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Solarbranche

Das Geschäft mit der Sonne

Til Knipper
Die Solarbranche erlebt gerade ihre erste Krise. Doch das Unternehmen Solarworld trotzt dem Abwärtstrend und stellt weiter ein. Vor allem bei Berufseinsteigern ist Solarworld sehr beliebt. Marketing und Vertrieb werden in Zukunft sogar ausgebaut.
Katharina Bachem ist dem Unternehmen seit Jahren treuFoto: © Rainer Holz
Das Schild mit der Aufschrift Vergangenheit weist bei Solarworld in den Keller unterhalb der Kantine. Dort soll sich im Halbdunkel jeder von der alten Energie verabschieden. Große Fotos zeigen die bösen fossilen Energieträger: Öl muss von einem Soldaten mit Maschinengewehr vor einer Pipeline im Irak verteidigt werden, Kohle gibt es nur zum Preis von Mondlandschaften in ehemaligen Tagebaugebieten. Der Atommüll macht sich im Lager Asse selbstständig, und die Hälfte des Erdgases entweicht aus rostigen Rohren in der Ukraine. Nebenan im Hauptgebäude des ehemaligen Wasserwerks haben sie auch gleich noch eine überdimensional große Glühbirne begraben.Die Lösung der Zukunft, ein paar Stockwerke höher hängend, ist für Solarworld die Sonne, und sie liefert genug Energie für alle. Bei Solarworld in Bonn mögen sie solche plakativen und einfachen Botschaften: Sonne kommt, annehmen und dann rein ins (Strom-)Netz, um es im Duktus von Lukas Podolski zu sagen. Der Kölner Nationalspieler macht Werbung für das Vorzeigeunternehmen der Solarenergiebranche in Deutschland.

Die besten Jobs von allen

Auch Betriebswirte werden eingestelltVon ihrer Vision, die Welt mit Solardächern und Freianlagen einzudecken, lassen sich Gründer und Vorstandschef Frank Asbeck und seine Mitarbeiter nicht abbringen. "Sie sollten sich für Photovoltaik begeistern können", antwortet Sitha Stübe deshalb auch auf die Frage, worauf sie bei Bewerbern besonders achtet. Die Personalchefin ist zuständig für die Zentrale in Bonn und den internationalen Vertrieb. Sie sucht vor allem Maschinenbau- und Elektotechnikingenieure und IT-Spezialisten, aber auch Betriebswirte werden regelmäßig eingestellt. Am Produktionsstandort im sächsischen Freiberg gibt es außerdem noch Stellen für Chemiker, Physiker und Verfahrenstechniker.Über 20 Hochschulabsolventen und Young Professionals sind 2009 bei Solarworld dazugekommen. "Die Personalplanung für das kommende Jahr ist noch nicht abgeschlossen, aber es werden voraussichtlich wieder 20 bis 25 in Deutschland sein", sagt Stübe. Insgesamt arbeiten momentan 2100 Mitarbeiter bei Solarworld. "Bis Ende 2011 werden es weltweit 3000 Festangestellte sein", sagt Stübe. Dann hätte der Konzern, der auch in den USA und Südkorea eigene Produktionsstätten betreibt, seine Belegschaft innerhalb von acht Jahren versechsfacht. Wachstumspotenzial ist für die Branche in jedem Fall noch vorhanden, da die Solarindustrie derzeit nur 0,7 Prozent zur Energieerzeugung Deutschlands beiträgt.Solarworld ist auch in der Krise profitabelDie dynamische Entwicklung des Unternehmens hat Katharina Bachem am eigenen Leib erfahren. Die 26-Jährige hat direkt nach dem Abitur eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei Solarworld gemacht. Danach hat sie Medienwirtschaft an der Rheinischen Fachhochschule in Köln studiert. Seit September arbeitet sie fest im Marketing, wo sie auch während ihres Studiums gejobbt hat. "Als ich während meiner Lehre hier war, haben im Marketing alle alles gemacht", sagt Bachem.Mittlerweile ist die Abteilung so groß geworden, dass jeder sein eigenes Aufgabenfeld hat. Bachem ist zuständig für die Messeauftritte in Deutschland und Europa. "Ich komme in der Welt rum und habe viel mit Menschen zu tun", sagt sie. In Absprache mit Vertrieb und Produktmanagement erarbeitet sie Messekonzepte. "Mit Messebauern, die unsere Stände entwerfen, bespreche ich dann die Umsetzung." Ein lebensgroßer Poldi aus Pappe ist immer mit dabei.

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