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Ortswechsel

Das Tor zur Antarktis

Anke Richter
Leben und arbeiten in Christchurch: Das Zentrum von Neuseelands Südinsel ist eine wohltemperierte Oase für Familien und Outdoor-Sportler. Und das Tor zur Antarktis.
Stephanie Laut hat in Neuseeland weniger StressFoto: © Bente Schipp
Stephanie Laut ist stellvertretende Produktmanagerin eines Reiseveranstalters und genießt die flache Hierarchie.Nach ihrem BWL-Studium in Darmstadt kam Stephanie Laut die Lincoln University, Neuseelands drittälteste, 1878 gegründete Hochschule in der Nähe von Christchurch, wie eine Oase vor: "Viel besser organisiert, mehr persönliche Betreuung und Kontakt zu den Dozenten. Aber dafür zahlt man natürlich auch." Drei Jahre später steht sie fest im neuseeländischen Berufsleben und findet das Arbeiten "generell viel entspannter als in Deutschland".

Die besten Jobs von allen

Flache Hierarchien und eine Chefin, die auftritt wie alle anderen - das kannte die 31-jährige Deutsche so nicht. "Alle gehen miteinander gleich um, keiner wird übergangen. Aber an die vielen Team-Meetings musste ich mich erst mal gewöhnen. Das verlangsamt doch vieles."Entspanntes Berufsleben in NeuseelandStress ist für sie ein Fremdwort geworden. "Ich habe noch nie so wenig gearbeitet wie hier", gibt sie lachend zu. Den Kiwis sind Freizeit und Familie meist wichtiger als eine steile Karriere, und daher sei es ganz normal, dass am Freitag jeder ins Wochenende fährt. Das hat auch auf die unternehmungslustige Deutsche abgefärbt. "Ich bin viel im Fitness Center oder fahre raus aufs Land, auf eine Farm oder in einen der kleinen Orte am Meer."Dass Natur und Kultur in greifbarer Nähe liegen, macht für sie das Leben in der 350 000-Einwohner-Stadt Christchurch aus. "Die Stadt ist nicht so groß, dass sie einen erschlägt. Ich laufe zur Arbeit, fahre viel mit dem Fahrrad. In 20 Minuten bin ich am Strand des Pazifischen Ozeans. Die Natur ist überall greifbar. Das ist für mich echte Lebensqualität."Freizeitangebote gibt es reichlichAuch sonst hat Christchurch genug zu bieten: Kunst, Kinos, lebhafte Cafés. Jetzt, im Januar, findet das Buskers-Festival mit Straßenkunst und Musik statt. Dabei wird Stephanie Laut begeistert im Publikum stehen, mit ihren neuen Freunden vom deutschen Stammtisch, den sie gegründet hat. Denn junge Kiwis kennenzulernen, sagt sie, sei nicht immer einfach: "Die bleiben gerne in ihren Cliquen unter sich." Ihr Freund war da die große Ausnahme. Durch ihn ist sie endlich in Aotearoa, dem "Land der langen weißen Wolke", wie die Maori die südpazifische Insel nennen, angedockt. "Jetzt, wo ich den richtigen Job und den richtigen Mann habe, bleibe ich auf jeden Fall hier."
Dieser Artikel ist erschienen am 09.01.2009

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