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Werner Decker

Das passt auf keine Kuhhaut

Til Knipper
Werner Decker ist Deutschland-Chef von American Express. Hier erzählt er über seinen schlimmsten Job, der ihn mit seiner Tennismannschaft bis in eine zugige Lagerhalle nach Backnang gebracht hat. Da musste er sich mit stinkenden Kuhhäuten herumschlagen.
Werner Decker kontrollierte KuhhäuteFoto: © Bert Bostelmann
Ich hatte während meines Studiums in Mannheim eigentlich immer ganz gute Jobs. Saisonal habe ich für meinen Bruder gearbeitet, der den elterlichen Gartenbaubetrieb übernommen hatte. Dort habe ich erste Vertriebserfahrung gesammelt und Blumen und Pflanzen an größere Kunden ausgeliefert.Die andere Einnahmequelle war das Tennis. Ich habe damals in Weinheim in der ersten Mannschaft gespielt und Trainerstunden gegeben. Übers Tennis bin ich auch an meinen schlimmsten Job gekommen: die Kontrolle von Kuhhäuten.

Die besten Jobs von allen

Ein Mannschaftskollege von mir hatte einen größeren Lederhandel und Ärger mit einem Kunden im schwäbischen Backnang. Dieser war mit der Qualität einer großen Lieferung, die aus Frankreich kam, nicht zufrieden. Mein Tenniskollege vereinbarte mit seinem Kunden, die Ware vor Ort zu überprüfen. Mit der halben Mannschaft fuhren wir dann zu fünft ins Schwabenländle.In einer zugigen Lagerhalle lagen auf etlichen Paletten Hunderte von Kuhhäuten. Jede wog 30 bis 50 kg, war stark eingesalzen und stank bestialisch. Unsere Aufgabe bestand darin, die gefalteten Häute von den Paletten zu nehmen und aufzuschlagen. Die mangelhaften kamen in den Müll, die guten zurück auf die Paletten. Die Hälfte der Lieferung war nicht mehr zu gebrauchen.Auch finanziell war das ein ReinfallDie ganze Prozedur dauerte acht Stunden. Und obwohl ich körperlich richtig fit war, war ich abends fix und fertig und roch scheußlich nach Kuhhaut. Meine Klamotten habe ich sofort zum Lüften auf den Balkon gehängt. Aber der Geruch ging auch beim Waschen nicht raus. Ich musste alles wegschmeißen. Insofern war der Job auch finanziell ein Reinfall, obwohl der Kollege uns für den ganzen Tag immerhin 200 DM gezahlt hat.Zwei Dinge habe ich damals gelernt: Ich habe seitdem hohen Respekt vor harter körperlicher Arbeit. Außerdem habe ich verstanden, dass es nichts bringt, zu versuchen, mit schlechter Qualität die schnelle Mark zu machen. Die Amerikaner sprechen von "cost of poor quality", weil häufig hohe Folgekosten entstehen. Man tut gut daran, auf Qualität zu achten. Das ist bei uns in einem Dienstleistungsunternehmen besonders wichtig.Werner Decker ist Deutschland-Chef von American Express
Dieser Artikel ist erschienen am 09.03.2010

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