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Elite von morgen
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Managementnachwuchs

Das ist die Elite von morgen

von Konrad Fischer, Martin Seiwert, Philipp Mattheis und Kristin Schmidt, wiwo.de
Wie die Wirtschaft 2030 aussieht, hängt vielleicht vom Ölpreis ab, vielleicht vom technischen Fortschritt. Ganz sicher aber von den Führungskräften, die dann Weltkonzerne lenken. Doch wie ticken die Top-Talente der Zukunft?
Viola Deng ist erst 28 Jahre alt, aber ihr Lebenslauf füllt Seiten. Mit 16 zog sie zu Hause aus, studierte, arbeitete für Siemens. Mit Anfang 20 gründete sie einen Internet-Versandhandel, beschäftigte bald zehn Mitarbeiter.

Erfolgs-Programm: Neustart

Heute macht sie einen Master of Business Administration (MBA) an der China Europe International Business School in Shanghai. Wer hier studiert, der hat den Karriereeinstieg bei den großen Banken und Unternehmen des Landes fast sicher. Viola hätte das gar nicht mehr nötig, ihr Unternehmen macht schon heute einen Umsatz von deutlich über zehn Millionen Renminbi, gut 1,5 Millionen Euro. Über all diese kleinen Wendepunkte in ihrem jungen Leben sagt sie einen Satz, den wir später vielleicht als programmatisch für eine Generation verstehen werden: "Jedesmal habe ich irgendwann gemerkt: Ich komme nicht weiter. Dann habe ich etwas Neues angefangen."

Viele Klischees sind falsch

Damit Sie sich keine falschen Hoffnungen machen: Wir wissen nicht, wer in 20 Jahren Chef von Huawei, des Weltkonzerns aus Shenzhen, sein wird und was Viola Deng damit zu tun haben wird. Wir wissen auch nicht, wer 2030 die Geschäfte von Goldman Sachs leiten wird. Noch nicht mal, wer dann dem deutschen Arbeitgeberverband vorstehen wird. Aber vielleicht können wir herausfinden, wer es auch hätte werden können. Welches Umfeld diese Menschen geprägt hat, welchem Milieu sie entstammen. Und das verrät uns viel darüber, welche Ziele und Wünsche ihr Handeln bestimmen. Wie die Elite von morgen so tickt.

Den Ausgangspunkt bildet das "Global Perspectives Barometer", das die Marktforscher vom GfK Verein, dem wissenschaftlichen Arm der GfK, einmal im Jahr mit dem St. Gallen Symposium herausgeben. Jeweils im Mai treffen sich dort 200 ausgewählte Studenten aus den besten Universitäten der Welt. Mit Politikern und Wirtschaftslenkern der Gegenwart diskutieren sie ein paar Tage die großen Fragen der Welt. "Wir können hier einzigartige Einblicke in die Gedankenwelt des internationalen Führungskräftenachwuchses gewinnen", sagt Andreas Neus, Studienleiter aufseiten der GfK. "Das ist extrem spannend, da sich viele Vorurteile über Digital Natives nicht bestätigen."

Chef muss sein

Da wäre zum Beispiel das Missverständnis über die Hierarchieskepsis der Generation Y, also der nach 1980 Geborenen: Obwohl die Führungskräfte von morgen durchaus Wert darauf legen, im Team nach ihrer Meinung gefragt zu werden, halten die meisten einen Projektverantwortlichen, der die Entscheidung trifft, für unersetzlich.

"Es stimmt einfach nicht, dass Digital Natives immer alles gleichberechtigt entscheiden wollen", sagt Neus. 58 Prozent der Befragten erwarten von ihren späteren Mitarbeitern zwar, dass sie Vorschläge einbringen – umgesetzt werden sollten diese aber erst, wenn der Chef zugestimmt hat. Nur 38 Prozent würden ihren Mitarbeitern so weit vertrauen, dass die von selbst aktiv werden könnten und lediglich an sie berichten müssten.

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