Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Zeit-Wohlstand
Foto: Gillio/Fotolia.com
Magazin für gutes Leben

Das Recht auf Faulheit

Interview: Tina Groll, zeit.de
Sie proklamieren den Zeit-Wohlstand und fordern ein Recht auf Müßiggang. Eine Gruppe Medienmacher will ein Anti-Karriere-Magazin auf den Markt bringen.
Herr Korte, in der Pilotausgabe des transformMagazins geben Sie Tipps zum Blaumachen. Macht es glücklicher, sich vor Verpflichtungen zu drücken und keine Karriere zu machen?

Zumindest gibt es viele Menschen, die keine Erfüllung darin sehen, 40 Stunden oder mehr einer oft stumpfsinnigen Tätigkeit am Computer nachzugehen. Man hat doch so viele Interessen, die durch einen Arbeitsplatz gar nicht erfüllt werden können.

Sie selbst arbeiten daher grundsätzlich nur Teilzeit und nennen das Zeit-Wohlstand.

Ich bin davon überzeugt, dass wir vieles wieder zurückerobern müssen – zum Beispiel Zeitsouveränität. Muße, Müßiggang, Zeit zum Nichtstun sind wichtig für ein gutes Leben. Und darum geht es uns – das gute Leben. Überall gibt es nur Krisen, in den Medien wird überwiegend über Probleme berichtet. Da wird immer nur kritisiert, selten geht es um Lösungen – und wenn, dann sind sie kompliziert oder verweisen auf eine höhere Instanz. "Die Politik müsste…." heißt es dann. Aber was hat das mit mir zu tun?

Was soll denn der Einzelne tun?

Jeder einzelne kann die Welt mitgestalten und prägen, insbesondere in seinem unmittelbaren Lebenszusammenhang. Darum ging es mir und meinem Mitgründer Richard Gasch, als wir die Idee für das Magazin hatten. Wir wollen Inspiration geben. Lösungen statt Probleme aufzeigen. Darum versuchen wir, in den Artikeln konkrete, alltagstaugliche Anstöße oder Tipps zu geben.

Das mag funktionieren, wenn man über ein Recht auf Faulheit schreibt. Aber wie würde ein Artikel bei Ihnen beispielsweise über die Flüchtlingsproblematik aussehen?

Hier würden unsere Autoren beschreiben, was man selbst machen kann – etwa einen Flüchtling bei sich zu Hause aufnehmen, zu einer Demonstration für eine Reform des Asylrechts gehen oder erst mal die Menschen persönlich kennenlernen, die nach Deutschland kommen. Jedes politische Thema beeinflusst uns doch in unserem eigenen Leben. Und ein jeder kann empathisch und solidarisch sein, wir sind doch alle Teil der Gesellschaft. Aber viele sind politisch müde, weil die konkreten Zusammenhänge zu wenig dargestellt werden und man denkt, man könne sowieso nichts ändern. Da fragen sich viele: Was geht mich das an? Das ist schade, denn so versäumt man die Chance, das Leben für alle ein bisschen besser zu machen. Denn es interessieren sich doch viele Menschen für Nachhaltigkeit, für Umweltschutz, für Menschenrechte, wie man die Beziehungen zu anderen Menschen verbessern oder die Arbeitswelt menschenfreundlicher machen kann, um diesem Druck zur ständigen Selbstoptimierung zu entgehen.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick