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Franziska Völckner

"Das Ausland hat seine Reize"

D. Fröhlich, S. Kammler
Franziska Völckner, Marketingexpertin, ist seit kurzem Professorin an der Uni Köln. Die 30-Jährige über Talent und Mut, den Forschungsstandort Deutschland und ihren Wunsch nach Familie.
Franziska Völckner, BWL-Professorin in KölnFoto: © PR
Junge Karriere: Frau Völckner, Sie sind Deutschlands jüngste BWL-Professorin und geben zurzeit ein Interview nach dem anderen. Wie gehen Sie mit dem Rummel um Ihre Person um? 
Franziska Völckner:
Ich werde in der Tat von Terminen erschlagen. Zusammen mit dem Aufbau des Lehrstuhls ist das natürlich ein hoher zeitlicher Aufwand. Aber der Rummel freut mich.
Die Aufmerksamkeit der Medien hat sicher auch damit zu tun, dass Sie jung und weiblich sind. Hilft Ihnen das, etwas für die Position der Frauen in der Wissenschaft zu tun?
Der Hauptgrund für diesen Rummel ist doch, dass ich so jung habilitiert bin und den ersten Ruf an eine sehr renommierte Uni bekommen habe. Ich möchte keine Quotenfrau sein. Aber ich möchte mich für den wissenschaftlichen Nachwuchs einsetzen, egal ob männlich oder weiblich. Und Nachwuchskräfte für eine wissenschaftliche Laufbahn begeistern. Inwiefern die derzeitige Aufmerksamkeit in den Medien hilft, kann ich zurzeit noch nicht einschätzen.

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Tatsache ist, dass es nur wenige BWL-Professorinnen gibt.
Das liegt doch vor allem daran, dass die Entscheidung, nach der Promotion weiterzumachen, typischerweise zu einem Zeitpunkt ansteht, an dem man über Familienplanung nachdenkt. Hier haben Sicherheitsaspekte dann ein ganz anderes Gewicht. Mit dem Entschluss, sich zu habilitieren, wagt man sich zunächst einmal schon in eine ungewisse Zukunft.
Sind Sie besonders mutig?
Ich war in der vorteilhaften Situation, dass ich diesen Schritt nicht mit 28 oder 30 Jahren machen musste - einem Alter, wo man eben über Familie nachdenkt. Ich war erst 26 und würde mich nicht als mutiger bezeichnen als andere. Ich konnte zu dem Zeitpunkt andere Prioritäten setzen.
Okay. Dann waren Sie eben ehrgeiziger, oder?
Sicherlich gehört zu so etwas eine gesunde Portion Ehrgeiz. Es ist aber auch das richtige Umfeld dabei. Ich hatte das Glück, an der Uni Hamburg, wo ich promoviert und habilitiert habe, einen Mentor zu haben, der mich wissenschaftlich begleitet und mir Netzwerke zur Verfügung gestellt hat.
Sie sind sehr begabt. Glauben Sie, dass Talent Fluch und Segen zugleich ist?
Ich glaube, dass es ein Fluch sein kann, wenn eine Begabung nicht entdeckt und gefördert wird. Es ist nicht gut, immer unterschwellig unterfordert zu sein und den Spaß an einer Sache zu verlieren. Man sieht ja auch, dass Hochbegabte durchaus schlecht in der Schule sind. Das liegt nicht daran, dass sie dumm sind, sondern dass sie permanent unterfordert werden, sich langweilen und dann kein Interesse mehr am Stoff entwickeln. Es ist wichtig, dass Begabung, egal welcher Art, entdeckt und gefördert wird. Dann ist Begabung ein Segen. Wie bei mir. Meine Familie hat mich immer unterstützt und mir den Rücken gestärkt.
Sie waren mehrfach zu Forschungsaufenthalten in Australien. Wieso sind Sie nach Köln gegangen - und nicht ins Ausland?
Schwierige Frage. Ich möchte nicht ausschließen, dass es mich irgendwann auch ins Ausland verschlägt. Doch jetzt bin ich hier. Ich finde, einen Lehrstuhl mit Mitarbeitern und entsprechender Infrastruktur zu haben, ist ein Vorteil des Standorts Deutschland. Ich habe Doktoranden, die an meinen Forschungsprojekten beteiligt sind, und die ihre eigenen Dissertationen schreiben. Aber dennoch, das Ausland hat seine Reize. Es ist ein ganz anderes Arbeiten und Forschen. Und das Gehalt ist überall besser als in Deutschland. Ich fühle mich hier nicht leistungsbezogen bezahlt. Wenn ein attraktives Angebot von einer sehr guten Uni kommt, kann es sein, dass ich meine wissenschaftliche Laufbahn im Ausland fortsetzen werde.
Welchen Stellenwert hat die deutsche BWL im internationalen Vergleich?
Für die gesamte BWL kann ich wohl nicht sprechen. Der Marketingbereich ist in den vergangenen Jahren international sichtbarer geworden. Viele Kollegen haben die Notwendigkeit erkannt, auch englischsprachig zu publizieren und in hochkarätige internationale Journals reinzukommen. Darüber gelangt man zu internationaler Sichtbarkeit, und da sind wir auf einem sehr guten Weg.
Sie selbst waren schon in der Schule sehr gut, haben sogar eine Klasse übersprungen und trotzdem das Abi mit 1,2 gemacht. Haben Sie das Talent in die Wiege gelegt bekommen?
Also, ich glaube, um in so jungen Jahren habilitiert zu sein, gehört auch irgendwie Begabung dazu. Das schafft man nicht allein mit einer 80-Stunden Woche.
Arbeiten Sie denn auch so viel?
Ja, in jedem Fall. Klar gehört Begabung dazu, aber auch Begeisterung für das, was man macht. Da verfließen auch schnell mal die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit. Man merkt irgendwann gar nicht mehr, wenn man über Forschung nachdenkt. Man beobachtet sich selbst bei seinem eigenen Kaufverhalten und stößt da auf Fragestellungen, die man näher untersuchen will. Und man muss sich klare Ziele setzen, die realistisch sind.

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