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Belastungen im Job
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Belastungen im Job

Das macht uns krank

Teil 2: Zwei Tage am Stück Urlaub bringen nur wenig

Unklar ist, wie lange es dauert, bis Stress womöglich gesundheitsgefährdend ist. "Ob ein Arbeitnehmer krank wird, hängt davon ab, wie lange der Stress anhält, wie intensiv er ist und wie ausgeprägt die Stresskompetenzen der Person sind", sagt Patricia Lück, Expertin für betriebliche Gesundheitsförderung beim AOK-Bundesverband. Eine extreme Herausforderung, die über mehrere Wochen anhält, kann ihrer Meinung nach eine ähnliche Wirkung auf die Gesundheit eines Angestellten haben wie eine starke Belastung über mehrere Monate.

Dauerhafte Erreichbarkeit fördert Stress Diese starken Beanspruchungen sind laut den Experten Lück und Arbeitspsychologe Tim Hagemann ein Phänomen der modernen Arbeitswelt: "Die Digitalisierung führt dazu, dass viele Angestellte scheinbar grenzenlos arbeiten", sagt Lück. Dank Smartphone sind Arbeitnehmer heutzutage quasi zu jeder Uhrzeit und überall erreichbar, selbst nach Feierabend beantworten viele ihre E-Mails.

Abschalten und lange Urlaubszeiten

Der letzte Gedanke vorm Einschlafen gilt dann oftmals der Arbeit, weil Arbeitnehmer verlernen, sich eine Auszeit zu gönnen. Gerade weil viele Angestellte unter Zeitdruck arbeiten und versuchen, gleich mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen – bei denen sie auch noch ständig unterbrochen werden – ist es laut Hagemann umso wichtiger, dass sie in ihrer Freizeit abschalten, indem sie sich mit Bekannten treffen, Sport machen oder einfach nur faulenzen. Und: "Es bringt einem Arbeitnehmer wenig, wenn er immer nur zwei Tage am Stück Urlaub nimmt. Er braucht lange Urlaubszeiten, zum Beispiel über einen Zeitraum von zwei Wochen, um sich richtig auszuruhen", sagt Lück.
 
Denn wenn Arbeitnehmer in der Lage sind, sich richtig zu erholen und grundsätzlich Spaß an ihrem Job haben, kann Stress gesundheits- und leistungsfördernd sein, meint Hagemann. Denn wenn der Angestellte unter Druck gerät, schüttet sein Körper Stresshormone aus. Das macht ihn aufmerksamer und er reagiert schneller. Die Ausschüttung des Stresshormons geht allerdings zulasten anderer körperlicher Funktionen wie die des Magendarmtraktes und des Immunsystems. Schließlich sind die Ressourcen des Körpers begrenzt. "Diesen Reflex gab es bereits, als die ersten Menschen einem Säbelzahn-Tiger begegneten. Heute ist es allerdings der Chef, der diese Reaktion hervorrufen kann", sagt Hagemann. In diesen Situationen nutzt der Körper automatisch seine Energie, um die Ursache des Stresses
zu bewältigen. Sobald sich die Lage beruhigt hat, werden die Immun- und Darmfunktionen wieder hochgefahren.

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