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Fahrrad löst Dienstwagen ab.
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Dienstrad statt Dienstwagen

Das Fahrrad als neues Statussymbol

Anne-Sophie Lang
Immer mehr Führungskräfte verzichten gerne auf den Dienstwagen: Drei Entscheider berichten, wie sie mit Alternativen zum Firmenauto klarkommen.
Großes Eckbüro und dickes Auto – dass die Statussymbole der Entscheider an Bedeutung verlieren, hört man oft. Der jungen Generation sei anderes wichtig: flexible Arbeitszeiten sowie die Balance von Arbeit und Privatleben. Ein Dienstwagen? Wozu denn? Der ist in der Großstadt ja nicht mal praktisch, wo Parkplätze rar sind und man mit Fahrrad, Bus und Bahn genauso gut vorankommt. Außerdem schadet er der Umwelt.

Gesunde Alternative

Dieses Denken mag modern sein – auf den obersten Chefetagen ist sie allerdings nicht angekommen. Wer bei größeren Unternehmen nachfragt, erfährt: Fast alle Vorstände und Geschäftsführer fahren Firmenautos und häufig keine kleinen, spritsparenden, sondern die wuchtigen Modelle von Audi, BMW und Mercedes.

Dennoch gibt es einige Manager, die auf Alternativen zum Auto setzen. Der Ikea-Chef Peter Agnefjäll etwa bugsiert sein Gepäck schon mal auf dem Fahrrad zum Flughafen. "Ich verzichte, wann immer es möglich ist, auf das Auto und nutze das Fahrrad", sagt er. "Das ist gut für meine Gesundheit und die Umwelt, und es kostet rein gar nichts."

Kosten einsparen

Solche prominenten Beispiele sind zwar noch rar. Was das Gros ihrer Mitarbeiter angeht, so interessieren sich Unternehmen aber längst für alternative Mobilitätsformen. Aus guten Gründen: So sinken etwa der Verwaltungsaufwand und die Kosten für einen Fuhrpark, wenn Mitarbeiter auf Fahrräder, Carsharing oder auf Bus und Bahn umsteigen. Die neue griechische Regierung weiß das; eine frühe Amtshandlung von Alexis Tsipras war, die Dienstwagen seines Kabinetts zum Verkauf zu stellen.

Michael Schramek leitet eine Unternehmensberatung für nachhaltige Mobilität, er hat für sich selbst mal nachgerechnet: Alle beruflichen Strecken mit dem Firmenauto zu fahren kommt ihn im Jahr rund 30 000 Euro teurer als sein Mobilitätsplan für dieses Jahr – viel Bahn, etwas Fahrrad, etwas Carsharing und ganz wenig Taxi. In seiner Rechnung berücksichtigt Schramek, dass man in der Bahn einigermaßen produktiv arbeiten kann. Fahrradfahren hat einen anderen Vorteil – es hält fit und gesund. Es sind also nicht nur geringere Kosten, derentwegen sich für Unternehmen eine Abkehr vom Auto lohnt, sondern auch leistungsfähigere Mitarbeiter. Außerdem lockt ein flexibler Mobilitätsmix junge Talente. Und nebenbei kann die verringerte CO2-Bilanz werbewirksam präsentiert werden.

Grünes Image pflegen

So kommt es, dass Konzerne wie Bayer oder E-Bay mit Carsharing-Unternehmen kooperieren und Firmen wie die Commerzbank und BMW ihren Mitarbeitern Fahrräder zur Verfügung stellen. Und dass die Deutsche Bahn ihren Führungskräften seit 2013 die Wahl zwischen Dienstwagen und dem sogenannten Mobilitätsbudget bietet – einer Bahncard 100 mit diversen Zusatzleistungen. Und dass der Pharmahersteller Daiichi Sankyo Europe rund 800 Mitarbeiter mit individuellen Plänen versorgen will, wie sie ihre Arbeitswege künftig gut und grün zurücklegen können.

Allein an den dicken Karossen der Vorstände ändert das wenig. "Die meisten Spitzenkräfte sind zu lange anders sozialisiert worden", sagt Michael Schramek. "Die haben da noch Schwierigkeiten." Das könnte sich ändern: Wenn auch auf diesen Positionen der Nachwuchs nachrückt, dem Autos nicht mehr wichtig sind. Einige wenige Vorbilder auf Managerpositionen hat er schon.

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