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Verhandeln mit Verkäufern

Das Duell um die Prozente

D. Fricke, L. Borghardt
Da geht garantiert noch was! Junge Karriere-Redakteurin Dorothee Fricke tritt gegen Profi-Rabattjäger Reiner Schmidt an. Wer holt wie die besten Nachlässe raus?
Gut gefeilscht: So macht der Einkauf SpaßFoto: © Suprijono Suharjoto - Fotolia.com
Ihr ist es peinlich, nach Rabatten zu fragen. Er liebt es, zu feilschen wie auf dem Basar. Es ist ein ungleiches Duell, zu dem Hobby-Shopperin Dorothee und Profi-Rabattjäger Reiner an diesem Morgen in Münster antreten. Deshalb darf Dorothee zuerst probieren. Sie späht am Vormittag Objekte ihrer Begierde aus und versucht, gute Preise rauszuschlagen und damit die Messlatte zu bestimmen. Anschließend ist Reiner dran. Er soll Dorothee übertreffen. Schmidt führt eine so genannte Preisagentur, für Kunden ermittelt er den jeweils günstigsten Preis für ein Produkt. Von jedem runtergehandelten Euro bekommt Schmidt 30 Prozent Provision. Feilschen ist sein tägliches Brot. Auf seiner Pirsch durch die Münsteraner Innenstadt schaut ihm Junge-Karriere-Redakteurin Liane Borghardt über die Schulter. Nur fürs Protokoll natürlich.Doch gleich sein erster Versuch, in einem Juweliergeschäft am Hauptbahnhof richtig Rabatt zu machen, geht daneben. Die 20 Euro Nachlass, die Dorothee für eine Herren-Uhr von Seiko herausgeholt hat, kann der Profi nicht toppen. Fazit der Feilscher: Viel Verhandlungsspiel gibt es wegen der hohen Ladenpacht in Bahnhofsnähe nicht. Kleine Fachgeschäfte in Randlagen versprechen größeren Erfolg. Und: Alle Preise für ein Produkt vorher im Internet vergleichen, das gibt zusätzliche Argumentationshilfe.

Die besten Jobs von allen

Möbel Althoff
Feilsch-Objekt: Tisch von "Cor", Ladenpreis: 2.075 Euro

10.30 Uhr: Dorothee
Feilschen - gegen einen Profi. Ausgerechnet ich! Wo ich doch sonst anstandslos jeden aufgedruckten Preis zahle. Mir ist ganz flau, als ich das Möbelhaus ansteuere. Gediegen und stilvoll. Einer dieser Läden, in dem man sich für sein zusammengewürfeltes Wohnzimmer schämt. Besonders angetan hat es mir ein edler Nussbaumtisch von Cor für 2.075 Euro. Pokerface aufsetzen, einen auf arme Studentin machen, obwohl ich's gar nicht mehr bin? Lieber nicht. Ich stelle der Verkäuferin ein paar Fragen, komme dann schnell zum Punkt. "Welchen Preis können Sie mir machen?" Gegenfrage: "Was wollen Sie zahlen?" "1.700" sage ich, ohne rot zu werden. Die Verkäuferin wiegt den Kopf und antwortet zu meiner Überraschung: "1.900 könnten wir machen." Ich: "Mehr ist nicht drin?" Sie: "Mhhm, 1.850 vielleicht, aber dann ist Schluss." "Ihr letztes Wort?" "Ja, ist schließlich ein aktuelles Stück." 225 Euro gedrückt. Nicht schlecht für den Anfang, denke ich mir. Triumphierend verlasse ich den Laden.
Runtergehandelt: 11 %

14.30 Uhr: Reiner
"Was kostet denn die Sitzgruppe?", fragt Reiner Schmidt, der Profi-Feilscher, und schützt vor, dass er "den ganzen Klumpatsch" nimmt. Die blonde Beraterin addiert eifrig. "Da bleiben wir erst mal beim Tisch", schwenkt Schmidt um. Für 1.700 Euro nähmen wir ihn. "Bittstellertum vermeiden und ein klares Ziel vor Augen haben", lautet Schmidts Mantra. Die Frage "Geht da noch was?" dagegen ist immer Steilvorlage für ein Nein - also tabu. Die Verkäuferin zückt wieder ihren Rechner, bietet den Esstisch erst zu 1.900, dann zu 1.850, schließlich zu 1.800 Euro. Schmidt sabbelt über das Wetter, Lieferzeiten, Selbstabholung. "Weg von der harten Verhandlung", heißt diese Taktik. Dann schlägt der Rabatt-Rambo wieder zu: "Wir haben schon einige Stücke von der Firma Cor. Die haben uns immer 15 Prozent gegeben." Die Verkäuferin rechnet, seufzt: "1.765, 75 Euro - okay." Na, wer sagt's denn.
Runtergehandelt: 15 %

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