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Interview mit Robert I. Sutton

Das Ende der fiesen Kollegen

Katja Wilke
Gemeine Mitarbeiter schaden der Unternehmenskultur: Prof. Robert I. Sutton ist Dozent für Managment an der Stanford University. Im Interview spricht er über sein Buch "Der Arschloch-Faktor".
Robert Sutton ist Dozent für Managment an der Standford UniversityFoto: © Courtesy Stanford Graduate School of Business
Professor Sutton, wann sind Sie zuletzt einem Arschloch begegnet?
(lacht) Wissen Sie, auch wenn es für Außenstehende nicht so aussieht - die Stanford-Universität ist klein. Würde ich Ihnen das jetzt erzählen, hätte es sich schnell herumgesprochen. Das möchte ich lieber vermeiden. Nur so viel: Lange ist es nicht her

Schön. Aber wie in aller Welt sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr neues Buch "Der Arschloch-Faktor" zu nennen?
Ich sollte für die Harvard Management Review einen Essay über Menschen schreiben, die sich im Arbeitsleben danebenbenehmen. Dabei war mir wichtig, dass diese Sorte Mitarbeiter so bezeichnet wird, wie sie auch abends in der Kneipe oder zu Hause genannt wird: Arschlöcher. Ich wollte also bewusst keinen verschleiernden Platzhalter wie zum Beispiel "Idiot" verwenden. Zunächst habe ich damit gerechnet, dass das Magazin höflich, aber bestimmt ablehnt. Doch die Zeitschrift hat das Wort tatsächlich durchgehen lassen. Ich war geschockt!
Sie kokettieren. Immerhin hat die Stimme eines Stanford-Professors Gewicht, zudem haben Sie auch in der Vergangenheit schon erfolgreich publiziert.
Ja, aber ich hatte wirklich Glück. Ich bin davon überzeugt, dass das Buch "Bullshit" von Harry G. Frankfurt vor ein paar Jahren den Weg bereitet hat. Es hat in der Wissenschaft Türen für die vulgäre Sprache aufgestoßen.

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Wie ging es nach dem Artikel weiter?
Ich bekam ein riesiges Feedback. Viele Leute bedankten sich und schrieben über ihre Erlebnisse mit Arschlöchern am Arbeitsplatz. Jemand aus einer deutschen Beratungsfirma schrieb zum Beispiel in einer E-Mail über sein Unternehmen: "Wenn Arschlöcher fliegen könnten, wäre dies der Flughafen." Darüber musste ich sehr lachen. Über andere Geschichten kann man nur den Kopf schütteln. Aus Schottland berichtete jemand über eine Angestellte, die schwanger wurde und deswegen häufiger zur Toilette gehen musste. Diese paar Minuten zog ihr der Chef einfach von der Pause ab. Unfassbar. Es hat sich also einfach aufgedrängt, ein Buch darüber zu schreiben.

Was macht einen Mitarbeiter in Ihren Augen zum Arschloch?
Wenn er sich so verhält, dass er andere beleidigt, einschüchtert, demütigt oder ignoriert. Typisch ist auch, dass Arschlöcher E-Mail-Attacken versenden, gegen die sich der Betroffene nicht direkt wehren kann. Oder dass sie ihre Opfer mit sarkastischen Witzen beleidigen und im Anschluss behaupten, sie hätten nur Spaß gemacht. Oder dass sie Kollegen immer wieder rüde unterbrechen. Arschlöcher greifen auf eine Vielzahl von Verhaltensweisen zurück, um ihre Opfer zu erniedrigen oder zu unterdrücken. Häufig sind es kleine Gemeinheiten, die im Arbeitsalltag zermürben.




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