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Katharina Bernau-Seiguer

Coffee-Queen will ihr Reich vergrößern

Kirsten Ludowig
Katharina Bernau-Seiguer expandierte mit ihrer Kaffeehaus-Kette zehn Jahre Schritt für Schritt. Franchise war für die geradlinige Juristin lange Zeit kein Thema. Doch nach einer kurzen Liaison mit Burger King hat sie nun den Mittleren Osten im Blick.
Katharina Bernau-Seiguer will expandierenFoto: © Thorsten Jochim
Der Milchschäumer brodelt und zischt, Tassen klappern, es riecht nach frisch gebrühtem Kaffee. In der Filiale der San Francisco Coffee Company (SFCC) am Odeonsplatz in der Münchener City herrscht Hochbetrieb. Die blonde Frau - helle Augen, kühler Teint - misst gerade mal 1,60 Meter, ist schlank und zierlich. Kunde für Kunde rückt sie in der Schlange an der Theke vorwärts. "Ich stelle mich immer hinten an und bezahle wie andere auch", sagt sie. Für jeden Gast eine Selbstverständlichkeit, nicht aber für Katharina Bernau-Seiguer. Denn: Der Coffee-Shop gehört ihr - sowie 21 weitere in Deutschland, davon mehr als die Hälfte im Raum München. Eigentlich ist SFCC ein regionaler Mittelständler, doch Bernau-Seiguer will kräftig expandieren. Sechs Monate lang kooperierte sie mit Burger King, der zweitgrößten Fast-Food-Kette der Welt.Der Erzrivale von McDonald's setzte in Deutschland auf SFCC, um langfristig die 600 deutschen McCafés anzugreifen. Die Zusammenarbeit wurde zwar inzwischen beendet. Doch Bernau-Seiguer ist auf den Geschmack gekommen, sie will weiter expandieren und hat dabei den Mittleren Osten im Blick. Im Herbst 2010 ist in Deutschland zudem ein Relaunch des Marken- und Storeauftritts geplant.

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In den vergangenen zehn Jahre hatte sich Bernau-Seiguer um die Expansion gekümmert: Behutsam, Schritt für Schritt, zog sie eine Filiale nach der anderen hoch. Im vergangenen Jahr setzte ihr Unternehmen neun Millionen Euro um. Aufgaben der Ehepartner sind klar verteilt"Wir stehen für Qualität bei den Kaffee- und Espressospezialitäten und ein puristisches, geradliniges Design in den Filialen", erläutert Bernau-Seiguer. "Unsere Kunden sind vor allem Geschäftsleute bis Mitte 40, mehr als die Hälfte Frauen."Die Aufgaben sind zwischen ihr und ihrem Mann, dem Amerikaner Sebastian Seiguer, klar verteilt: Er kümmert sich um das laufende Geschäft, sie sich um die Strategie. Das zeigt sich auch bei Besprechungen in dem großen, hellen Konferenzraum in der Münchener Zentrale in Pasing. Sie gibt ein Stichwort vor, er erstattet Bericht: Coffee-Specials, Bestellungen, Preise? "Yes, we've done", antwortet er und sie hakt es auf ihrer Liste ab.Unternehmerin, die auch Mutter sein will"Katharina ist smart und hat immer alles im Griff", weiß Ex-Anwaltskollege Matthew Powers, Partner bei Weil, Gotshal & Manges. Bevor Bernau-Seiguer SFCC gründete, arbeitete sie in der internationalen Kanzlei im Silicon Valley. Und auch bei ihren drei Jungs - fünf, neun und elf Jahre alt - sagt sie, wo es langgeht. "Ein Au-Pair hier, eine Nanny da - es funktioniert einfach nicht, wenn ich die Erziehung aus der Hand gebe", weiß sie aus Erfahrung und fährt deshalb wieder jeden Mittag nach Hause.Sie gibt offen zu, dass sie ihre Kinder strenger erzieht als andere: Play-Station oder Fernsehen non-stop? "Das gibt es bei mir nicht", sagt sie. Zeitung lesen oder Tagesschau gucken schon. Das mag konservativ sein, aber Bernau-Seiguer hat ihre Gründe.

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