeitspsychologin Renate Rau.
Was ist eigentlich schlimmer: Burn-out oder Bore-out?

Das Phänomen Bore-out ist extrem selten. Wo das auftritt, muss genug Geld vorhanden sein, um Leute zu beschäftigen, aber keine Aufträge. In einer wirtschaftlich arbeitenden Organisation passiert so etwas nicht. Was es gibt, ist Fehlplanung: In einem Büro weiß der Mitarbeiter nicht, was er machen soll, in der anderen Abteilung arbeiten sich die Leute tot und würden gerne Arbeit abgeben.

Okay, in der Regel haben alle genug zu tun. Aber es gibt doch trotzdem Jobs, in denen die Mitarbeiter eher unter- als überfordert sind...

Es gibt viele Arbeiten, die in der Praxis so schlecht gestaltet sind, dass sie qualitativ unterfordern. Und dann gibt es Arbeiten, die unterschiedliche Anforderungen stellen und Handlungsspielraum bieten. Trotzdem haben Menschen das Gefühl, langsam voran zu kommen, weil sie vielleicht viele Ideen haben, die sie nicht umsetzen können. Kurz gesagt, weil sie ihre Qualifikation nicht ausnutzen können.

Zum Beispiel?

Ich arbeite beispielsweise in einer öffentlichen Verwaltung, weil mir die Sicherheit des Jobs wichtig ist, aber ich störe mich an den für mich geringen Handlungsspielräumen, die mir die Bürokratie vorgibt. Dann kann man natürlich überlegen, ob es einem das Risiko wert ist, den sicheren Job für einen spannenden aufzugeben. Vermutlich wäre man anschließend sogar zufriedener. Wer den Job nicht aufgeben kann, muss versuchen, den langweiligen Job mit seiner Freizeit zu kompensieren. Wenn ich mir aber vorstelle, dass jemand irgendwelche Technik überwacht, und weil selten etwas passiert, dies als sehr langweilig empfindet, kann man sich natürlich sagen: Das ist nur ein Job und ich schaffe mir einen Ausgleich in der Freizeit, in der ich viele andere Dinge zu tun habe und in der ich mich gut erholen kann.

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